Bruns Breitseite
Die Aktie und ihre Feinde

Die Deutschen mögen keine Aktien. Doch der größte Feind dieser Anlageform ist hierzulande der Staat, gefolgt von vielen anderen Widersachern. Dabei sind Aktien das überlegene Instrument langfristigen Vermögenswachstums.

In Anlehnung an Karl Poppers wichtiges Buch, „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ ließe sich der Frage nachgehen, warum eine erfolgreiche Volkswirtschaft wie die Deutsche das klassische Instrument der Beteiligung an der Wirtschaft – die Aktie – seit Jahrzehnten vernachlässigt. In meinen Augen ist der Staat der größte Feind der Aktienanlage in Deutschland. Gleich dahinter kommen Banken, Versicherungen, Fondsgesellschaften und zum Teil auch Vorstände und Aufsichtsräte von Aktiengesellschaften.

Beim Staat ist die Lage offensichtlich. Er finanziert sich durch Schuldtitel und fürchtet den Wettbewerber Aktie im Kampf um Anlegergelder. Seine Präferenzen setzt der Staat hoheitlich durch, indem er Staatsanleihen bei der Risikoanrechnung von Versicherungen, Banken und anderen institutionellen Anlegern gegenüber Aktien bevorzugt. Zudem diskriminiert der Staat die Aktie, indem ausgeschüttete Gewinne systemwidrig doppelt besteuert. Weitere Aspekte ließen sich anführen.

Ebenso eindeutig ist die Rolle der Versicherer. Ihnen ist an dem Verkauf der staatlich seit Jahrzehnten besonders geförderten Lebensversicherung gelegen. In der Aktie und Aktienfonds erblicken sie einen gefährlichen Wettbewerber.

Erwähnenswert ist noch, dass die Versicherer traditionell sehr gute Verbindungen in die Politik besitzen. Dies kann man von den Banken und der Fondsindustrie nicht sagen, sie haben ihren Kredit – so sie ihn denn jemals einen solchen gehabt haben – verspielt.

Weniger eindeutig ist die Rolle der Banken. Da aber in Deutschland viele Banken unter Staatkuratel stehen (Commerzbank, Landesbanken, Sparkassen, KfW, etc.) verweigern sie sich überwiegend der Förderung der Aktienkultur. Ein überbürokratisches Geflecht aus Aufsichts- Beratungs- und Prüfungsregeln macht die Förderung der Aktie zudem finanziell unattraktiv für Banken und gegebenenfalls sogar risikoreich. Der Verkauf von Sparprodukten, steuergeförderten Anlagen wie Schiffsfonds, Goldschließfächern und Versicherungsprodukten ist wesentlich lukrativer, auch für Bankenvertriebe.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%