Bruns Breitseite: Ein Gespenst steht vor der Tür: Altersarmut

Bruns Breitseite
Ein Gespenst steht vor der Tür: Altersarmut

In Deutschland ist es Tradition, auf Vater Staat zu setzen. Doch bei der Rente wird das nicht ausreichen. Altersarmut droht. Und die ist auch Folge der selbstverschuldeten Unmündigkeit der Bürger in Sachen Kapitalanlage
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Ein Gespenst geht um in Deutschland, das Gespenst der Altersarmut. Meine erste Kolumne auf Handelsblatt Online beginnt mit diesen leicht abgewandelten Worten von Karl Marx. Ob aber die oft menetekelte Altersarmut ebenso verschwindet wie der Kommunismus dies im 20. Jahrhundert tat, wird sich zeigen müssen.

Das Problem Altersarmut ist eine Kombination aus etlichen Faktoren, von denen der demographische Wandel der Wichtigste ist. Aber auch schwach rentierliche Anlageformen gehören zu den weiteren Parametern. Anders als der Kommunismus ist die Altersarmut keine – wie Marx meinte – geschichtsinnewohnende Konsequenz, sondern Folge der selbstverschuldeten Unmündigkeit der Bürger in Sachen Kapitalanlage.

In Deutschland hat es Tradition, auf „Vater Staat“ zu setzen und seiner Führungsweisheit zu vertrauen. Riester, Rürup und viele steuerbevorzugte Anlageformen legen dafür Beweis ab.

Der Gedanke, sich an der Wirtschaft zu beteiligen, liegt eher fern. Und das Instrument der Beteiligung an der Wirtschaft trägt den Namen „Aktie“. Schon das Wort bewirkt in Deutschland überwiegend abstoßende Reaktionen.

Nun muss aber gesehen werden, dass die Unmündigkeit in Kapitalanlagefragen ihre Ursache in Faulheit und Feigheit hat, oder wie Immanuel Kant, der großer Denker aus Königsberg, es dereinst formulierte: „Es ist bequem, unmündig zu sein!“

Inzwischen ist es auch teuer, denn die Unmündigkeit der meisten Deutschen in Sachen Kapitalanlage hat zu einer enormen volkswirtschaftlichen Vermögensfehlallokation geführt, wenn man einmal von der entstandenen Staatsabhängigkeit ganz absieht. Schwachrentierliche und oft riskante Anlagen dominieren die Depotaufstellungen. Ein Übriges tut der Steuersparwahn unserer Landsleute.

Um die eklatante Fehlentwicklung mittel- bis längerfristig zu korrigieren, muss von unten neu angesetzt werden. Ein Pisa-Plan zur ökonomischen Grundbildung muss her! In den Schulen muss vermittelt werden, dass der Wohlstand Deutschlands in der Wirtschaft erarbeitet wird und sonst nirgendwo. Die Kinder müssen verstehen lernen, warum es unbedingt notwendig für Unternehmen ist, Gewinne zu erwirtschaften.

Vielleicht ist dann im Laufe von Jahren auch eine Renaissance der Beteiligung der Bürger an der Wirtschaft qua Aktienanlage wieder salonfähig. Klug war sie immer schon.

Aus Chicago

Ihr Dr. Christoph Bruns

 

Christoph Bruns ist Fondsmanager und Inhaber der Fondsboutique Loys.

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  • Dr. Bruns: „Altersarmut droht. Und die ist auch Folge der selbstverschuldeten Unmündigkeit der Bürger in Sachen Kapitalanlage.“
    Das Attribut „selbstverschuldet“ ist zu beanstanden, denn diese Unmündigkeit liegt doch im Bildungssystem begründet. In der Schulzeit wird kaum Zeit darauf verwendet, die Schüler mit der so elementaren Lebensaufgabe der Einkommensvorsorge allgemein und gerade im Alter auch nur in Anfängen vertraut zu machen. Wir begnügen uns damit, den jungen Menschen Wissen zu vermitteln, in höheren Stufen auch vielleicht ein gewissen Denkvermögen, um damit die Grundlage für eine Berufsausübung zu geben. Wie mit dem schließlich verdienten Einkommen verantwortungsbewusst umzugehen ist, überlassen wir entweder dem Elternhaus oder dem (noch nicht qualifizierten) Eigeninteresse. Selbstverschuldung wäre gegeben, wenn Grundlagen der Altersvorsorge vorausgesetzt werden könnten und wider besseres Wissen vernachlässigt würden.
    Zu fragen ist, ob dieser Mangel im Ausbildungsweg etwa mit Absicht geduldet wird. Denn er begründet und begünstigt mit dem fehlenden Wissen breiter Bevölkerungskreise die Verdienstmöglichkeiten der gesamten Finanzdienstleistungsbranche. Dabei führt deren Begünstigung zu stellenweise katastrophalen Fehlinformationen und provisionsorientierten Anlageempfehlungen unter grober Vernachlässigung der individuellen Anlegerinteressen, z.B. Investition von fälligen Lebensversicherungen mit Schwerpunkt in Aktien oder gar Auslandsaktien (= doppeltes Kursrisiko).

  • [...]!
    Was glaubt ihr, wieviel bei einem Niedriglöhner mit drei Jobs für den Kauf von Aktien übrig bleibt?

    Wenn diese Gesellschaftsgruppe sich selber überlassen bleibt, verhungert sie am Ende oder lebt von trocken Brot und Wasser das irgendwer großtuerisch als Almosen vom Tisch fallen lässt!

    [...]. Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Nieder mit der Rente ! Pensionen (satte) für alle !

    Und alle Probleme sind beseitigt.

    Wer finanziert eigentlich die Pensionen ?
    Wer plündert seit Jahren die Rentenkasse ?
    Wer schafft nur noch billige Arbeitsplätze (ohne Rentenzahlung) ?
    Wer bezahlt die griechischen Beamten und Rentner ?
    Wer hat die Finanzkrise verursacht und wer bezahlt die Millionen Boni der Banker ?
    Usw.

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