Bruns Breitseite
Gold in der Baisse

Die Geburtsstunde der Baisse liegt in der Euphorie. Davon hatte es am Goldmarkt nach exorbitanten Anstiegen seit dem Jahrtausendwechsel allzu viel gegeben. Es musste also wieder abwärts gehen.
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Man denke etwa an die aufgestellten Automaten, an denen man ähnlich wie am Zigarettenautomaten Goldstücke erwerben kann. Es hat sich geradezu eine Verschwörungsindustrie entwickelt, die sich den Preisanstieg beim Gold als sichtbares Zeichen für den abermals herannahenden Untergang des Abendlandes zu deuten aufgefordert sah.

Mittlerweile befindet sich Gold in einer Baisse und ist damit unter den Rohstoffen der Welt in guter Gesellschaft. In der Rohstoffszene wurde bis Mitte 2011 von einem Superzyklus gesprochen, der dann aber jäh endete, so wie alle vorangegangen Super-Haussen ebenfalls.

Die Börsengeschichte ist bekanntlich nicht arm an spekulativen Übertreibungen, die schließlich korrigiert werden. Vor der Rohstoffeuphorie hatte in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrzehnts der amerikanische Wohnimmobilienmarkt deutliche Züge des Irrationalen angenommen. Und auch dort wurden die Warnungen vor unangemessen hohen Preisen nicht ernst genommen. Stattdessen wurde argumentiert, diesmal sei alles anders. Selbst die US-Notenbank Fed sah, wie man weiß, keinerlei Hinweise auf Übertreibungen bei der Immobilienpreisentwicklung.

So oder zumindest ähnlich hatte es auch beim Neuen Markt und der Dot.Com-Blase geheißen. Dort behaupteten die Protagonisten damals, es handele sich sogar um eine ganz neue Anlageklasse, die nicht mit herkömmlichen ökonomischen Maßstäben beurteilt werden dürfte. Im Überschwang der Euphorie verstieg man sich sogar zu einer Auffassung, der zufolge neue Bewertungsmaßstäbe wie beispielsweise ´Klicks pro Minute´ wesentlich wichtiger seien als Gewinn, Verschuldung und Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV).

Kommentare zu " Bruns Breitseite: Gold in der Baisse"

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  • Die Menge entspricht.

    ca 670 Millionen Dollar.

    Falls es Papier war, ist das eine volle Entlastung.

  • Aus dem ETF-GLD-

    wurden seit dem 28.März bis gestern

    478180 Unzen Gold entzogen.

    Egal ob papier oder hinterlegt.
    Diese Menge kann physisch nicht mehr verlangt werden.

    Sie ist erstmal weg.

  • ja sicherlich,

    aber sie vergessen zu schreiben,
    daß Händler nur Durchreicher sind.

    Die Bestände der Händler sind immer kurz, sie wissen um der Vola und gehen kein sonderliches Risiko ein.

    Die Lieferzeiten kommen doch nicht durch Knappheit,
    sondern ergeben sich weil der Händler erstmal an der Quelle ordern muß und selten ab Lager liefert.
    Oder haben Sie riesige Lagerbestände? Das glaube ich nicht, die letzten
    2 Jahre sprechen gegen hohe Lagerhaltung.

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