Bruns Breitseite
Margaret Thatcher und der Niedergang Großbritanniens

Der Niedergang Großbritanniens im vergangenen Jahrhundert hat viele Manager gehabt und setzt sich auch in unserem Jahrhundert – und zwar mit gesteigerter Geschwindigkeit – fort. Unter ihnen ragt neben Winston Churchill vor allem Margaret Thatcher hervor, und zwar keineswegs nur deshalb, weil sie eine Frau war.
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Der Niedergang Großbritanniens im vergangenen Jahrhundert hat viele Manager gehabt und setzt sich auch in unserem Jahrhundert – und zwar mit gesteigerter Geschwindigkeit – fort. Unter ihnen ragt neben Winston Churchill vor allem Margaret Thatcher hervor, und zwar keineswegs nur deshalb, weil sie eine Frau war.

Zwar war ihr das Attribut vergönnt, die erste und auch einzige Premierministerin des Landes gewesen zu sein, jedoch ging sie in die Geschichte ein für ihre Resolutheit, die bisweilen von Halsstarrigkeit kaum zu unterscheiden war. Sie ist obendrein ein blendendes Beispiel dafür, dass Frauen in Führungspositionen scheinbar besonders männliche Stilelemente an den Tag legen müssen, um Erfolg haben zu können. Bundeskanzlerin Merkel eminiert bekanntlich ebenso in vermeintlich männlichen, wenngleich anderen Tugenden. Ihre Sachlichkeit und unhysterische Art würde gar manchen Politiker im In- und Ausland gut zu Gesicht stehen.

Maggie Thatcher besaß einen klaren Kompass und richtete sich ungewöhnlich konsequent danach aus. Sie durchschaute den Kommunismus als Versklavung der Massen durch diktatorische Kader und erkannte die Vorzüge der Marktwirtschaft sehr deutlich. Auch ihre Forderung nach einer breiten Beteiligung der Bevölkerung an der Wirtschaft durch eine Popularisierung der Aktienanlage ist unvergessen.

Mit ihren antikommunistischen Einstellungen hat die Eiserne Lady ganz Europa einen großen Dienst erwiesen. Man darf nicht vergessen, dass in den 1980er-Jahren die dauerhafte Zweistaatlichkeit Deutschlands auch in Westdeutschland zunehmend Mehrheitsmeinung wurde. Kenner werden sich etwa erinnern, dass das DDR-kritische ZDF-Magazin mit Gerhard Löwenthal 1988 abgesetzt wurde, weil die kritische Berichterstattung über das gelbe Elend in Bautzen oder Berlin Hohenschönhausen und so weiter nicht mehr politisch genehm war.

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Ein Land mit großer liberaler Tradition

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  • Anstatt sich wenig kompetent mit verstorbenen Staatsoberhäuptern unserer Nachbarländer zu befassen, sollte sich Herr Dr. Bruns besser mit aktiven deutschen Politikern und deren Politik auseinandersetzen. Das würde den deutschen Staatsbürger mehr interessieren.

    Noch besser wäre es, wenn Herr Dr. Bruns als Vorstand der Fondsboutique Loys AG, seinen gesetzlichen Verpflichtungen zur vollständigen Offenlegung der Jahresabschlüsse seines Unternehmens im Bundesanzeiger nachkäme. Das wäre von großem Interesse für die Anleger, die ihm ihr Geld anvertraut haben und sich fragen warum er das trotz Strafandrohungen seit einigen Jahren nicht mehr tut.

  • Nur jemand, der wie meine Frau und ich von Anfang 1978 bis Ende 1985 in England (London) gelebt hat, kann sich überhaupt eine Vorstellung machen, wie es dort zuging, bevor Frau Thatcher 1979 zur PM gewählt wurde. Inflationsrate 24 %, der "Winter of Discontent" 1978/79, bei dem ein Generalstreik das gesamte Leben lahmlegte ( die Regale der Warenhäuser fast leer, weil die Lastwagenfahrer auch streikten, Tote wurden über Monate nicht begraben, ebenso lang wurde kein Müll beseitigt etc.)Der größte Verdienst von Frau T. war, daß sie die de facto "über dem Gesetz" stehen Gewerkschaften, die sich per Geld die Labour-Partei hielten, wieder dahin eingeordnet hat, wo ihr Platz ist: Innerhalb der herrschenden Gesetze. Durch das an den Markt bringen vieler staatseigener Betriebe, die drastische Reduzierung der Inflation und die Liberalisierung der Märkte (ja, auch der Banken)hat sie Großartiges für ihr Land geleistet. Versäumt hat allerdings auch sie, wie dann alle ihre Nachfolger, gerade den Bankensektor eng zu kontrollieren. Das ist wohl das Einzige, was man ihr im Nachhinein wirklich vorwerfen kann. I.ü.: Viele Erfolge, gerade im Wirtschaftsbereich, von denen ihre Nachfolger profitierten, sind ihr als Initiatorin anzurechnen (so ähnlich wie Schröder mit seiner Agenda). Die Mehrheit der Briten weiß sehr wohl, daß die immense Verbreiterung der Mittelschicht ihr zu verdanken ist und sie ist schon deshalb nicht "bei den meisten Briten" verhasst. Das sind nur diejenigen, die gern so weitegemacht hätten, wie vor 1979 und es ist gut, daß das nicht mehr möglich sein wird.

  • @hermann.12

    Ich habe nicht gesagt, das Thatcher allein und pauschal für die Misere die in UK herrscht verantwortlich ist. Schliesslich hatte sie auch Berater und ein paar Minister. Aber der Anteil, den sie hat, ist verdammt gross.

    Eine Demokratie lebt von Kompromissen, alles andere ist Diktatur. Und machen wir uns nichts vor. Thatcher war diktatorisch, im Übrigen genau wie Merkel.

    Wenn es denn so gut ist ein Ende mit Schrecken durchzusetzen als einen Schrecken ohne Ende auszuhalten, warum lässt man dann Zypern und Griechenland nicht pleite gehn. Das wäre doch mal ein Ende mit Schrecken. Aber man hat Angst, dass man es dann mit der breiten Masse zu tun bekommt (mal ganz davon abgesehen, das tut es trotzdem). Und wenn der Mob erst mal los ist, dann gute Nacht Frau Merkel, Herr Dijsselbloem, Herr Barosso, Herr Hollande ...... und so weiter.

    By the Way, es gab schon mal ein Völkchen, das seine Regierung gestürzt hat, weil das System die Menschen klein gehalten hat. Wer das wohl war? Haben Sie sich mal gefragt, warum es in Syrien einen Bürgerkrieg gibt?

    Man muss das Grundübel bekämpfen, und das Grundübel im 21. Jahrhundert sind und bleiben die Banken in ihrer grenzenlosen Arroganz. Und hier muss man Thatcher einen grossen Auslöserschuh anziehen. Sie war es, die den Banken mit ihrer Deregulierungspolitik Tür und Tor geöffnet hat, machen zu können, was sie wollen.

    Man kann nicht nur sagen, irgendwer bleibt immer auf der Strecke. Eine Gesellschaft sollte dafür stehen, dass alle ein menschenwürdiges Leben haben. Und das hat mit Gleichmacherei nichts zu tun. Menschen müssen die Möglichkeit bekommen, ihr Leben gestalten zu können, am Leben teilhaben zu können. Das geht nur, wenn Menschen mit Arbeit Geld verdienen. Und das ist etwas, was Thatcher einem Grossteil ihrer Landsleute genommen hat. Mal ganz davon abgesehen, eine Folge davon ist heute das viele Banker in der City arbeitslos sind. Kein Mitleid.

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