Bruns Breitseite
Privatanleger werden bevormundet

Die Bundesregierung will Privatanlegern untersagen, Hedge-Fonds zu kaufen. Dieses geplante Verbot zeigt einmal mehr: In den Augen des Staates sind die Deutschen in Kapitalmarktangelegenheiten weitgehend unmündig.
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Die Bundesrepublik will über die Vorschläge der Europäischen Union (EU) zur Regulierung der Finanzmärkte hinausgehen und den Erwerb von Single-Hedge-Fonds für Privatanleger gänzlich untersagen. Auch Dachfonds soll von 2014 an der Erwerb von Single Hedge Fonds untersagt werden.

Im Grunde passt diese Entwicklung gut in das allgemeine Bild. Vor den Wahlen soll das Aktivismusrad in Schwung gehalten werden. Da trifft es sich, dass der Begriff „Hedge-Fonds“ bei den meisten Menschen – sie sind allerdings unkundig in der Sache – negativ belegt ist und vermeintliche Punkte auf der Gutmenschskala eingefahren werden können.

Problematisch ist nur, dass es in Deutschland so gut wie keine Single Hedge-Fonds mehr gibt (einen der wenigen Single Hedge-Fonds nach deutschem Recht steuert seit vielen Jahren der Verfasser dieser Zeilen), nachdem die Regierung Schröder/Fischer die Auflegung von regulierten und registrierten Hedge-Fonds seit 2004 auch in Deutschland möglich gemacht hat.

Was ein Single Hedge-Fonds ist, das regelt in Deutschland seither das Investmentgesetz (InvG) im Paragraphen 112. Erstaunlicherweise ist dort von „Sondervermögen mit zusätzlichen Risiken“ die Rede, womit bereits dokumentiert ist, dass der Gesetzgeber das Wesen von Hedge-Fonds nicht versteht. Zugleich ist mit der unglücklichen Bezeichnung die negative Haltung des Staates zu Hedge-Fonds offen gelegt.

Wäre der Staat neutral, so hätte er die Bezeichnung „Sondervermögen mit zusätzlichen Freiheiten“ gewählt. Bei einer positiven Geisteshaltung zu Hedge-Fonds, die ja bekanntlich weltweit über robuste Mittelzuflüsse berichten, hätte der Staat auch von „Sondervermögen mit zusätzlichen Chancen“ sprechen können. Aber Chancen pflegen gegenüber scheinbarer Sicherheit bei deutschen Anlegern und den sie repräsentierenden Bundestag vernachlässigt zu werden.

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Der Staat schafft bewusst Abhängigkeiten

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  • Ihr Kommentar, Herr Bruns, ist gelinde gesagt, eine Zumutung. Ob ein gesetzliches Verbot von Single Hedge Fonds nötig ist oder nicht, sei dahingestellt. Nicht akzeptabel ist jedoch die Art und Weise, wie Sie das Finanzinstrument Single Hedge Fonds verharmlosen. Gestalterisch - Sie sprechen zurecht von 'Freiheiten', ist bei Hegde Fonds alles Möglich: Investition auf Kreditbasis, Leerverkäufe, Hebelung durch Optionen sind nur ein paar Instrumente, die allesamt zum erlaubten Instrumentarium der Hegde Fonds Manager gehören. Neben dem Totalausfall der Einlagen, was in der Vergangenheit nicht eben selten vorgekommen ist, sind durchaus auch Nachschusspflichten der Anleger denkbar. Die meisten Strategien basieren auf mathematisch ausgeklügelten Modellen, die kein Anleger nachvollziehen kann (die zu Grunde liegenden Formeln gehören zum Betriebsgeheimnis der Fondsmanager). Den Berkshire Hathaway als Kronzeugen für Ihre These anzuführen, Single Hedge Fonds seien ein Segen für die Menschheit, ist für mich der Beweis, dass Sie Ihre Leser für dumm verkaufen wollen: Sie führen ein einzelnes zweifellos erfolgreiches Beispiel als Nachweis an. Vergleichbar könnten Sie die Kursgewinne der VW-Aktie anführen als Beweis, das Aktien sicher sind. Single Hedge Fonds sind definitiv nur etwas für Profis! Wenn man bereit ist, auch einen Totalverlust ernsthaft in Betracht zu ziehen, dann kann man eventuell riesige Gewinne machen. Über 99% der Anleger sind das nicht! Die Bevormundung durch den Gesetztgeber hält sich daher in Grenzen. Ich verstehe ja, dass Ihnen ein Verbot nicht gefällt, da Sie selbst einen Hegde Fonds managen. Die Verharmlosung der Risiken dieser Finanzinstrumente sind jedoch bestenfalls unseriös!

  • Naja, eigentlich geht es bei Anlageentscheidung nicht nur darum, reich zu werden. Das funktioniert nur mit Zocken. Man möchte halt finanzielle Sicherheit aufbauen. Und es stimmt schon, dass die Dummheit der Leute schamlos ausgenutzt wird. Ich kenne einige Rentner, die von ihren Banken so richtig übers Ohr gehauen wurden. Eine allgemeine Bildung über Wirtschaft findet in den Schulen der meisten Bundesländer nicht staat. Wie auch? Lehrer sind i. d. R. Beamte und müssen sich daher keine Gedanken über Vermögenserhalt oder gar -aufbau machen.
    Und da die meisten Leute eben keine Ahnung haben, vertrauen sie dem netten Bank- oder Versicherungsberater. Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich bereits vor Jahren erkannt habe, dass es sich dabei nur um Verkäufer handelt, die meistens das Produkt, welches sie verkaufen wollen, noch nicht einmal verstehen.
    Aber neuerdings lasse ich mich bzgl. einem Wertpapier tatsächlich wieder von einer Bank beraten. Allerdings gegen Honorar. Und siehe da, ich werde richtig beraten. Es werden keine Produkte verkauft, sondern wir diskutieren über die Asset-Allocation und Marktentwicklungen. Das Produkt suche ich mir meistens dann doch selbst aus, wobei deren Vorschläge auch ziemlich gut sind. Das von mir zu zahlende Honorar finde ich auch noch recht fair, weil Ausgabeaufschläge bei Fonds-Käufen zurück erstattet werden. Also, wenn sie wollen, dann können es die Banken vielleicht doch. Jetzt muss nur noch den Leuten klar gemacht werden, dass richtige Beratung nun einmal Geld kostet.

  • Herr Bruns, vielen Dank für Ihren Kommentar, dem ich eigentlich nur zustimmen kann. Der Staat greift wie in allen Lebensbereichen auch bei der Vermögensbildung seiner Bürger immer mehr zu deren Nachteil ein. Die Finanztransaktionssteuer, welche ja ausgerechnet für die besonders toxischen Staatsanleihen nicht gelten soll, ist ein weiteres Beispiel.
    Am negativen Image von Hedge-Fonds tragen jedoch auch Banken eine Mitschuld. Auch ich hedge über einen entsprechenden Fonds und manchmal selbst um Währungsrisiken abzufedern, wenn ich Projekte im Ausland habe. Als ich jedoch vor Jahren auf der Suche nach einem passenden Finanzprodukt war, ließ ich mich anders als üblich von Banken beraten. Die boten eigentlich nur Schrott an. Eines dieser Produkte habe ich mir sogar für wenige Monate aufschwätzen lassen. Nach dieser schlechten Erfahrung habe ich mich selbst in die Materie eingearbeitet und ein Zertifikat auf einen Hedge-Fonds gefunden, der eine zu mir passende Strategie fährt (hauptsächlich Leerverkäufe bei global fallenden Kursen). Das Zertifikat konnte ich über meine online-Bank günstig erwerben und freue mich nun seit einigen Jahren über die glättende Wirkung auf mein Gesamt-Portfolio während der Perma-Krise.

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