Bruns Breitseite
Verbraucherschutz gehört in die Schulen

Die EU-Kommission meint, die Avantgarde im Verbraucherschutz zu sein. Doch deren Sendungsbewusstsein ist falsch und systemwidrig. Wichtig ist Transparenz. Dies sorgt dafür, dass Fehlverhalten korrigiert wird.
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Der Agrarkommissar der EU ist unlängst in ein Olivenölnäpfchen getreten. Sein Ansinnen, die Olivenölkännchen von den europäischen Restauranttischen zu verbannen, ist ein typisches Beispiel für die fehlende Subsidiarität innerhalb der EU. Zur Rechtfertigung verwies der rumänische EU-Agrarkommissar Dacian Cioloș auf Verbraucherschutzgründe, die bei seinem Ansinnen Pate gestanden hätten.

Insgesamt lässt sich die EU beim Verbraucherschutz von einem falschen Sendungsbewusstsein leiten. Irrigerweise meint die EU-Kommission, die Avantgarde im zwangsangeordneten Verbraucherschutz sein zu sollen. Dieser dirigistische Gedanke ist jedoch systemwidrig. Stattdessen gehört der Verbraucherschutz in die Schulen und sonst nirgendwohin.

Kinder und Jugendliche müssen in den Stand gesetzt werden, Produkte, Sachverhalte sowie Argumente und insbesondere die allgegenwärtige Werbung beurteilen zu können. Dafür sind die Bildungseinrichtungen und nicht die EU-Kommission der richtige Ort.

Eine durch Bildung aufgeklärte Bevölkerung kann selber auswählen, welches Olivenöl aus welchen Behältnissen es verzehren möchte. Hier kann sich die EU getrost darauf beschränken, für transparente Kennzeichnungen bei den Produktinhalten zu sorgen.

Es ist Transparenz, die in Wettbewerbssystemen dafür sorgt, dass Fehlverhalten aufgedeckt beziehungsweise korrigiert wird und anschließend zumeist unterbleibt. Für die Politik gilt das auch. Die Verwandtenaffäre im bayerischen Landtag wurde erst durch das Licht der Öffentlichkeit und keineswegs durch innere Einsicht der Parlamentarier zum Vorschein gebracht. Ähnliche Transparenz wäre übrigens auch bei der Bezahlung von Unterhaltungskünstlern (Talkmaster, Fußballspieler etc.) durch das öffentlich finanzierte Staatsfernsehen angezeigt.

Kommentare zu " Bruns Breitseite: Verbraucherschutz gehört in die Schulen"

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  • Ein sehr gelungener Artikel, welcher sich voll mit meiner Kernaussage zum Anlegerschutz deckt: "Ökonomische (Schul-)Bildung ist der beste Anlegerschutz"! Bildung statt immer mehr Formulare, Vorschriften und Verbote...

  • Nur wer eine in langen Jahren gereifte Weltanschauung hat und seine politischen Aussagen kritisch anhand seiner Weltanschauung auf Konsistenz pruefen kann, wird zu widerspruchsfreien politischen Konzepten gelangen. Christoph Bruns hat das, was zeitgenoessischen Politikern voellig abzugehen scheint, eine Ueberzeuung.

  • Der Kommentar trifft wie die Vorposter schon schrieben ins Schwarze.

    Zur Schule, die neben vielen anderen Dingen auch das Verbraucherbewusstsein schärfen soll:
    Wenn ich mich an die Schulzeit zurückerinnere (war bei mir im alten Jahrtausend, erinnere mich aber noch gut), so bin ich völlig ratlos wer von meinen Lehrern mir so etwas wie Lebenstauglichkeit hinsichtlich sinnvollem Haushalten/Verbraucherverhalten hätte vermitteln können.
    Die meisten waren Alt-68'er, die es dann doch irgendwie in den Schuldienst geschafft hatten und wohl froh waren dann doch einen sicheren Job zu haben nach all der Revoluzzerei.
    Für viele kam der Strom aus der Steckdose, das Wasser aus der Wand und alles was nach Industrie aussah "produzierte Gift".
    Kann so jemand verstehen oder gar vermitteln, wie man eine richtige Altervorsorge anpackt ohne blind unter dem Vertragstext eines fertigen (und unverstandenen) Produktes seine Unterschrift unten rechts hinzusetzen?
    Haben die je verstanden was die Vorteile/Nachteile unseres Krankenversicherungssystem sind, und können - da man sich vielleicht mal im Ausland umgesehen/gewohnt hat - dieses sinnvoll mit dem Systemen anderer (außereuropäischer) Länder vergleichen?

    Ich will die Schule bzw. meine Schulzeit nicht schlechtreden. Es gibt einige Lehrer denen ich sehr viel zu verdanken habe, aber um Schüler in der Schule zu mündigen Verbrauchern zu erziehen fehlt es meines Erachtens schlicht an kompetentem Personal.
    Denken sie mal an ihre Zeit an der Uni zurück, wer sich so alles in Lehramtsstudiengängen tummelte...

    Daher heisst es: Learning by doing und sich selber schlau machen.

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