Bruns Breitseite
Wie die Lämmer auf der Schlachtbank

Durch die Geldpolitik der Notenbanken werden die Sparer in Europa und den USA praktisch enteignet. Zu den größten Leidtragenden zählen die Deutschen. Sie leiden im Stillen, dabei müssten sie dringend handeln.
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In den vergangenen Tagen haben sich die Notenbanken der westlichen Welt vernehmbar zu Wort gemeldet. Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) hieß es, die Zinsen würden für eine lange Zeit niedrig bleiben. Gleichlautendes erklang am Mittwoch aus London. Ähnlich ließ sich auch die amerikanische Notenbank FED vernehmen, die aus Angst vor „Disinflation“ an ihrem kolossalen Anleihekaufprogramm von 85 Milliarden US-Dollar pro Monat wohl ohne Abstriche festhalten will.

Per Saldo wird somit der Kurs der sogenannten finanziellen Repression fortgesetzt. Im Kern läuft diese Politik auf die Enteignung der europäischen und amerikanischen Nominalwertsparer hinaus. Besonders deutsche Anleger leiden unter dieser Entwicklung, weil Nominalwertanlagen unverständlicherweise hierzulande besonders beliebt und verbreitet sind. Profiteure des Szenarios sind wunschgemäß zum einen die Banken, dann zum anderen die Gruppe aller Schuldner und schließlich Anleger in Sachwertanlagen wie zum Beispiel Immobilien- und Unternehmensbeteiligungen.

Wenngleich die negativen Realzinsen hier und dort kräftig bejammert werden, kommt es ausweislich der Bundesbank-Statistik nicht zu nennenswerten Vermögensreallokationen. Wer etwa gedacht hätte, die Bürger würden auf die sie betreffende Enteignung mit einer substantiellen Veränderung ihres Anlageverhaltens reagieren, der hat den Langmut der Deutschen unterschätzt. Wie die Lämmer lassen die Einlagen besitzenden Bundesbürger ihr Erspartes zur hoheitlichen Schlachtbank führen. Insofern ist die Anlage-Malaise selbstverschuldet und Mitleid kaum angebracht.

Für die deutsche Bevölkerung rächt es sich jetzt finanziell, dass ihre politischen Repräsentanten ein Steuersystem geschaffen haben, welches Nominalzinsanlagen seit Jahrzehnten gegenüber dynamischen Sachwertanlagen wie zum Beispiel Aktien bevorzugt. Trotz der hinreichend erwiesenen Vorteilhaftigkeit der sinnvoll betriebenen Aktienanlage in der langen Frist scheint dieser Weg den Deutschen mental verbaut zu sein. Dieser Umstand erklärt auch, warum die Mehrzahl der Aktien von Dax-Unternehmen sich in ausländischen Händen befinden.

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  • 1. Lucke hat sich nie von seinen asozialen Ideen distanziert - ganz im Gegenteil. Da er sich mit seiner asozialen Ideologie in der CDU nicht durchsetzen konnte, trat er aus und gruendete gemeinsam mit seinen neoliberalen Spiessgesellen die AfD, die Alternative fuer Deppen.

    2. AfD-Guru Prof. (Un)Sinn Mai 2013:

    "Es ist ein großer Fehler, dem Zeitgeist folgend, Mindestlöhne beziehungsweise Lohnuntergrenzen abzunicken. Damit verlässt man den Weg zu einer strukturellen Gesundung des Arbeitsmarkts und gefährdet den Niedriglohnsektor,"

    http://www.focus.de/finanzen/boerse/finanzkrise/tid-31267/wirtschaft-wir-brauchen-eine-kluegere-politik_aid_980347.html

  • Die AfD hat weder ein Partei-Programm, noch gibt es konkrete Aussagen/Konzepte, dafuer sind die Spitze und prominente Unterstuetzer neoliberale Rechtspopulisten. Zudem zeichnet sich die AfD durch ein innerparteiliches
    Demokratie-Defizit aus, es herrscht eine innerparteiliche Diktatur ("Fuehrer-Prinzip"). Die Ideen der AfD wie z.B. Steuergeschenke fuer Reiche (Absenkung des Steuersatzes auf einheitl. 25%), Abschaffung der EEG-Umlage,
    mehr Hungerloehne etc. wuerden den Steuerzahler (jedes Jahr) mehr kosten als GR (einmalig) die Schulden komplett zu erlassen. Was hat der Waehler also von der AfD zu erwarten? Jedenfalls nichts Gutes, Staatsfinanzen a la
    GR, eine rechtslastige, nationalistische, neoliberale Politik eben, d.h. Ausweitung des Niedriglohnsektors
    (Hungerloehne), laengere Arbeitszeiten, weniger Urlaub, Sozialabbau, keine Mindestloehne, etc. Auf der PK vom
    15.07. wurde ausserdem gefordert, das GG dahingehend zu aendern, dass Auslandseinsaetze der BW grundsaetzlich erlaubt werden, das heisst, weg vom einer Verteidigungs-Armee hin zu Angriffskriegen a la USA. Dazu passt auch, dass die AfD-Juenger sich fuer den Wahlkampf in Uniformen kleiden sollen (http://alternativernewsletter.wordpress.com/. Summa summarum: Keine nachvollziebaren Konzepte, neoliberales / rechtes Gedankengut, "Fuehrer-Prinzip", Uniformen... Hatten wir das nicht schon einmal? Brauchen wir das noch einmal? Die AfD ist fuer anstaendige, vernunftsbegabte Menschen nicht waehlbar, das ist eine Alternative fuer Deppen...

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