Bruns Breitseite
Zypernkrise als Augenöffner

Auch wenn das große Bild gleich bleibt, nimmt die Feinsteuerung der Euro-Rettung doch neue Konturen an. Sparer müssen sich künftig genau ansehen, welcher Bank sie den Kredit ihrer Spar- und Termineinlagen geben wollen.
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Offenbar hat die Politik in Berlin erkannt, dass die fortgesetzte Rettung ausländischer Banken und Länder durch deutsche Bürgschaften, Kredite und Zahlungen für das Wahlvolk in einem Wahljahr so nicht länger goutierbar ist.

Angesichts des großen privaten Reichtums in den Krisenländern schwenkte Berlin nun um und verlangte eine Beteiligung dieses Reichtums an den Rettungsaktionen. Hierfür gebührt der Bundesregierung Lob, nicht Häme, wenngleich man auf die Einhaltung der Rechtstaatlichkeit bezüglich der Einlagensicherung für 100.000 Euro pro Person hätte beachten sollen. Schade, dass die Bunderegierung nicht schon früher derartige Modelle favorisiert hat.

Derweil ist das aufgekommene Gegacker in den Medien und Internetforen nicht ohne Heuchelei. Jedermann weiß doch, dass die Sparer in den Ländern des Westens bereits in den vergangenen drei Jahren durch die sogenannte finanzielle Repression um einen Teil ihrer Spareinlagen gebracht worden sind. Genau besehen sind die nominalen Kurzzeitsparer neben den Steuerzahlern die Hauptleidtragenden der Finanzkrise.

Während der Vermögensraub durch Steuern schwarz auf weiß auf dem nächsten Kontoauszug abzulesen ist, bleibt die elegantere Methode des Vermögensraubs durch negative Realzinsen eher unbemerkt, weil schleichend. Grob gesprochen: Dem rational denkenden Menschen kann es recht einerlei sein, ob er ein Minus von fünf Prozent durch Kaufkraftverlust oder durch eine einmalige Zusatzsteuer in dieser Höhe erleidet.

Die deutsche Bundeskanzlerin hat die Interessen Deutschlands zu vertreten. Den Fehler der verfrühten Einführung des Euro kann sie heute nicht mehr ändern. Ein Zurück zur D-Marl ist aber romantische Illusion, ein vergebliches Beschwören der vermeintlich guten alten Zeiten.

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  • Das gesamte Projekt EURO lebt doch nur noch, weil diese Regierung in Berlin und diese Opposition in Berlin, ohne jede Rücksicht auf die Zukunft unserer Kinder, also unseres Volkes, für alle Szenarien die Garantie übernommen hat. Was in den 1950er Jahren, kurze Zeit nach dem 2. WK keine Regierung Adenauer dem Volk aufgebürdet hätte, das wird von den Heutigen kaltlächelnd vollzogen. Eine wirklich schöne Demokratie ist das, so ähnlich wie bei George Orwell "1984". Wer nicht spurt ist ein Nazi und das "Argument" zieht immer.
    Armes deutsches Vaterland, jetzt verlierst Du den 2. WK.

  • "Am Beispiel Zyperns, und um den Fall geht hier die Diskussion, wird deutlich, dass es nicht zusehr um eine konkrete Bank sondern um die Zugriffsmöglichkeiten der EU-Finanzminister geht."

    Sie haben irgendwie verdrängt, oder vergessen, oder haben einen Tunnelblick - JEDER Finanzminister hat Zugriff auf Bankeinlagen seines jeweiligen Landes, wenn er will und das Parlament ein entsprechendes Gesetz verabschiedet.

    Auch im Fall Zypern - das Parlament in Zypern verabschiedet das entsprechende Gesetz, oder auch nicht.
    Sie bauen ein Gedanken-Gebäude ohne Boden.
    Ist das Absicht? Oder wissen Sie es nicht besser?
    Die Eurogruppe hat beschlossen für 10 Millarden kann sie Kredite vergeben, für den Rest muß Zypern sehen wo es herkommt. WIE der Finanzminister das bewerkstelligt, ist Sache der Zyprier, und nicht Sache der BRD, nicht Sache der Italiener, nicht Sache der Spanier, nicht Sache der Niederländer, nicht Sache der Engländer, nicht Sache der restlichen EU-Länder.
    Genauso der Minister aus Zypern keine Gesetze für die BRD beschließen kann, kann die BRD auch nicht Gesetze für Zypern beschließen.
    Da helfen auch keine Nazi-Popanze und kein Versuch irgendjemandem die Schuld zu geben. Das ist einfach kläglich, sonst nichts das ein Land mit diesem Geschäftsmodellen nicht mal 6,25% für seinen Staat abgeben will, und das noch mit "Ehre" rechtfertigt.

  • " Sparer müssen sich künftig genau ansehen, welcher Bank sie den Kredit ihrer Spar- und Termineinlagen geben wollen. "

    diesen Satz verstehe ich nicht!

    Am Beispiel Zyperns, und um den Fall geht hier die Diskussion, wird deutlich, dass es nicht zusehr um eine konkrete Bank sondern um die Zugriffsmöglichkeiten der EU-Finanzminister geht.

    Folgt man diesem Gedanken, dann ist im gesamten EU-Raum kein Geld mehr vor deren Zugriff sicher. Wer traut sich noch fremdes Geld im Euroraum anzulegen?

    Dem Vorwurf der Untreue wird er sich ggfs. strafrechtlich nicht mehr entziehen können.

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