Der Anlagestratege: Aktienbewertungen sind alles andere als exzessiv

Der Anlagestratege
Aktienbewertungen sind alles andere als exzessiv

Entgegen der langjährigen Börsenstatistik waren sich die ersten Wochen des Jahres als abwechslungsreich. Auch wenn es erste Zeichen für eine fortgeschrittene reife Hausse gibt, steht ihr Ende nicht unmittelbar bevor.
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Tatsächlich befindet der Weltaktienindex MSCI World sich heute genau dort, wo er am Jahresanfang stand. Aufkommende Währungsturbulenzen in einigen Schwellenländern und Sorgen um sinkende Anleihekäufe der amerikanischen Notenbank Fed haben bislang zu dem verhaltenen Start in das Jahr 2014 geführt. Ein Übriges tun die Unruhen in der Ukraine.

Auch die bislang veröffentlichten Unternehmenszahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr sind eher schwächer ausgefallen. Vor allem die Umsätze vieler Unternehmen – nicht zuletzt der Einzelhändler - blieben zuletzt hinter den hohen Erwartungen zurück. Allerdings scheinen die Vorstände heute mehr Wert auf Marge und Gewinn als auf Umsatz und Marktanteil zu legen, so dass die Aktionäre von den eher schwächeren Abschlüssen kaum wesentlich tangiert werden.

Für den weiteren Jahresverlauf der Börsen kommt es nun zunächst darauf an, dass sich die Konflikte in den derzeitigen Krisenländern der Welt (Syrien, Ukraine, Ägypten, Türkei, Argentinien, Thailand) nicht länderübergreifend ausweiten. Insgesamt ist es schon etwas überraschend, wie gelassen die Börsen seit einigen Jahren mit regionalen Krisen umgehen. Aus der Vergangenheit war man durchaus anderes gewöhnt.

Zugleich kann mit der Fortsetzung der Rotation raus aus Zinsanlagen und rein in Aktientitel aus strukturellen Gründen gerechnet werden. Vor allem in Europa sind die privaten und institutionellen Anleger seit Jahren wenn nicht gar Jahrzehnten viel zu gering in Dividendentiteln investiert. Gerechtfertigt wird dieser Fehler oftmals mit dem  Hinweis auf regulatorische Hürden für eine erhöhte Aktienquote. Dieser Hinweis dient dabei auch als vorgebliches Alibi für die Versäumnisse beziehungsweise die schlechten Anlageergebnisse. Überzeugen können solche Argumente jedoch nicht, denn die vorhandenen regulatorischen Spielräume hätten auch institutionellen Anlegern wie beispielsweise Versicherungen, Pensionsfonds und Stiftungen wesentlich höhere als die tatsächlichen Aktienquoten ermöglicht.

Klar ist jedoch, dass die Zinsen zumindest bei Kurzläufern noch auf längere Frist hin niedrig bleiben werden. So haben es die Notenbanken der westlichen Welt in den vergangenen Wochen lauthals verkündet. Damit bleibt die akute Bredouille wohl längerfristig bestehen, in der sich viele Anleger befinden.

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  • Staat und Private haben sich immer mehr verschuldet. Klassische Industrielaender sind ueberschuldet. Mit steigender Verschuldung steigt das Kreditausfallrisiko und damit eigentlich auch die Zinsen. Die Zinsen steigen aber nicht, weil die Notenbanken immer mehr Liquiditaet bereitstellen. Notenbanken kaufen direkt und indirekt Schulden und halten damit die Zinsen niedrig.

    Ueberliesse man die Zinsen dem Markt, wuerden sie steigen und viele staatliche und private Schuldner waeren zahlungsunfaehig. Wir koennen davon ausgehen, dass die Notenbanken stetig steigende Mengen an Liquiditaet schaffen muessen, damit das System nicht zusammenbricht. Es gibt aus dieser Falle laengst keinen Ausweg mehr.

    Naiv ist der Glaube, man koenne Liquiditaet gegebenenfalls wieder abschoepfen oder den staendigen Zustrom auch nur anhalten. Selbst unbedeutende Verringerungung des Geldstroms (Tapering) loest dramatische Konsequen aus (Kapitalabfluss aus Schwellenlaendern).

    Zwei Szenarien: Im ersten wird die Liquiditaet nicht mehr aufgenommen. Unternehmen fragen keine Kredite nach und Banken wollen auch keine geben, weil sich partout keine lohnenden Investitionen anbieten. Das wird von manchen Zeitgenossen als Kreditklemme interpraetiert. Es kaeme zu Deflation.

    Im wesentlich wahrscheinlicheren Szenario fragen Kreditnehmer (in erster Linie die oeffentlichen) in steigendem Mass Kredit nach. Die Kredite werden direkt oder indirekt durch zusaetzliches Zentralbankgeld finanziert. So wie die Ueberschussliquiditaet ihren Weg in die realen Markte findet, wird sie Inflation erzeugen. Liesse sich diese Inflation kontrollieren, koennte man die Schulden weginflationieren.

    Wahrscheinlicher ist aber, dass sich die Inflation beschleunigt, bis das Geld seine Funktionen verliert und die Wirtschaft zusammenbricht. Kommt es zu einem Neuanfang haben Aktienbesitzer – vielleicht – die besseren Karten. Sicher ist das nicht. Mein Ziel ist es nicht, mein Vermoegen zu vermehren, sondern weigstens einen Teil davon zu

  • Echt jetzt, Herr Bruns ? Der MSCI World Index dient Ihnen dazu, die Frage zu beantworten ob deutsche Aktien mittlerweile überbewertet sind ? Oder vielmehr der Hinweis, dass die Zinskurzläufer noch eine geraume Zeit niedrig sein werden ?
    Sie wissen doch ganz genau, dass sobald sich ein Zeitpunkt erahnen lässt ab welchem die Zinsen steigen werden, auch wenn dieser erst in genau 3 Jahren sein sollte, die ersten Anleger bereits darauf reagieren und diese Reaktionen eine Lawine weiterer Reaktionen auslöst weil keiner der letzte beim Gewinne mitnehmen sein möchte.
    Was glauben Sie eigentlich, wie stark die Kurse bröckeln werden wenn nur die deutschen Versicherer und Rückversicherer die Buchgewinne ihrer Aktien realisieren werden ?!
    Ich frage mich ob Sie das was Sie da sagen wirklich glauben und hoffen, auf diese Weise möglichst viele Menschen von Ihrer Meinung überzeugen zu können oder ob Ihre Aussage vielleicht andere Gründe hat.
    Jedenfalls ist eines völlig klar, die Zinswende ist im Fokus, auch wenn es noch 1 oder 1,5 Jahre bis dahin sind, der Dax steht auf Rekordniveau, nach oben ist viel weniger Luft und vielmehr Risiko als nach unten und die exorbitanten Börsengewinne machen keinen Sinn wenn sie nicht demnächst mal realisiert werden.
    Insofern, mal sehen wie es in einiger Zeit steht.

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