Der Anlagestratege
Aktienquote statt Frauenquote

Statt mit der Frauenquote sollte sich die Große Koalition besser mit der Aktienquote der Bürger beschäftigen. Hier gibt es enormen Handlungsbedarf, denn das geringe Investment führt zu einer Wohlstandsverschwendung.
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Die Große Koalition wird eine Frauenquote für Aufsichtsräte großer Aktiengesellschaften einführen. Das wird die betreffenden großen Unternehmen nicht in den Ruin treiben, zumal gar manche dieser Gremien reine Abnickerclubs sind. Mit der Frauenquote erweist die Große Koalition dem Gender-Zeitgeist ihre Reverenz, wie an dem selbstgefälligen gegenseitiger Schulterklopfen in Berlin sichtbar geworden ist.

Immerhin lässt es aufhorchen, wie stark sich die Großkoalitionäre mit Quoten beschäftigen. Leider war dem Koalitionsvertrag nichts Substanzielles zu entnehmen, was auf eine höhere Beteiligung der Bürger an der Wirtschaft hinausläuft. Sollte man sich in der Hauptstadt nicht einmal mit der Aktienquote der Bundesbürger beschäftigen?

Auf diesem Feld gibt es fürwahr enormen Handlungsbedarf, denn der volkswirtschaftliche Schaden, der unserem Land dadurch entsteht, dass diese Quote seit Jahrzehnten unangemessen gering ausfällt, summiert sich im Verlauf der Jahre auf etliche hundert Milliarden Euro. Damit ist das Thema ökonomisch viel relevanter als PKW-Maut, Transaktionssteuer, Mindestlohn und Frauenquote zusammen.

Indem die deutsche Bevölkerung in viel zu geringem Umfang Eigentümer der deutschen Wirtschaft ist und das Instrument Aktie auch mit staatlicher Hilfe verteufelt wird kommt es seit Jahrzehnten zu gewaltigen Wohlstandsverlusten, die jetzt in der Niedrigzinsphase immer weniger geleugnet werden können.

Deutschlands Altersvorsorge, Pflege- und Gesundheitssysteme sind aber überhaupt nicht in der großzügigen Lage, sich eine derartige Wohlstandsverschwendung leisten zu können. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels gilt dies noch viel mehr. Auch den Haushalten von Bund, Ländern und Gemeinden steht es nicht gut an, sehenden Auges und wider besseren Wissens auf die finanziellen Vorteile der Aktienanlage zu verzichten.

Man irrt gewaltig, wenn man auf diesem Gebiet nicht auch Fragen der sozialen Gerechtigkeit berührt sieht. Gerade jene Bürger, die mit Aktiensparen langfristigen Vermögensaufbau betreiben, fallen der Gemeinschaft später weniger zur Last. Sie sind es aber, die die Defizite der anderen werden über Steuern und andere Abgaben ausgleichen müssen. Diese Umverteilung von den verantwortungsvoll Anlegenden zu den falsch oder gar nicht Anlegenden wird sich Deutschland nicht dauerhaft leisten können. Obendrein widerspricht sie jedwedem Verantwortungs- und Leistungsprinzip.

Kommentare zu " Der Anlagestratege: Aktienquote statt Frauenquote"

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  • Gesetzliche Privilegien von Staatsanleihen sind ein Punkt von vielen die zu Mittel der Finanzrepression gehören, die diskutierte Finanztransaktionssteuer gehört ebenfalls dazu - und besonders verbeamtete Politiker haben null komma null Interesse daran, dass vorhandenes Bürgerkapital (der Begriff sei mir erlaubt) am Staat leicht vorbei investiert werden kann, z.B. wie im Artikel angesprochen durch eigenverantwortliches Investieren in Aktien. Also meiner Ansicht nach eine Träumerei zu glauben, dass "die Politik" hier einsichtig wäre und zukünftig zu größeren Förderungen bereit wäre.

  • Andere Länder, nicht nur Norwegen, zeigen, wie man es auch machen kann: Es muß ja nicht jeder Bürger persönlich zum Aktionär werden, aber ein Pensionsfonds, Staatsfonds o.ä. könnte die Altersvorsorge der Bürger gebündelt in Aktien anlegen (natürlich nur einen Teil davon).

  • Herr Bruns, eine Aktienquote vorzuschreiben ist vielleicht etwas überzogen. Aber dass z. B. Lebensversicherungen Staatsanleihen (also zinsloses Risiko) präferieren müssen, ist heutzutage eigentlich ein Skandal. Nur, die Politiker in Europa haben kein Interesse daran, dass die Anleger ihr Geld in Aktien anstatt in Staatsanleihen stecken.
    Auch habe ich nicht den Eindruck, dass insbes. Politiker in Deutschland ein Interesse daran haben, dass die Bürger ökonomisch besser gebildet sind und ihr Wissen dann dazu nutzen, mehr Wohlstand für sich selbst zu generieren. Vielleicht wäre es ausreichend, die Bürger einfach über dieses Faktum zu informieren.

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