Der Anlagestratege: Bloß keine staatliche Zinssparprämie

Der Anlagestratege
Bloß keine staatliche Zinssparprämie

Mit Verblüffung lese ich seit einiger Zeit Forderungen aus dem Sparkassensektor, der Staat solle das Zinssparen fördern. Das ist Blödsinn. In einer Dauernullzinsepoche ist damit nur den Sparkassen selbst gedient.
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Eine staatliche Zinssparprämie? Eigentlich sollte man angesichts solcher Vorschläge nur müde lächeln, wenn man nicht befürchten müsste, dass derlei Blödsinn in Berlin durchaus Gehör finden könnte. Immerhin lässt sich ja nicht verleugnen, dass die Großkoalitionäre Freude an staatlichen Eingriffen in unsere marktwirtschaftlich genannte Wirtschaftsordnung haben. Wir dürfen hierbei etwa an die Mietpreisbremse, die Frauenquote oder den Mindestlohn denken, um nur drei knappe Bespiele aus der jüngsten Vergangenheit zu nennen. Von der Verstaatlichung des Energiebereichs wollen wir besser gar nicht erst reden.

Der ubiquitäre Sparkassensektor, dessen öffentlich-rechtlichen Instituten etliche Privilegien gegenüber privaten Banken (beispielsweise auch Genossenschaftsbanken) von Seiten des Staates zuerkannt werden, wäre gut beraten, seinen Kunden nicht primär Zinsanlagen anzubieten, sondern die Beteiligung der Bevölkerung an der Wirtschaft voranzubringen und damit dem Gemeinwohl zu dienen! Wem außer den Sparkassen selber ist denn damit gedient, Zinsverträge in einer Dauernullzinsepoche abzuschließen?

Bei Lichte besehen ist die Zeit längst gekommen, obsolete Produkte aus vergangenen Zeiten wie Bausparverträge und Kapitallebensversicherungen gänzlich aus dem Angebot zu streichen, weil sie den Kunden angesichts der Zinssituation kaum oder gar keinen Nutzen stiften. Und auf den Weltspartag, der international als folkloristisches Symbol des „dumb German money“ gilt, sollte getrost verzichtet werden, sofern dieser Tag nicht endlich dazu genutzt wird, Aktiensparpläne anzubieten und die Bürger objektiv über den gesamten Kanon heute noch sinnvoller Geldanlagen zu informieren.

Abenteuerlich ist übrigens die Begründung, mit welcher der Präsident des Sparkassenverbandes, Georg Fahrenschon, staatliche Subventionen für Zinssparen fordert. Er führt aus, Sparen werde derzeit bestraft. Wahr ist jedoch, dass Zinssparen in Nullzinsphasen weitgehend nutzlos ist, sodass es den Dienstleistern gut zu Gesichte stünde, über klügere Alternativen nachzudenken und nicht ewig am Überkommenen festzuhalten.

Auch der Hinweis Fahrenschons auf die Altersvorsorge, die bei den niedrigen Zinsen nicht mehr durch Zinssparprodukte sinnvoll möglich sei, wird von dem Sparkassenpräsidenten nicht im Sinne eines notwendigen Umdenkens sondern mit dem Ruf nach staatlichen Subventionen beantwortet. Immerhin hat der Sparkassenpräsident Recht, wenn er fordert: „Wir brauchen eine breit angelegte Initiative für Eigentum.“

Ich füge aber hinzu, dass in Deutschland insbesondere ein Mangel an Eigentum am Produktivvermögen und keinesfalls ein Mangel an Zinssparanlagen besteht. Oder, um es einfacher auszudrücken: Die Deutschen sind in viel zu geringem Umfang an der Wirtschaft als Eigentümer beteiligt.

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Zinssparen ist keine sinnvolle Anlage mehr

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  • @Fritz Gerlach:

    Richtig, Aktien sind eine gute Anlageklasse, falls man sie nicht in einer Riesen-Blase kauft. Den absolut besten Zeitpunkt zum Kauf/Verkauf wird man als Kleinanleger nie erwischen, aber man darf gerne auch seinen Verstand gebrauchen um dann zu sehen, daß die Märkte momentan durch Voodoo-Geld aus den Rechnern der Notenbanken getrieben werden.

    Zum jetzigen Zeitpunkt für Aktien zu werben halte ich für hochgradig unseriös.

  • "Also hören Sie endlich auf, für Aktien in irgendeiner Form zu werben"

    Aktien sind meiner Meinung nach im Allgemeinen die beste Anlageklasse, wenn es um Vermögensaufbau geht. Im Moment ist es leider so, dass durch staatliche Eingriffe auf den Märkten - hierunter fällt insbesondere die Notenbankpolitik - Fehlanreize geschaffen werden, die Geld in ineffiziente und nachteilige Unternehmungen fließen lässt. Außerdem zerstört die (Geld-)Politik gerade die Bereiche, die sie unter normalen Umständen dringend bräuchte, um die Konjunktur am laufen zu halten. Ein Finanzsystem, dass keine Risiko mehr kennt, weil die Notenbanken auch noch die letzte Unischerheit aus dem Markt nimmt, erfüllt keinen realwirtschaftlichen Zweck mehr.

    Weder Vermögensaufbau noch Ergebniskontrolle sind in so einem Umfeld möglich. Staaten und Unternehmen werden nicht für ihre Misswirtschaft bestraft oder effiziente belohnt. Das kann nur im Fiasko enden. Wir merken das heute noch nicht: Es war aber in der Vergangenheit immer so, dass solche Illusionen wie Seifenblasen zerplatzen. Die Notenbanken und die Politk macht genau das falsch, was immer während des Blasenaufbaus falsch gemacht wird:

    Regeln zu unserem Nachteil erlassen, in ergreifender Naivität "eine neue Zeit" ausrufen ("Dotcom Blase", "New Normal") und sich hinterher "wundern", was man doch alles übersehen hat. Der große Zusammenbruch ist vermutlich nicht mehr aufzuhalten, da sich die EZB und EU-Politik verrannt hat.

  • Herr Bruns,

    Sie werden vielleicht lachen, aber:

    Ich bestize sogar einige (wenige) Aktien. Aber ich werde mir in Zeiten täglich neuer Höchstständen aller Indices keine neuen dazukaufen, denn das Geld, das die Märkte momentan treibt, existiert nur in den feuchten Träumen unsererer durchgeknallten Notenbank(st)er. Irgendwann in naher Zukunft platzt die Blase (die Märkte werden vorher munter weitersteigen) und dann verlieren alle, die jetzt noch kaufen, sehr viel Geld (zur Errinnerung: es existiert eigentlich garnicht).

    Für Kleinanleger gilt: Das Geld muß erst verdient werden, dann müssen Steuern gezahlt und der Lebensunterhalt bestritten werden. Dann erst kann man Aktien/-fonds kaufen. Und die Rendite wird durch Steuern/Bankgebühern systematisch abgeschöpft.

    Richtig ist, daß Zins- "Wert"papiere (der Name ist an sich schon ein Widerspruch) keine Rendite bringen und auch nicht werden .

    Ergo: als Kleinanleger ist man der Dumme, denn egal, wie man das Geld anlegt, es geht verloren. Aber das ist das Ziel der Notenbanken.

    Also hören Sie endlich auf, für Aktien in irgendeiner Form zu werben.

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