Der Anlagestratege
Das ist eine Unverschämtheit!

Die Europäische Union führt eine Finanztransaktionssteuer auf Aktien ein. Damit werden Aktien gegenüber Zinspapieren diskriminiert. Der Grund ist zynisch: Die Staaten möchten ihre eigenen Anleihen an dem Mann bringen.
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Man reibt sich die Augen. Wie zu vernehmen ist haben sich elf Länder aus der EU darauf geeinigt, eine Finanztransaktionssteuer auf Aktien und Derivate einzuführen. Nun sollten wir uns daran erinnern, dass die amerikanische Subprime-Krise ebenso wie die europäische Schuldenkrise ihre Ursache in zu hoher Verschuldung und in zu geringem Eigenkapital hatte. Die Konsequenz sollte folglich sein, den Eigenkapitalaufbau zu fördern und die Verschuldungsquote abzubauen.

Nach den nun vorliegenden und soeben richterlich abgesegneten Plänen sollen nunmehr Aktien und nicht Schuldtitel mit einer Finanztransaktionssteuer belegt werden. Damit offenbaren die Staaten, wes Geistes Kind sie sind. Die Staaten wollen nämlich ihre Schuldenwirtschaft munter fortsetzen. Eine Abkehr von der Droge ´Schulden´ war nie geplant. Vielmehr haben ihre Helfershelfer in den Notenbanken dafür gesorgt, dass die Schuldenorgie ungeniert weiter gehen kann. In allen betroffenen Ländern haben die ausstehenden Staatsschulden ungeachtet vorgeblicher Konsolidierungsbemühungen einen neuen Höchststand erreicht. Deutschland macht dabei keine Ausnahme.

Mit der neuen Finanztransaktionssteuer sollen Aktien gegenüber Zinspapieren stärker als bisher diskriminiert werden. Denn die natürlichen langfristigen Vorteile der Aktie gegenüber der Staatsanleihe überwiegen angesichts der Dauerniedrigzinsen und trotz steuerlicher und regulatorischer Benachteiligung inzwischen derartig stark, dass der Staat hier einzuschreiten sich aufgerufen fühlt.

Jene, die meinten, der Staat würde angesichts der drängenden Altersvorsorgeproblematik verstärkt eine Beteiligung der Bürger an der Wirtschaft durch die Förderung des Aktienbesitzes unterstützen sehen sich nun völlig desillusioniert. Der Staat denkt überhaupt gar nicht daran, die Beteiligung der Bürger an der Wirtschaft zu fördern. Im Gegenteil, er torpediert sie!

Vielmehr will der Staat seine eigenen Anleihen über Banken und Lebensversicherungen an den Mann bringen und dabei ist ihm eine hoch entwickelte Aktienkultur ein Dorn im Auge. Es sei daran erinnert, dass bereits heute mehr als die Hälfte der Dax Aktien in den Händen ausländischer Investoren liegen und das Geldvermögen der Deutschen ganz überwiegend zinsgebunden und damit nahezu renditelos angelegt ist. Die Bundesbank hat diesen traurigen Befund in dieser Woche durch die neuesten Zahlen zum Geldvermögen in Deutschland erhärtet.

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  • In vielen Länder Europas sind Spekulationsgewinne nach einer Haltefrist steuerfrei,Erträge aus Dividenden werden meist überhaupt nicht besteuert.Und in Deutschland..? Da langt der Staat mit mindestens 25% zu.
    Wie soll sich da eine Aktienkultur entwickeln ? Kein Wunder,dass über 50% der Anleger im DAX aus dem Ausland kommen.

  • Revolution zu was? Herrschaft von Minderheiten gab es schon immer und wird es auch immer geben, schönes/unschönes Beispiel war Mittelalter. Habe selber unter der russischen Herrschaft 20 Jahre in Ost EU gelebt und viele Erfahrungen dort gesammelt ;-)

  • Phantastisch, was Deutschland mal alles war und wie es jetzt mehr und mehr auf den Hund kommt. Ministerialbüroktatie, GroKo(tz), Selbstbedienung!!!
    Dabei sollen wir ja sogar einmal eine DEMOKRATIE gehabt haben. Der Bürger zählt schon lange nicht mehr.
    Manchmal befürchte ich, dass wir aus der Nummer ohne Revolution nicht mehr herauskommen. Aber selbst die würde im Verwaltungsapparat steckenbleiben.

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