Der Anlagestratege
Der Euro schmiert ab

Die schnelle Einführung des Euro war ein Fehler, nun ist er unter den Einführungswert gefallen. Dennoch bringt der Euro Vorteile für die Wirtschaft. Um zu profitieren, müssten sich auch Privatleute stärker beteiligen.
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Die zunehmende Zinsdivergenz zwischen der Euro-Zone und den USA sorgte zuletzt in gemeinsam mit dem Griechenland-Zirkus für einen markanten Anstieg des US-Dollars gegenüber dem Euro. Aufgrund des Versprechens der Europäischen Zentralbank, alsbald in großem Umfang Staatsanleihen kaufen zu wollen, haben die Renditen für Staatspapiere neue historische Tiefstände erreicht. Der Bund Future notiert auf Rekordniveau und die Bundesrepublik Deutschland zahlt mittlerweile weniger als 0,5 Prozent für zehnjährige Staatsanleihen. Im Kurzlaufzeitsegment kann Deutschland sogar Papiere mit negativem Zins an den Markt bringen. Ein stark verfallener Ölpreis beschert der Euro-Zone obendrein Preisstabilität, wie die jüngsten Daten zur Inflation offenbaren.

Durch die Mutation der EU hin zu einer Transfer- und Haftungsunion erreichen auch die von den Südländern mit Ausnahme Griechenlands geforderten Zinsen an den Finanzmärkten fortlaufend neue Tiefstände. Genau besehen funktioniert der Bondmarkt bereits seit geraumer Zeit nicht mehr, denn die Europäische Zentralbank tritt dort als dominanter Akteur auf, an dem sich die anderen Marktteilnehmer orientieren.

Wie verzerrt der gesamte Zinsmarkt durch die Eingriffe der Notenbanken inzwischen ist, erkennt man etwa an dem Umstand, dass Spanien und Italien mittlerweile geringere Zinsen an den Finanzmärkten zahlen müssen als die Vereinigten Staaten von Amerika. Wollte man eine Einschätzung über die wirtschaftliche Lage und Solidität der europäischen Südländer von den am Markt verlangten Renditen für Staatsanleihen ableiten, dann käme man in Bezug auf Italien, Portugal, Frankreich und Spanien zu dem Ergebnis, dass diese Länder glänzend dastehen. Leider ist die Realität weit entfernt von diesem Befund. Vielmehr haben die genannten Volkswirtschaften das Vorkrisenniveau bislang bei weitem noch nicht wieder erreicht.

Aus Sicht der von den Südländern dominierten EZB und der Krisenländer ist der Kursverfall des Euro sehr erwünscht. Erinnerungen an die vermeintlich guten alten Zeiten werden wach, in denen Italien, Frankreich und Co. ihre fehlende Wettbewerbsfähigkeit durch Abwertungen der eigenen Landeswährungen zum Teil ausgleichen konnten. Insofern träumen die politischen Eliten dieser Länder von einem Wunderszenario, welches Niedrigstzinsen mit einem abwertenden Euro verbindet. Nunmehr scheint aus dem Traum Realität geworden zu sein und Prognosen, die eine Parität zwischen Euro und Dollar vorhersagen, schießen bereits ins Kraut.

Gänzlich anders stellt sich die Situation in Deutschland dar. Heute lässt sich nicht länger leugnen, dass die verfrühte und übereilte Einführung des Euro bei aller Richtigkeit der unterliegenden Vision ein schwerer Fehler der deutschen Politik war. Tragisch ist, dass alle etablierten Parteien bei der Einführung des Euro kräftig mitgeholfen und insofern Verantwortung für dessen erhebliche Defizite und Mängel auf sich geladen haben. Hauptfehler der Express-Euro-Einführung war die nicht ausreichende Berücksichtigung ökonomischer Argumente zugunsten politischer Erwägungen, die schließlich den Ausschlag gaben.

Kommentare zu " Der Anlagestratege: Der Euro schmiert ab"

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  • Hab einige Öl-Aktien gekauft, was soll da schief gehen.
    Auf Indexe gebe ich nichts.

  • @Peter Delli

    Weil der Ami-Markt genauso überhitzt ist wie der deutsche/europäische.

  • Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette  

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