Der Anlagestratege
Der gefährliche Bann des Goldes

Um Gold ranken sich seit jeher eine Vielzahl von Mythen und Legenden. Auch als Anlageklasse hat Gold große Strahlkraft. Doch die täuscht und lässt Goldjünger in einem gefährlichen Irrglauben leben.  
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Wenig Freude hatten in den vergangenen Jahren die Anhänger des gelben Metalls. Obwohl es in der Goldgemeinde inzwischen sehr ruhig geworden ist, haben die jüngsten Kursrückgänge bei dem Edelmetall für leichte Beachtung gesorgt. Während Renten- und Aktienmärkte seit vielen Jahren haussieren darbt das Edelmetall im Abwärtskanal vor sich hin.

Immerhin mag es den Gold-Spekulanten ein Trost sein, dass andere Rohstoffe keineswegs besser dastehen. Denn es sind nicht nur Metalle, die sich in einer länger andauernden Baisse befinden. Auch landwirtschaftliche Güter wie beispielsweise Mais, Weizen und Soja mussten in den vergangenen Jahren herbe Rückschläge hinnehmen. Wenig besser erging es den Energierohstoffen, die angeführt vom Erdgas in den vergangenen Jahren eine dramatische Talfahrt erlebt haben. Insgesamt erleben wir seit Jahren eine ausgeprägte Rohstoffbaisse, die sich übrigens auch auf die vormals vielgepriesenen seltenen Erden erstreckt.

Gleichwohl ist Gold doch ein ganz besonderes Metall, wie ich in Anlehnung von Goethes Satz über das Blut als ganz besonderen Saft feststellen möchte. Um das Gold ranken sich Jahrhunderte lange Mythen und Legenden, die etwa Nickel und Blei völlig fremd sind. Damit erklärt sich teilweise auch, warum viele Anleger während einer Hausse beim Gold in den magischen Bann des Edelmetalls geraten. Gerade unter deutschen Sparern war diese Neigung während der letzten Hausse recht weit verbreitet.

Andererseits ersetzen derartige Gefühle und Neigungen noch keine sachliche Analyse des Goldmarktes. Diesbezüglich ist zu sagen, dass dem World Gold Council durch die Verwertpapierlichung des Goldes zu Beginn des Millenniums ein wahrer Coup gelungen war. Auf diese Weise gelang es der Lobby der Goldproduzenten ihr Metall in Form von ETF an den Mann zu bringen. Wertpapiere sind aufgrund ihrer Stückelung, Verwahr- und Handelbarkeit sowie ihrer geringen Kosten wesentlich attraktiver als das physische Erwerben, Halten und Aufbewahren von Rohstoffen. Hinzu trat die große Finanzkrise in den Jahren nach 2007, welche das Gefühl von Krise und die Sehnsucht nach Stabilität stark anfachte.

Die besondere Strahlkraft des Goldes bekam ich persönlich zu spüren, als ich auf dem Höhepunkt der spekulativen Gold-Blase auf der Titelseite eines Finanzmagazins am 25. November 2011 mit der Aussage zitiert wurde: „Gold hat keinen Wert“. Die Schmähungen und die Häme, die mir nach dem Interview seitens vieler Gold-Jünger entgegenschlugen, suchten ihresgleichen in meiner nahezu 30-jährigen Börsenkarriere. Nicht wenige Gold-Spekulanten fühlten sich durch meine Aussagen beleidigt und angegriffen, der zufolge Gold gar kein Investment und darüber hinaus völlig überteuert sei.

Kommentare zu " Der Anlagestratege: Der gefährliche Bann des Goldes"

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  • Der Aktienmarkt funktioniert in einem inflatorischen Geldsystem wie folgt:
    Die Kurse steigen durch die Geldmengenausweitung angetrieben so lange, bis es keinen Dummen mehr gibt, der zu völlig überhöhten Preisen abkauft. Dann bricht alles zusammen, weil die Kurshöhe nur durch die Geldmengenausweitung zustande kam.
    Nicht die Buchwerte der gehaltenen Aktien, sondern die im Verhältnis wenigen, die zu immer höheren Preisen durch die Geldschwemme gehandelt werden, treiben den Preis von allen Aktien einer Firma hoch.
    Die Erstinvestoren verkaufen an die nachfolgenden, die wiederum an die spät eingestiegenen, bis die Euphorie bei den untersten Schichten ankommt und diese kaufen.
    Danach gibt es keinen dümmeren mehr, der zu den überhöhten Preisen abkaufen kann und das ganze bricht in sich zusammen, weil sich die Wohlstandsillusion Buchgeld wieder auflöst.
    Die wahre Tragik ist, daß 99 Prozent das “moderne” sozialistische Geldsystem nicht verstehen und immer größer werdende Zahlen auf Kontoauszügen für “Wohlstand” und “Reichtum” halten.
    Tatsache ist, daß der Geldwert immer geringer wird. Selbst bei den hochgelobten Immobilien sind die “Wertsteigerungen” nur der immer seichter werdenden Währung geschuldet. Auch hier gilt: der “Wert” muß erst einmal beim Verkauf realisiert werden.
    Da allerdings die Einkommen nicht in adäquater Weise steigen, so daß es genügend Käufer gibt, gilt auch hier, daß die Buchgewinne in der Wirklichkeit nicht realisiert werden können…
    Sollten diese Buchwerte auch noch als Sicherheiten für Kredite hinterlegt worden sein, müssen diese abgeschrieben werden und es kommt sogar noch das Drittparteienrisiko für das gesetzliche Umlaufmittel, die Währung, zum tragen, weil es keine Deckung derselben gibt.
    Bleibt nur: Gold ist Geld - alles andere ist Kredit. ( J.P. Morgan)

  • Das ist mal wieder ein ganz schwacher Artikel, ganz schwach !
    http://www.goldseiten.de/artikel/253103--Goldkurs~-Analyse-eines-Crashs.html

  • „Es kommt beim Gold alles darauf an Käufer zu finden, die, aus welchen Gründen auch immer, der Meinung sind, der Preis des Edelmetalls werde steigen.“

    Die ist eben nur die halbe Wahrheit. Gold ist sicher kein Anlagevehikel sondern (Ur-)Liquidität. Deshalb ist die Frage nicht die obige, sondern grundsätzlich erst mal die, ob Liquidität werterhaltender ist als Anlage in Aktien oder sonstiges Produktivkapital und für welchen Zeithorizent das Vorhalten der Liquidität beabsichtigt ist. Und bei der Frage ob der langfristig der größere Narr ist, der an die Deckung von liquidem Papier durch offensichtlich unhaltbare Versprechen von Politbürokraten oder der, der an die in Gold geronnene Arbeitsleistung glaubt, dürfte die Antwort relativ einfach sein.

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