Der Anlagestratege
Die cleveren Japaner

Die Deutschen leugnen die Realität. Sie warten lieber auf eine Rückkehr auskömmlicher Zinsen, als ihr Vermögen in Aktien umzuschichten. Damit vergeben sie sich ihre Altersvorsorge. Da sind die Japaner schon weiter.
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Viele Beobachter mögen sich die Augen reiben, aber es ist wahr, der riesige staatliche japanische Pensionsfonds, der bei der Bank of Japan angesiedelt ist, stellt seine Anlagestrategie radikal um. Künftig soll der Anteil von Zinsanlagen deutlich zugunsten von Aktien- und Immobilienfondsinvestments sinken.

Einheimische japanische Aktien sollen in der Zukunft zirka ein Viertel des Anlagevermögens ausmachen, während japanische Zinsanlagen von zuletzt 60 auf 35 Prozent zurückgeführt werden sollen. Die verbleibenden 40 Prozent sind für Investitionen in ausländische Aktien sowie sonstige Vermögenstitel gedacht.

Wir Deutschen können die Entwicklung nur mit allergrößtem Staunen zu Kenntnis nehmen. Zunächst ist sich nämlich zu vergegenwärtigen, dass es in Deutschland einen vergleichbaren nationalen Pensionsfonds gar nicht gibt. Stattdessen ist das deutsche Rentensystem durch den Generationenvertrag charakterisiert, demzufolge die derzeitigen Arbeitnehmer den heutigen Rentnern ihre Ruhegeldzahlungen leisten.

Trotz staatlich verordneter Rentenkürzungen und Lebensarbeitszeitverlängerung ist aber der demographische Wandel bereits im Begriff, dieses System zu unterspülen. Bereits heute muss ein Teil der Renten aus dem Steuertopf bezahlt werden. Rücklagen sind in Deutschland jedenfalls nicht gebildet worden, so dass kommenden Generationen unabwendbarer Kummer ins Haus stehen wird. Das Menetekel der Altersarmut geht um.

Jene privaten Ersparnisse, die zur Vorsorge für die Altersperiode gebildet wurden, sind durch die Dauerniedrigzinspolitik der EZB ganz überwiegend fehlallokiert, alldieweil sie zumeist in renditelosen Zinsanlagen gebunden sind. Und wenngleich die Notenbanken inzwischen seit mehr als sieben Jahren eine Niedrigzinsdiät verordnet haben, weigern sich die Bürger, aber auch die meisten institutionellen deutschen Anleger, dieser Entwicklung durch umschichtendes Handeln Rechnung zu tragen.

Aus den Statistiken der Bundesbank und des deutschen Aktieninstitutes sowie der Versicherungswirtschaft lässt sich deutlich herauslesen, dass eine Rotation von Zins- zu Aktienanlagen gar nicht oder bestenfalls in ganz geringem Umfang stattgefunden hat.

Hier zeigt sich auch, dass die nachhaltigen Konsequenzen der großen Finanzkrise noch gar nicht hinreichend verstanden worden sind. Es obherrscht nach wie vor der fromme Wunsch, die alten guten Zeiten möchten doch irgendwann wieder zurückkehren.

Kommentare zu " Der Anlagestratege: Die cleveren Japaner"

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  • Kauf- und Verkaufprovision sind, zumindest bei Onlinebrokern(ich bin bei Consors) überschaubar.

    Zudem wird ja da wenigstens was "gemacht"........

  • @Hans Kammerer

    Spätestens wenn die FED, wie angekündigt, nächstes Jahr den Leitzins wieder hochsetzt, wird's spannend mit der Richtung der Kurse....

  • @Jürgen Bertram

    "Verkaufe ich (was normalerweise nicht vorkommt, da wie bereits erwähnt "Dividendenstrategie")die Aktien mit Gewinn, hält der Staat wieder die Hand auf."

    Und die Bank kassiert gleich mit, als Provision (genau wie beim Kauf).

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