Der Anlagestratege
Die US-Einigung ist eine echte Lachnummer

Die Staatsschulden in den USA werden weiter erhöht, wie stets in der Vergangenheit. Und der nächste Akt im US-Haushaltsstreit könnte schon Anfang 2014 aufgeführt werden.
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Eine großartige Inszenierung, die Hollywood alle Ehre gemacht hätte, ist gestern in Washington zu Ende gegangen. Alle Elemente, die ein Drama spannend machen, waren in Fülle vorhanden. An Helden hat es ebenso wenig gefehlt wie an tragischen Figuren. Von Katastrophe wurde nicht minder häufig gesprochen wie von Rettung. Retardierende Momente gab es immer dann, wenn der Zuschauer geneigt war, ein rasches positives Ende des Dramas vor Augen zu haben. Gute und Böse haben ihren Antagonismus offen ausgetragen, und der entscheidende Wendepunkt wurde für den letzten Akt aufgespart. Schließlich ist es doch zu einem Happy End gekommen.

Man tut indessen gut daran, derartige amerikanische Schauspiele so zu betrachten, wie es die Finanzmärkte in den letzten zwei Wochen taten. Dort wurde der Hauptstadtzirkus angesichts des voraussehbaren Endes mit gähnender Langeweile quittiert. Von Katastrophe überhaupt keine Spur. Im Gegenteil: Die Aktienmärkte haben kaum eine Verschnaufpause nach der kräftigen Sommerrally einlegen können, da schicken sie sich bereits wieder an, Allzeithöchststände anzusteuern. Und der Bondmarkt, um den es bei einer Staatspleite zunächst einmal geht, zeigte ebenfalls nur ein müdes Lächeln angesichts der aufgeplusterten Politikerversuche, durch Budget-Harlekinaden etwas Aufmerksamkeit für den nächsten Wahlkampf zu erheischen. 

Schaut man sich also an, zu welchen revolutionären Beschlüssen sich die Volksvertreter Amerikas nunmehr durchgerungen haben, dann offenbart sich der Charakter des Ganzen als veritable Lachnummer. Die Staatsschulden werden, wie stets in der Vergangenheit, weiter erhöht, und die Verwaltung des Landes darf wieder an die Arbeit gehen. Zur Garnierung hat man noch die Weisheit besessen, diese Resultate nur bis Anfang des kommenden Jahres gelten zu lassen. Dann möchte man das gleiche Stück von neuem aufspielen. 

Noch Anfang dieser Woche hatte US-Präsident Barack Obama mit scharfem Blick darauf aufmerksam gemacht, dass ohnehin nicht etwa die amerikanischen Politiker über den Fortgang der US-Haushaltsdebatte entscheiden würden, sondern allein der Anleihenmarkt. Selten hat eine Feststellung den Nagel so präzise auf den Kopf getroffen. Mögen es zwar de jure die Volksvertreter sein, die über Haushaltspläne und Schuldengrenzen abstimmen; de facto aber wird der Regiestock der amerikanischen Politik an den Finanzmärkten und in Sonderheit am US-Bondmarkt geschwungen. 

Der Markt für amerikanische Staatspapiere ist seit Jahren riesig, liquide, haussierend und zudem künstlich gesteuert. Wichtigster Marktteilnehmer am Zinsmarkt ist die private New York Fed, die für das amerikanische Notenbanksystem Fed die Markttransaktionen durchführt. Die Fed ist mit einer Bilanzsumme von gut 3.800.000.000.000 Dollar inzwischen der größte Gläubiger der Vereinigten Staaten und hat in dieser Rolle China, das seinerseits vor Jahren seinen asiatischen Nachbarn Japan beerbte, hinter sich gelassen.

 

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  • So hat wieder einmal das Rothschild-Imperium über die dämliche Menschheit gesiegt!

  • Natürlich kann man das zuerst einmal locker sehen.

    Aber wohin fliessen denn viele der Dollarmilliarden ?

    Zum Beispiel auch nach China. China hat dann eine Menge Geld, und was macht man mit viel Geld ? Man gibt es aus. Da tauchen dann chinesische Investoren in allen Ecken der Welt auf, kaufen Grundstücke (Kanada), pachten Land für zig Jahre (Ukraine), kaufen Rohstoffe (Australien, Iran) oder ganze Industriebetriebe (Deutschland) bzw. einen ganzen Hafen (Griechenland). Da ist erst einmal die Freude groß, wie in Deutschland, wenn ein Investor die 'marode' Firma mit viel Knowhow aufkauft. Aber im Grunde ist das wie eine Art Geldwäsche - überzählige Dollars gegen reale Werte.

    Das treibt natürlich auch die Preise nach oben. China kauft z.B. auch Milch in der EU auf. Da freut sich der deutsche oder britische Landwirt, aber in der Folge wird das Angebot knapp (siehe Milchpulver und andere Agrarprodukte) und die Preise steigen, und steigen, und steigen. Der Verbraucher muss also letztlich die FED-Zeche mit Inflation bezahlen.

    Schliesslich werden noch all die schönen Preistreiber aus dem statistischen Warenkorb entfernt, damit die Zahl auch schön niedrig bleibt. Ist ja alles nur 'gefühlt', und die Konsumenten sind einfach nur falsch informiert.

    In China werden viele Markenprodukte (Smarphones, hochwertige Kameras)produziert und auch 'kopiert'. Warum nicht auch Autos und Maschinen selbst herstellen oder nur kopieren ?

    Ein Chinese kauft doch nicht einen Mercedes nur wegen der 'Zuverlässigkeit'. Nein, es ist die Marke, das Prestige, das damit verbunden ist. Also tuts notfalls auch eine billige '90%-Kopie', die nur für den heimischen Markt produziert wird (BMW X5-Abbbild). Das ist nur eine Frage der Zeit. Und Chinesen sind vor allem auch eins: schnell. Siehe Bau der Hochgeschwindigkeitsverbindungen in China, oder Bau von Windkraftanlagen.

    Und woher kommt die 'Geld-Munition' für all diese Aktivitäten ? Auch aus den USA, insbesondere aus den Druckerpressen der FED.

  • Hallo Herr Bruns,

    vielen Dank für diesen Artikel. Im Grunde wird es langsam mal Zeit, dass Amerika für diese Art der Haushaltsführung und Schuldenpolitik die Quittung bekommen, mal sehen, ob sich dies nun nähert.

    Viele Grüße nach chicago

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