Der Anlagestratege
Draghi auf Greenspans Spuren

Zu den Ergebnissen der letztwöchigen großen Notenbank-Tagung in Jackson Hole zählt die Erkenntnis, dass die europäische Zentralbank ihr Spiel auf Zeit verlieren könnte. Für Anleger hätte das ernste Konsequenzen.
  • 3

Zur Erinnerung: während der Finanzkrise in den Jahren 2008 fortfolgende entschied sich die EZB, die Märkte mit billigem Geld zu fluten. Ziel dieser Politik war es, den Staaten erstens Zeit zu verschaffen, um lange überfällige Reformen einzuleiten und zweitens die Zinshaushalte durch eine Dauerniedrigzinspolitik spürbar zu entlasten. Gewiss schwang bei den Zentralbankern auch die Hoffnung mit, durch die Niedrigzinspolitik einen kräftigen Konjunkturaufschwung zu begünstigen.

Von dieser Hoffnung ist die Notenbank inzwischen weit abgerückt, denn die Zahlen zum Wirtschaftswachstum der letzten Jahre fallen überaus enttäuschend aus. Mehr Erfolg hatte die EZB bei der Entlastung der nationalen Zinshaushalte, wiewohl die Staatsverschuldung in der meisten Krisenländern trotz der Zinsentlastung durch die EZB markant zugenommen hat.

Was aber das Zeitspiel der EZB anbetrifft, so schält sich mittlerweile heraus, dass die vielen gekauften Jahre leider nicht zu den gewünschten ökonomischen Verbesserungen im Euro Raum geführt haben. Diese Einsicht war es, die Notenbankchef Mario Draghi in der letzten Woche in Amerika zum Besten gegeben hat. In Anerkennung des Scheiterns seiner eigenen Zeitspielstrategie forderte der Italiener nunmehr kräftige fiskalische Impulse durch die Euro Staaten. Seine Hoffnung besteht darin, durch kreditfinanzierte staatliche Konjunkturprogramme der Wirtschaftsdynamik auf die Sprünge zu helfen.

Eine solche Entwicklung würde wahrscheinlich auch die beklagenswerte Arbeitslosigkeit in den Krisenländern bekämpfen. Immerhin würden neue Verschuldungsorgien die Staatshaushalte angesichts der Dauerniedrigzinspolitik nicht mehr so stark belasten wie noch in den Jahren nach der Einführung der Gemeinschaftswährung Euro. Fraglich bleibt allerdings, ob die strukturellen Probleme der Eurozone damit nicht endgültig unter den Teppich gekehrt würden. Für den deutschen Steuerzahler klingen die Melodien aus dem Frankfurter Notenbankturm weder neu noch lieblich.

Ein weiteres Ziel, welches dem Notenbankpräsidenten vorschwebt, dürfte er inzwischen allerdings erreichen können. Mit Hilfe seiner Zinspolitik, seiner Rhetorik und den strukturell schwachen europäischen Wirtschaftsdaten ist es mittlerweile gelungen, die Einheitswährung Euro auf Talfahrt zu schicken. Für die deutschen Exporteure mag dies eine gute Nachricht sein, zumal ceteris paribus eine weitere Ausweitung des Handelsbilanzüberschuss durch den schwachen Euro erwartbar wird. Die deutsche Bevölkerung hat jedoch herzlich wenig von dieser Entwicklung, ist sie doch an der Wirtschaft im Prinzip so gut wie nicht beteiligt. Stattdessen wird sie sich perspektivisch auf höhere Importpreise vor allem für Rohöl Produkte einstellen müssen.

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Draghi auf Greenspans Spuren

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Scheitert Super-Mario?

Kommentare zu " Der Anlagestratege: Draghi auf Greenspans Spuren"

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  • Herr Draghi ist doch schon gescheitert.
    Sicherlich wird er bald einen hoch dotierten Job bei einer der vielen Banken erhalten, denen er mit deutschem Steuergeld geholfen hat.
    Zitat:
    Aus den Träumen von gestern werden manchmal
    die Alpträume von morgen!
    Friedrich Nowotny, Journalist

  • "Scheitert Super-Mario?"

    Im Grunde genommen scheitert nicht Draghi allein, sondern es sind europäische Politiker an der Misere mitverantwortlich. Draghis unterstützende Geldpolitik mag die französischen und italienischen in ihrer Realitätsverweigerung bestärkt haben. Die Passivität und Ignoranz haben sich allerdings die entsprechenden Spitzenpolitiker selbst zuzuschreiben.

    Auch QE wird Frankreich und Italien nicht retten, wenn nicht zügig unpopuläre Maßnahmen beschlossen werden. Nur werden sich die Herrschaften dort nicht ins Zeug legen, solange der Leidensdruck nicht größer wird. Weitere Lockerungen helfen jedenfalls in keiner Weise, das Problem zu beseitigen. Insofern bringt dieser Artikel hier vieles sehr gut auf den Punkt.

  • SUPER - WEG DAMIT - http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/gruner-jahr-will-400-stellen-abbauen-a-988307.html

    "Hamburger Verlagshaus: Gruner + Jahr will 400 Stellen abbauen" - ja wer will den täglichen primitiven Propaganda-Müll auch lesen ?? STERN FOCUS WELT BILD alles ekelhaft ideologisch-ferngesteuert und primitiv.

    Die Flüchtlings-Schleusen nach Deutschland stehen weit offen - der letzte Akt der "Neuen Besatzung" Deutschlands durch übermäßige Verfremdung ist im Gange um uns Deutsche mundtot zu machen, da wir gemerkt haben, dass Politik und Medien immer GEGEN die eigentlichen Interessen der Deutschen regieren und argumentieren. Die Grenzpolizei hat bereits kapituliert, wie man lesen konnte. Bevölkerung wird ausgetauscht und unser Vermögen und Steuern wird dazu verpulvert.

    Deutschland mit aufgezwungenem "Helfer-Syndrom", als ferngesteuerter, untergehender Depp von Europa.

    Die sogenannte "Entnazifizierung seit 1945" wird dabei immer intensiver heutzutage und immer grotesker damit wir alles hinnehmen sollen - die Presse kackert von oben auf den Deutschen rum als "Meinungs-Zuchtmeister" - immer mehr verlangen sie uns ab - wenn wir uns wehren - nennen sie uns abfällig "Nationalisten", obwohl das nationale Parlament im Reichstag sitzt - aber nichts für uns tut.

    Ferngesteuerte, labile Deppen sitzen in Berlin.

    "Schäubles NULL" - ESM-Schuldenübernahme ist garantiert "rausgerechnet" dabei - alles statistisch "schöngerechnet".

    Warum sollten die Deutschen so doof sein und sparen bis zum umkippen - alle anderen bekommen dabei unsere Steuergelder geschenkt ?? Politik und EU stopfen sich die Taschen voll und der Deutsche soll sich kaputt-sparen und arbeiten bis zum Umfallen.

    Schaut doch mal Russia-Today-TV mit dem "Max Keiser Report". Erfrischend andere Informationen - entgegen dem "Gehirngewaschenem Mainstream". Der Westen bricht unter seiner Dummheit zusammen. Alles was "intelligent oder männlich" ist wird zertreten in der neuen "Überwachungs-West-Welt".

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