Der Anlagestratege
Eine bittere Quittung

Mario Draghi lieferte weniger als erwartet und verstimmte die Aktienmärkte. Möglicherweise sind es aber auch ganz andere Gründe, die für die jüngste Unruhe an der Börse sorgten. Die Nervosität ist groß.
  • 0

Der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, hat abermals Wort gehalten und seinen Ankündigungen zu sinkenden Zinsen und ausgeweiteten Anleihekäufen Taten folgen lassen. Dieses Mal aber haben es ihm die Finanzmärkte nicht mit einem Kursfeuerwerk sondern mit fallenden Notierungen gedankt. Immerhin sorgte er zugleich auch für die Zukunft vor, indem er weitere zusätzliche Lockerungen der Geldpolitik in Aussicht stellte.

Wer wollte es dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) übel nehmen, wenn dieser sich über den Undank der Märkte als Quittung für die jüngsten Lockerungsmaßnahmen der Notenbank beschwerte. Immerhin gilt seit Jahren, dass sowohl die Bond- als auch die Aktienmärkte sich keinen besseren Freund in Europa vorstellen können als eben den rührigen Chef der EZB. Nicht anders ist es ja auch in Nordamerika, wo zunächst Ben Bernanke und seit einiger Zeit auch Janet Yellen die Definition einer Notenbank-Taube zu ganz neuen Höhen geführt hat.

Freilich könnte man auch meinen, Mario Draghi sollte sich erst gar nicht um die Aktienmärkte kümmern. Tatsächlich zeigte er ja auch in der Vergangenheit keinerlei Tendenzen, ein Freund der Aktienkultur zu sein. Der Ex-Goldman Sachs Banker beharrt geradezu stoisch darauf, ausschließlich an der von ihm gefühlten Deflationsfront tätig zu sein.

Nebenbei lässt sich feststellen, dass er hier wohl nicht ganz alleine kämpft. Denn wie zuletzt zu lesen war, kaufen auch andere Europäische Notenbanken, allen voran jene Italiens und Frankreichs, unter einem bislang weitgehend unentdeckt gebliebenen Programm seit Jahren eigene Staatsanleihen in Milliardenhöhe. Zugleich hört man es in der neuen Notenbank-Hauptverwaltung in Frankfurt am Main nicht gerne, wenn jemand sich erdreistet, derartige Anleihekäufe als Staatsfinanzierung zu titulieren. Solche Unbill ist nachvollziehbar, denn Staatsfinanzierung durch Anleihekäufe ist ja nach den Verträgen zum Euro verboten.

Kommentare zu " Der Anlagestratege: Eine bittere Quittung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%