Der Anlagestratege: Fed-Chefin Janet Yellen befiehlt „Kehrt Marsch!“

Der Anlagestratege
Fed-Chefin Janet Yellen befiehlt „Kehrt Marsch!“

Fed-Chefin Janet Yellen hat gesprochen: Die Zinspolitik soll künftig von mehr abhängen als der Arbeitslosenquote. Damit wird die Zinserhöhung nicht früher, sondern später erfolgen als gedacht – und Sparer leiden weiter.
  • 2

Die Gleise waren bereits verlegt, auf den die neue und zugleich erfahrene Fed-Präsidentin Janet Yellen in den ersten Monaten ihrer Amtszeit würde fahren sollen. Noch ihr Amtsvorgänger hatte mit klaren Ansagen die Finanzmärkte darauf eingestellt, dass beim Erreichen einer Arbeitslosenquote von 6,5 Prozent die Kurzfristzinsen angehoben würden. Und was das gigantische Anleihen-Aufkaufprogramm der US-Notenbank betrifft, so wurde noch unter Ben Bernanke vor dem Jahreswechsel festgelegt, die monatliche Aufkaufsumme von einstmals 85 Milliarden Dollar pro Monat stetig aber langsam zu reduzieren. An den Börsen wurden die Ankündigungen der Fed als quantitative „forward guidance“ gepriesen, gerade so, als ob nicht jedwede Prognose die Zukunft beträfe.

Am Mittwoch nun tagte der wichtige Offenmarktausschuss, der die Zinsbeschlüsse für die Notenbank fasst. Trefflich lässt sich das Ergebnis der Veranstaltung mit dem berühmten Satz des Horaz charakterisieren: Parturient montes, nascetur ridiculus mus, zu Deutsch: Der Berg kreißte und gebar eine Maus! Im Kern bleibt es nämlich bei dieser bisherigen Vorgehensweise, und die monatlichen Bondkäufe gehen zurück auf 55 Milliarden Dollar pro Monat.

Dennoch: Nach nicht einmal 100 Tagen im Amt ist eine neue Grundströmung unter Frau Yellen zu erkennen. Denn obwohl die amtliche Arbeitslosenquote in den USA tatsächlich fast bei 6,5 Prozent angekommen ist, hat Frau Yellen einen „Kehrt Marsch“-Befehl erlassen und ist stracks von einer Zinserhöhung am kurzen Ende abgerückt. Ihre Gefechtsanalyse besteht nämlich in der Einschätzung, dass der amerikanische Arbeitsmarkt weit davon entfernt ist, robust und gesund genannt zu werden. Im Gegenteil: Die Verfassung der US-Wirtschaft ist nach ihren Worten wenig ausbalanciert und vor allem der Arbeitsmarkt leitet nach wie vor unter depressiven Symptomen.

Sein Übriges zu dieser Auffassung hat kürzlich noch der ungewöhnlich strenge nordamerikanische Winter beigetragen, der – allen Klimaerwärmungsjüngern zum Trotz – monatelange Schneeräumung und Straßenbesalzung bei Minustemperaturen erforderlich gemacht hat.

Dementsprechend haben nicht wenige Unternehmen bereits vor einem schwierigen ersten Quartal gewarnt. Am Mittwoch musste etwa der Express- und Paketdienst Federal Express warnen, dass der knackige und schneereiche Winter das Auslieferungsgeschäft in den ersten Monaten des Jahres verhagelt habe. Immerhin aber konnten die Heizungsbauer und die Energielieferanten von einem mehr als robusten Geschäftsverlauf berichten

Von Bedeutung dürfte auch der im Gefolge des strammen Winter erfolgte Benzinpreisanstieg sein, denn die Amerikaner reagieren ähnlich emotional sensibel wie wir Deutsche auf anziehende Spritpreise. Für eine Benzinpreismeldestelle, wie sie in Deutschland  von der Regierung für nötig gehalten wird, können von den Amerikanern jedoch keine überzeugenden Argumente gefunden werden, so dass es sich dabei wohl nicht um einen deutschen Exportschlager handeln wird.

Seite 1:

Fed-Chefin Janet Yellen befiehlt „Kehrt Marsch!“

Seite 2:

Niedrigzins könnte zu Neubesinnung auf wahre Werte führen

Kommentare zu " Der Anlagestratege: Fed-Chefin Janet Yellen befiehlt „Kehrt Marsch!“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Nicht nur gebar der Berg bei Horaz eine Maus, sondern geradezu eine lächerliche Maus (ridiculus).

    Im aktuellen Fall ist es aber eher der Berg, der lächerlich ist. Das 6,5% Kriterium war von Anfang an völlig idiotisch. Noch so eine kurzatmige Paniklösung für ein langanhaltendes Problem. Jetzt ist das Kriterium vom Tisch, weil sich die Märkte wieder so weit beruhigt haben, dass man sie mit unklarem Gewäsch hinhalten kann.

    Auch Yellen weiss - oder wird bald erfaren - dass man den Zinssatz vom jetzigen absurd niedrigen Niveau nicht wieder normalisieren kann. Das würde die Zinslast von Firmen, Staaten und Privatleuten vervielfachen. Keine Wirtschaft der Welt hält sowas aus (und wird nicht mal den Versuch dazu wagen, so lange sie von allen Seiten von hirnverbrannten Monetaristen belagert wird).

    Wir wohnen jetzt alle in Japan. Und von hier aus geht kein Flug nach Hause.

    Was die Sparer angeht, habe ich nicht das geringste Mitleid. Was bitte, stellen sich die Leute denn vor? Warten die auf das Bundesverdienstkreuz, während sie mit dem Sparbuch in der Hand die Deflation aussitzten?

    Begib Dich in die finanzielle Repression und komme darin um. Kratzt mich nicht das Geringste.

    @Omarius: Du hast in allem Recht, auch was die Umverteilung von Arm an Reich angeht. Und richtig: Schön ist das nicht. Aber: Es ist vor allem auch eine Umverteilung von Dumm an Clever. Das ist nun mal das Gesetz des Kapitalismus, und was wäre auch schon die Alternative?

    Das Gegenteil, natürlich.


  • noch mehr umverteilung von Fleissig nach reich

    zu mehr wird es nicht führen...
    die makro daten der USA seit der Krise sprechen da bände

    und während der Mittelstand und - klasse immer mehr darbt

    wissen die oben nicht wohin mit der Kohle.

    das ist auf dauer ungesund und das sag ich als Marktwirtschaftler.

    aus Ef

    Dass Neokeynesianer immer und flächendeckend über eine zu schwache Nachfrage klagen, die sie mit staatlichen Konjunkturprogrammen beheben zu können glauben, liegt in der Natur des Keynesianismus. Ganz gleich, wie hoch der Staatsanteil an der Wirtschaft inzwischen auch sein mag, mehr ist aus Sicht der Neokeynesianer immer besser.

    Und wenn sich die Ergebnisse einzelner Konjunkturprogramme dann nicht so einstellen, wie bei ihrer Verabschiedung angekündigt wurde, dann soll es immer daran gelegen haben, dass die Programme nicht groß genug waren. Auf diese Weise immunisieren Neokeynesianer die von ihnen empfohlene Politik gegen eine kritische Prüfung.

    das unterschreibe ich mal so

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%