Der Anlagestratege
Gärprozesse einer Protestpartei

Die AfD zerlegt sich gerade selbst. Völkische Gesinnung allein zieht keine Wähler an. Es gibt bald wieder einen freien Platz im deutschen Parteispektrum. Für eine neue Partei der Steuergerechtigkeit.
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In der Partei Alternative für Deutschland (AfD) hat ein Gärungsprozess eingesetzt. Ob Wein oder Essig dabei herauskommen wird, ist derzeit noch nicht abschließend zu beurteilen. Der Abschied von Hans Olaf Henkel aus dem Parteivorstand signalisiert jedoch potentiellen Wählern die vorherrschenden Tendenzen in der jungen Partei.

Eigentlich waren die Entwicklungen der letzten Tage gewissermaßen absehbar. Wie in den meisten Partnerschaften kommt nach einer Anfangseuphorie eine Zeit der Vergewisserung und Erkenntnis. An der polarisierenden Wirkung der AfD auf die Menschen konnte man früh ablesen, dass die noch junge Partei auf einen Richtungsstreit hinsteuerte. Andere Parteien haben ähnliche Prozesse bereits durchgemacht.

Während zu Beginn ihrer Existenz die Kritik am Euro und insbesondere dem angeblich alternativlosen Rettungsaktivismus von Bundeskanzlerin Merkel der AfD Beachtung und Zulauf schenkte, verschoben sich seit den erfolgreich bestandenen Wahlen in Ostdeutschland die Gewichte. Völkische Töne und patriotische Gesinnungen gerieten stärker in den Vordergrund.

Ähnlich der SED Nachfolgepartei „Die Linke“ findet die AfD besonders in den neuen Bundesländern Wähler und Gefolgsleute. Vieles spricht dafür, dass sie angesichts der jetzt deutlich gewordenen Akzente im Westen Deutschlands keine größere Rolle wird spielen können.

Der Bedarf an völkischen Themen dürfte in Westdeutschland kaum jenseits der Fünf-Prozent-Marke liegen. Ganz vergleichbar ist die Situation der AfD somit jener „Der Linken“, die im Westen der Bundesrepublik angesichts ihrer nicht überwundenen stalinistischen Kernsubstanz nicht nennenswert Tritt fassen können.

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