Der Anlagestratege
Helvetische Gehaltsklugheit

Die Schweizer Bürger gehen mit gutem Beispiel voran. Sie verhinderten Gehaltsobergrenzen für Manager. Auch in Deutschland möchte sich der Staat in alle möglichen Bereiche einmischen. Zum Nachteil der Geldanleger.
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Mit sicherem Gespür haben die Schweizer bei einer Volksabstimmung am letzten Sonntag gegen eine staatliche Gehaltsdeckelung gestimmt. Den Versuchungen jener Rattenfänger, die unter dem Leitmotiv der sogenannten sozialen Gerechtigkeit das Eigentumsprinzip in der Schweiz aushebeln wollten, haben sie eine sichere Absage erteilt.

Die Festlegung der Bezahlung von auf Zeit angestellten leitenden Mitarbeitern ist Sache der Unternehmenseigentümer und nicht des Staates. Daran ändert die Tatsache nichts, dass die Bezahlung von Vorständen - besonders in den USA aber nicht selten auch in Europa - mitunter absurd hoch wirkt. Aber immerhin haben in solchen Fällen die Eigentümer den finanziellen Schaden, so dass die Allgemeinheit darüber nicht zu traurig sein sollte, zumal sie durch die progressiven Einkommensteuern daran gehörig partizipiert.

Nach aller Erfahrung betrifft das Problem der Überbezahlung eher große börsennotierte Aktiengesellschaften mit anonymen Aktionariat und fehlenden Ankeraktionären. Hier dürfte auch der Grund dafür liegen, warum familiennahe börsennotierte Aktiengesellschaften in der Regel besser an der Börse abscheiden. Im M-Dax-Index, der die Wertentwicklung mittelgroßer deutscher börsennotierter Aktiengesellschaften misst, und der zeitgleich mit dem Dax zu einem Anfangswert von 1.000 Punkten eingeführt wurde, lässt sich die Überlegenheit treffend nachvollziehen. Während der Dax auf dem Weg ist, die Marke von 10.000 Punkten zu erklimmen, bewegt sich der M-Dax auf die 17.000-Punkte-Marke zu.

Die Volksabstimmung in der Schweiz besitzt große symbolische Bedeutung auch für andere Länder. In Deutschland, wo weitreichende plebiszitäre Elemente nicht vorgesehen sind, treffen wir auf ganz ähnliche Fragestellungen. Man muss nur einmal an die von CDU/CSU und SPD geplante Frauenquote für Aufsichtsräte denken, um zu erkennen, wie sehr der marktwirtschaftliche Ordnungsrahmen mittlerweile aufgeweicht wurde. Gerade gestern war eine Allensbach-Umfrage zu lesen, der zufolge die Deutschen mehrheitlich zu zentralverwaltungswirtschaftlichen Ordnungsansätzen inklinieren.

Leider führen die wachsenden ordnungspolitischen Defizite, die ihr Symbol in der Verlotterung des Wirtschaftsministeriums finden, unser Land ökonomisch in eine falsche Richtung. Wie aus den Statistiken der Bundesbank hervorgeht, besitzen die Deutschen im europäischen Vergleich nur sehr unterdurchschnittliche Vermögen. Und dies trotz einer Sparquote, die seit Jahrzehnten weltmeisterlich ausfällt, wenngleich sie auch zuletzt etwas zurückgegangen ist.

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  • Herjemine Herr Bruns, wo auf dem unteren Level Getränkefirmen mit Wörtern wie "unkapittbar" die deutsche Sprache verunreinigen, tun sie es mit Wörtern wie "Aktionariat" ider "inklinieren".
    Was meinen sie denn, wieviel Prozent der deutschsprachigen Menschen, Schweizer inklive das verstehen, zudem sind beide Wörter auch noch semantisch scheusslich und vollkommen überflüssig, das handlicheren und wohllautenden Ersatz gibt.
    thematisch stimme ich Ihnen jedoch zu.
    Das deutsche im Durschnitt weniger Vermögen haben liegt sehr wesentlich auch daran, dass Deutsche unglaublich viel im 2. Weltkrieg und in den Jahren danach verlohren haben, das aufzuholen, ist noch nicht gelungen.
    Aus dem gleichem Grund ist auch die Ausstattung deutscher Unternehmungen mit Eigenkapital auch relativ schwach, wenngleich sich dieser Punkt schon erheblich gebessert hat.

  • Ich finde es unseriös wenn hier das durchschnittliche Vermögen der Deutschen als Bezugsgröße genannt wird, denn es gibt sehr wohl sehr sehr reiche Personen in Deutschland, auch verglichen mit dem Ausland. Der niedrige Durchschnitt kommt aber daher, daß es sehr viele Personen in Deutschland die ein bescheidenes oder aber auch gar kein Vermögen besitzen. Und daran ist keineswegs der nicht vorhandene Aktienbesitz schuld !

  • Haben Sie nicht etwas vergessen Herr Bruns ?
    Die Schweiz kämpft gerade um einen Mindestlohn von
    4000 sfr !!! pro Monat und das 13mal im Jahr.
    Die Schweizer haben auch in diesem Bereich verstanden,
    worum es geht.

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