Der Anlagestratege
Inflation schön gerechnet

Wenn auch Drogenhandel und Prostitution eingerechnet werden, könnte das Bruttosozialprodukt bald noch positiver aussehen. Die Inflation erscheint schon heute geschönt, der Verlust von Vermögenswerten bleibt außen vor.
  • 4

Den Medien war zu entnehmen, dass in Europa bald eine neue Definition und Berechnung des Bruttosozialproduktes eingeführt wird. Damit folgt der alte Kontinent dem Vorgehen der vereinigten Staaten von Amerika, die eine solche neue Definition bereits vor vielen Monaten ins Werk gesetzt haben. Im Kern geht es bei der Neudefinition der Wirtschaftsleistung darum, einige bislang nicht erfasste wirtschaftliche Aktivitäten dem Sozialprodukt hinzuzurechnen, sowie bisherige Aktivitäten anders zu erfassen. Künftig gehen sowohl der Drogenhandel als auch die Schwarzarbeit und die illegale Prostitution in das Bruttosozialprodukt ein. Außerdem werden Ausgaben für das Militär nicht mehr als Aufwand sondern als Investitionen erfasst.

Im Ergebnis wird dies zu einem Anstieg des Sozialproduktes führen. Die Zeitreihen der Vergangenheit werden entsprechend angepasst. Eine Konsequenz der Neuberechnung besteht darin, dass die Staatsverschuldung im Vergleich zum nunmehr hoch berechneten Sozialprodukt sinkt. Soweit so gut.

Außerdem entnehmen wir dieser Tage der Presse, dass die Inflation, also die allgemeine Geldentwertung, derzeit besonders niedrig liege. Derweil beschleicht viele Mitbürger der Eindruck, es handele sich um eine schön gerechnete Zahl. Sie verweisen gerne auf Preisanstiege bei Lebensmitteln und Energie. Letztlich geht es dabei um eine gefühlte Inflation.

Um der ständigen Kritik an der Inflations-Berechnung zu entgehen, schlage ich vor, die Berechnung ähnlich wie beim Bruttosozialprodukt zu modifizieren bzw. zu erweitern. In der Folge würde die Vollständigkeit und damit die Aussagefähigkeit der Zahl zunehmen. So erscheint es mir sinnvoll, die bisherige Inflationsberechnung durch Einbeziehung von Finanzmarktgütern zu erweitern. Sinnvoll wäre etwa die Hinzurechnung von Wohnungspreisanstiegen und auch von Anleihekursveränderungen sowie Kreditzinsen. Auch die Berücksichtigung von Aktienkursveränderungen könnten Eingang finden in die Inflationsberechnung.

Da aber im deutschen Warenkorb Aktien im Gegensatz zu Zinsanlagen nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen, sind Immobilien- und Anleihedaten von größerer Relevanz für den deutschen Normalbürger. Angesichts einer deutschen Sparquote von gut zehn Prozent wäre etwa ein solches Gewicht im Warenkorb für Finanzanlagen zu reservieren. Weil zudem eine älter werdende Gesellschaft tendenziell steigende Einkommen aus Kapitalanlagen erzielen muss, dürfte die Inklusion solcher Finanzmarktdaten in den Inflationswarenkorb besonders aussagefähig, zukunftsweisend und somit wichtig sein.

Seite 1:

Inflation schön gerechnet

Seite 2:

Wohlstand wird politisch definiert

Kommentare zu " Der Anlagestratege: Inflation schön gerechnet "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Danke für die Bestätigung... und jetzt stehen wir beide schön doof da... Was ist denn hier passiert, da wird die Kolumne komplett ausgetauscht aber die Kommentare stehen gelassen?

    Da muss ich doch zumindest aufklären, auch wenn mein Text es schon erahnen lässt - der gute Herr Bruns hat sich in der ursprünglich am 21.08. erschienenen Version darüber ausgelassen, dass der Staat mehr sparen muss, weil... Weiß nicht, unsere Topverdiener nicht noch höher besteuert werden dürfen weil... Weiß nicht, die sonst arm werden, weil man ja durch Steuern am Ende sogar mehr weggenommen kriegt, als man verdient hat und damit trotz mehr Geld weniger Geld hat... Ist natürlich blanker Unsinn, aber wie bei so oft muss man Unsinn nur oft genug wiederholen, damit er geglaubt wird.

  • Das BIP wird zum Jahresende wachsen. Auf der Internetseite unserer Statistiker wird auch erklärt, wie das BIP wachsen wird. Die Organisierte Kriminalität (Prostitution, Drogenhandel, Zigarettenschmuggel u.a.), also wichtige, permanent wachsende und somit unverzichtbare Leistungsfelder unserer Volkswirtschaft, werden in die Berechnung einbezogen. Das geschieht durch Schätzungen, die von "Experten" vorgenommen werden! Aufgenommen werden diese illegalen "Wirtschaftsleistungen" weil das BIP immer wichtiger wird. So die Begründung der Statistiker. Und weil das BIP so bedeutend ist, wird das segensreiche Wirken der OK eben geschätzt. Nun wird auch klar, warum der dicke Gabriel ganz gelassen bei der Prognose der Bundesregierung bleibt. Er kann ja zum Jahresende entsprechende Schätzungen veranlassen und passende Berechnungsmodelle in Auftrag geben!
    Warum nur erinnert mich dieser Scheiß immer wieder an die elende DDR?

  • Es gibt viel Grund zu der Annahme, dass eine Gesellschaft reicher wird, wenn sie mehr Geld ausgibt = in Bewegung bringt.
    Ganz schön nahe an der Wahrheit aber denken Sie an die Hausfrau Merkel. Die rettet Banken und investiert nichts.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%