Der Anlagestratege: Interessiert euch endlich für Aktien!

Der Anlagestratege
Interessiert euch endlich für Aktien!

Weder Kirchen noch Gewerkschaften, noch Schulen und Universitäten haben etwas für Aktien übrig. Die Folgen dieses Starrsinns sind für die deutsche Gesellschaft dramatisch.
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Als ich vor einigen Jahren meine erste Kolumne für Handelsblatt Online schrieb, ging es um das Thema Altersarmut, die ich als vor der Tür stehendes Gespenst in Anlehnung an den berühmten Satz von Karl Marx aus dem kommunistischen Manifest personifizierte. Seinerzeit hatte ich gemeint, eine Renaissance der Beteiligung der Bevölkerung an der Wirtschaft als Miteigentümer könnte zur Abwendung oder zumindest Linderung des Problems führen.

Heute bin ich skeptischer denn je, ob dieser Weg in Deutschland begangen werden kann. Zwar erscheint es mittlerweile dringlicher als jemals zuvor, ein Umsteuern von der Fremdkapitalwirtschaft hin zu einer breit gestreuten Eigenkapitalwirtschaft einzuleiten, allein fehlen in Deutschland die intellektuellen und kulturellen Voraussetzungen beziehungsweise Traditionen.

Oft schießt mir diesbezüglich die Parallele zur Weimarer Republik durch den Kopf. Diese erste Demokratie auf deutschem Boden ist, wie Historiker festhalten, nicht an der Übermacht ihrer Feinde sondern am Mangel an Freunden untergegangen. Dabei ist nicht so sehr Freundschaft sondern Vernunft der Weg zu Demokratie und Wirtschaftsbeteiligung.

Ganz ähnlich scheint es mit der Aktienkultur in Deutschland bestellt zu sein. Obwohl die ökonomische Argumentationslage völlig zweifelsfrei für die Aktienanlage spricht, interessieren sich die wesentlichen Gruppen der Gesellschaft nicht für das Thema.

Weder Kirchen noch Gewerkschaften, noch Schulen und Universitäten und schon gar nicht die gewählten Volksvertreter wollen sich die langfristigen Vorteile einer breit in der Bevölkerung verankerten Aktienkultur auf ihre Fahnen schreiben. Machen wir uns nichts vor: So wenig Deutschland aus eigener Kraft den Weg zur Demokratie finden konnte, ist es in der Lage, eine Beteiligungskultur an der Wirtschaft zu etablieren.

Dabei müsste doch die faktische Abschaffung des Zinses durch die Europäische Zentralbank allen Menschen die Augen für den Irrweg öffnen, den die Bundesrepublik Deutschland seit Jahrzehnten durch ihre steuerliche und regulatorische Bevorzugung von Zinsanlagen praktiziert. Es soll übrigens nicht verschwiegen werden, dass die fatale Abhängigkeit des Staates von den großen Finanzinstitutionen und umgekehrt ebenfalls eine Folge der deutschen Fremdkapitalbesessenheit ist.

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Der Staat wird zum Umverteiler

Kommentare zu " Der Anlagestratege: Interessiert euch endlich für Aktien!"

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  • "No brain - no headache".

    Lieber immer schön der Herde nach und erstmal gucken, was die anderen machen.
    Ist ja auch irgendwie gemütlicher.

    Hoffentlich bleibt uns dieser "Gemeinsinn" auch erhalten, wenn angesichts von soviel Obrigkeitsvertrauen irgendwann unweigerlich härtere Zeiten anbrechen sollten.

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