Der Anlagestratege
„Notenbanken müssen den Anleihen-Crash verhindern“

Der Kursverfall bei Staatsanleihen ist dramatisch. Und er geht weiter, nicht nur in Deutschland. Alle fragen sich: Ist die große Zinswende gekommen? Den Staaten als Schuldnern, aber auch den Gläubigern droht Ungemach.
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Eine solch rasche Abwärtsbewegung hat es an den Anleihemärkten in so kurzer Zeit lange nicht mehr gegeben. Innerhalb weniger Tage verlor die marktführende zehnjährige Bundesanleihe fünf Prozent ihres Wertes. Der Bund Future fiel von 160 auf 154 Punkte. Ausländischen Bondmärkten ging es keinen Deut besser, so dass die Kurse für langlaufende Anleihen öffentlicher und privater Schuldner kräftig ins Rutschen gekommen sind. Damit ist auch der Rentenindex REXP seit Jahresbeginn ins Minus gelaufen. Die große Frage lautet nunmehr, ob dies die große Zinswende ist.

Für die Beantwortung dieser Frage ist es wichtig, den historischen Zusammenhang der Lage auf den Anleihemärkten zu kennen. Seit Anfang der 1980-er-Jahre des letzten Jahrhunderts fallen die Zinsen kontinuierlich. Dem Beispiel der Deutschen Bundesbank folgend, machten es die meisten Notenbanken der Welt zu ihrer Aufgabe, Geldwertstabilität vor anderen Zielen zu priorisieren. Bis zum Platzen der Dot.Com Krise in den Jahren 1999 und 2000 bestand die Präferenz der Notenbanken in Inflationsbekämpfung.

Dann aber schwang sich der seinerzeitige Präsident der amerikanischen Notenbank Fed, Allan Greenspan, auf, die Auswirkungen des Aktieneinbruchs durch billiges Geld zu konterkarieren. Verstärkt wurden diese Bemühungen der Fed, als im September 2001 die Terroranschläge von New York und Washington die Konjunktur abermals zu beeinträchtigen drohten. Im Gefolge der geöffneten Geldschleusen entwickelte sich in den USA eine gewaltige Immobilienpreisblase, die im Jahr 2007 zu Platzen begann, als Hedgefonds des Hauses Bear Stearns in die Illiquidität gerieten.

Ausländische Finanzinstitute und nicht zuletzt deutsche Adressen nahmen prominent am Immobilienspektakel in den Vereinigten Staaten teil. Als dann aber das kreditfinanzierte Kartenhaus zusammenbrach und eine schwere Wirtschaftskrise ante portas stand, sah sich der mittlerweile ins Amt gelangte neue amerikanische Notenbankpräsident Ben Bernanke veranlasst, die Geldschleusen in einer Weise zu öffnen, wie es die Welt vorher nicht für möglich gehalten hatte. Im Gefolge einer wahrhaftigen Gelddruckorgie von nicht weniger als 4.000 Milliarden US-Dollar nebst Dauernullzinspolitik sanken die Renditen für Anleihen auf ungekannte Tiefstände.

Dem Leitmarkt USA folgten mutatis mutandis auch die Zinsen im Rest der Welt, so dass auch dort rekordhohe Anleihekurse verzeichnet wurden. Hinzu trat noch die Rettung einiger Staaten aus dem Euro-Raum, die sich nach der Einführung des Euro viel zu stark zu Konsumzwecken verschuldet hatten und die ihrerseits Bankenrettungen vornehmen mussten. Erst im März dieses Jahres hat die Europäische Notenbank damit begonnen, das Vorbild der Amerikaner zu huldigen, indem mittlerweile monatlich Zinspapiere in Höhe von 60 Milliarden Euro erworben werden.

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Kommentare zu " Der Anlagestratege: „Notenbanken müssen den Anleihen-Crash verhindern“"

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  • das "Zeit kaufen" war eigentlich ironisch gemeint. Ich war noch nie der Meinung, dass eine Zentralbank "Zeit" kaufen kann. Poltiker reagieren immer nur unter Druck. Sie hätten Zeit gehabt, erforderliche Reformen duchzuführen. Aber in den wichtigsten Ländern ist nichts passiert und Deutschland geht in die falsche Richtung.

  • Geld drucken ist nicht das Problem. Es finden sich immer weniger Deppen um frisches Geld zu leihen.

  • Nicht nur Staatsanleihen. In den USA stehen diverse Staaten und Staedte kurz vor der Pleite (zb. Chicago). Auch den Oelfrackern geht es nicht so besonders. Dort wurden Hunderte von Milliarden versenkt. Obendrein haben wir in den USA und Deutschland eine Immoblase. Das hat in der Regel auch kein Happy End. Also muss weiter Geld gedruckt werden, sonst ist Ende Gelaende.

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