Der Anlagestratege

„Notenbanken müssen den Anleihen-Crash verhindern“

Der Kursverfall bei Staatsanleihen ist dramatisch. Und er geht weiter, nicht nur in Deutschland. Alle fragen sich: Ist die große Zinswende gekommen? Den Staaten als Schuldnern, aber auch den Gläubigern droht Ungemach.
  • Christoph Bruns
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Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.
Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Eine solch rasche Abwärtsbewegung hat es an den Anleihemärkten in so kurzer Zeit lange nicht mehr gegeben. Innerhalb weniger Tage verlor die marktführende zehnjährige Bundesanleihe fünf Prozent ihres Wertes. Der Bund Future fiel von 160 auf 154 Punkte. Ausländischen Bondmärkten ging es keinen Deut besser, so dass die Kurse für langlaufende Anleihen öffentlicher und privater Schuldner kräftig ins Rutschen gekommen sind. Damit ist auch der Rentenindex REXP seit Jahresbeginn ins Minus gelaufen. Die große Frage lautet nunmehr, ob dies die große Zinswende ist.

Für die Beantwortung dieser Frage ist es wichtig, den historischen Zusammenhang der Lage auf den Anleihemärkten zu kennen. Seit Anfang der 1980-er-Jahre des letzten Jahrhunderts fallen die Zinsen kontinuierlich. Dem Beispiel der Deutschen Bundesbank folgend, machten es die meisten Notenbanken der Welt zu ihrer Aufgabe, Geldwertstabilität vor anderen Zielen zu priorisieren. Bis zum Platzen der Dot.Com Krise in den Jahren 1999 und 2000 bestand die Präferenz der Notenbanken in Inflationsbekämpfung.

Dann aber schwang sich der seinerzeitige Präsident der amerikanischen Notenbank Fed, Allan Greenspan, auf, die Auswirkungen des Aktieneinbruchs durch billiges Geld zu konterkarieren. Verstärkt wurden diese Bemühungen der Fed, als im September 2001 die Terroranschläge von New York und Washington die Konjunktur abermals zu beeinträchtigen drohten. Im Gefolge der geöffneten Geldschleusen entwickelte sich in den USA eine gewaltige Immobilienpreisblase, die im Jahr 2007 zu Platzen begann, als Hedgefonds des Hauses Bear Stearns in die Illiquidität gerieten.

Ausländische Finanzinstitute und nicht zuletzt deutsche Adressen nahmen prominent am Immobilienspektakel in den Vereinigten Staaten teil. Als dann aber das kreditfinanzierte Kartenhaus zusammenbrach und eine schwere Wirtschaftskrise ante portas stand, sah sich der mittlerweile ins Amt gelangte neue amerikanische Notenbankpräsident Ben Bernanke veranlasst, die Geldschleusen in einer Weise zu öffnen, wie es die Welt vorher nicht für möglich gehalten hatte. Im Gefolge einer wahrhaftigen Gelddruckorgie von nicht weniger als 4.000 Milliarden US-Dollar nebst Dauernullzinspolitik sanken die Renditen für Anleihen auf ungekannte Tiefstände.

Dem Leitmarkt USA folgten mutatis mutandis auch die Zinsen im Rest der Welt, so dass auch dort rekordhohe Anleihekurse verzeichnet wurden. Hinzu trat noch die Rettung einiger Staaten aus dem Euro-Raum, die sich nach der Einführung des Euro viel zu stark zu Konsumzwecken verschuldet hatten und die ihrerseits Bankenrettungen vornehmen mussten. Erst im März dieses Jahres hat die Europäische Notenbank damit begonnen, das Vorbild der Amerikaner zu huldigen, indem mittlerweile monatlich Zinspapiere in Höhe von 60 Milliarden Euro erworben werden.

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9 Kommentare zu "Der Anlagestratege: „Notenbanken müssen den Anleihen-Crash verhindern“"

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  • das "Zeit kaufen" war eigentlich ironisch gemeint. Ich war noch nie der Meinung, dass eine Zentralbank "Zeit" kaufen kann. Poltiker reagieren immer nur unter Druck. Sie hätten Zeit gehabt, erforderliche Reformen duchzuführen. Aber in den wichtigsten Ländern ist nichts passiert und Deutschland geht in die falsche Richtung.

  • Geld drucken ist nicht das Problem. Es finden sich immer weniger Deppen um frisches Geld zu leihen.

  • Nicht nur Staatsanleihen. In den USA stehen diverse Staaten und Staedte kurz vor der Pleite (zb. Chicago). Auch den Oelfrackern geht es nicht so besonders. Dort wurden Hunderte von Milliarden versenkt. Obendrein haben wir in den USA und Deutschland eine Immoblase. Das hat in der Regel auch kein Happy End. Also muss weiter Geld gedruckt werden, sonst ist Ende Gelaende.

  • " Daher spricht vieles dafür, dass die Notenbanken jetzt neues Geld drucken werden, um auch das lange Ende der Zinsstrukturkurve zu manipulieren. "
    Sehe ich auch so. Die FED kuendigt zwar noch immer vollmundig eine Erhoehungs des Leitzins an aber ausser Ankuendigungen wird da nicht viel kommen. Die Zentralbanken werden durch ihre eigene verfehlte Strategie der Vergangenheit weiter dazu gewzwungen Geld zu drucken. Wie lange kann das gut gehen? Das weiss niemand so genau, aber vermutlich nicht ewig. Japan ist den USA und der Eurozone ungefaehr 10 Jahre vorraus. Schaun ma' mal.

  • Ist es nicht erstaunlich, dass der Euro gegenueber dem Dollar steigt, die Zinsen steigen und Bond und Aktienmaerkte in die Tiefe rauschen obwohl die EZB die Maerkte flutet? Es ist zu lesen, dies liege an den besseren Konjunkturaussichten Europas. Liegt es nicht eher daran, dass private Anleger beginnen aus Anleihen zu fluechten, weil eine Staatspleite Griechenlands die Sicherheit von Anleihen in ein neues Licht setzt?

  • Dr. Bruns will seine Haut retten. Aber dafür ist es schon zu spät. Je eher es kracht, desto besser.

  • Immer wenn Herr Bruns nicht die Werbetrommel für Aktien/-fonds rührt, kommen wunderbare, sachlich fundierte, sehr lesenswerte Artikel heraus.

  • Aber vielleicht können die Länder ja die "gekaufte Zeit" wieder verkaufen und damit die Schuldenprobleme lösen.

    Dies wird nicht möglich sein, weil die gekaufte Zeit oder auch erkaufte Zeit vestrichen und somit nicht mehr zur Verfügung steht. Was bei gekaufter Zeit möglicht ist, sie sinnvoll zu nutzen während sie verstreicht.
    Siehe den Unterschied GR und IR. GR hat die Zeit benutzt seine Banken auf scheinbar breitere Füße zustellen. ( Nicht breit genug). Fiskalisch ist man ein Entwicklungsland geblieben und wir sollen nochmal und nochmal Zeit kaufen .
    Man wird es kaum glauben, aber wir werden Zeit kaufen, obwohl sich die Rechnung verdoppeln kann. Zahlbar wenns knallt.
    Dies kann man noch ein Weilchen weiterso treiben. Billiger wirds jedenfalls nicht. Oder haben Sie igendwo was anderes gehört.

    Schönen Tag noch.

  • Notenbanken werden den Anleihe-Crash nicht verhindern, sie sind ein Teil des Problems. Außerdem ist es nicht so, dass die Staaten ihre Probleme in Zeiten niedriger Zinsen nicht lösen konnten, sie wollten nicht. Die ganze Entwicklung geht in die falsche Richtung und wird in den großen Crash führen. Langfristig kann auch eine Notenbank nicht gegen den Markt arbeiten. Aber vielleicht können die Länder ja die "gekaufte Zeit" wieder verkaufen und damit die Schuldenprobleme lösen.

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