Der Anlagestratege Schaden von Europa abwenden

Mit der AfD hat eine neue Partei den Sprung nach Brüssel geschafft. Das ist ein gutes Zeichen für unsere Demokratie. Jetzt ist endlich die Zeit gekommen, sich mit den Fehlern des Euros auseinanderzusetzen.
  • Christoph Bruns
9 Kommentare
Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.
Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Mit deutlichen Kursavancen haben Aktien- und vor allem die Anleihenmärkte auf den Ausgang der Europawahl reagiert. Warum sollten sie auch nicht, bleibt doch im Wesentlichen alles beim Alten. Die staatstragenden Parteien bilden im neugewählten Parlament eine solide Mehrheit und werden den eingeschlagenen Kurs mutatis mutandis fortsetzen, sobald sich die Aufregung über einige länderspezifische Wahlausgangsbesonderheiten gelegt hat.

Aus deutscher Sicht hat die Wahl sogar zusätzliche positive Aspekte gehabt, namentlich die durch den Verknüpfungstrick mit Kommunalwahlen an vielen Orten erhöhte Wahlbeteiligung und den Sprung einer neuen Partei ins Europäische Parlament. Geradezu bemerkenswert ist insofern die Lebendigkeit der deutschen Demokratie bei gleichzeitiger Stabilität seiner tragenden Konstanten.

Mit der AfD hat unterdessen eine neue Partei den Sprung nach Brüssel geschafft. Wenige Jahre zuvor hatte die Piratenpartei bei Landtagswahlen für Furore gesorgt und den Beleg erbracht, dass unser Parteiensystem keineswegs so erstarrt ist, dass neue Parteien chancenlos im real existierenden deutschen Demokratiebetrieb wären. Freilich bleibt das Musterbeispiel einer Parteietablierung die Partei Die Grünen, die inzwischen aus der Parteienlandschaft nicht mehr wegzudenken ist.

Nun kommt mit der AfD eine junge Partei empor, deren Existenz man sich in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts, als es um die Einführung des Euro ging, dringend gewünscht hätte. Möglicherweise hätte eine intensivere öffentliche Debatte damals die voreilige Einführung des Euro verhindern und damit viel Schaden von Europa abwenden können. So aber ist es eine Ironie, dass die inzwischen gut etablierte Währung Euro Parteien auf den Schild hebt, die dessen Abschaffung fordern.

Das ändert aber nichts an dem Umstand, dass der Wahlerfolg der AfD ein gutes Zeichen für unsere Demokratie ist. Wie sehr seitens des politischen Establishments versucht wurde, der AfD ein braunes Mäntelchen umzuhängen und sie aus dem Kreis der wohl eingerichteten Altparteien herauszuhalten, konnte keinem neutralen Beobachter entgehen.

Verrat der FDP am Liberalismus
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9 Kommentare zu "Der Anlagestratege: Schaden von Europa abwenden"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Donnerwetter, solch einen Beitrag hier, hätte ich dem Handelsblatt gar nicht zugetraut!

  • Lieber Herr Bruns,

    ist dieser Artikel wirklich mit Ihrem Chef Herrn Stock abgesprochen.
    Unabhängig davon ob man die AfD mag oder nicht - das ist ja wirklich mal ein Artikel der kein AfD-Bashing erkennen lässt... geht wieder aufwärts?

  • "Ansonsten sollte das Subsidiaritätsprinzip wesentlich stärker beachtet werden."

    Es ist wirklich erstaunlich, dass das immer noch nicht begriffen wird. Mit dem Euro ist keine wirtschaftliche Subsidiarität mehr möglich. Man stelle sich vor, die Agenda2010 wäre nur in 15 Bundesländern umgesetzt worden und in Bayern nicht. Die Folge wäre ein Verlust der Wettbewerbsfähigkeit Bayerns gewesen. Der Euro braucht Zentralismus zum Überleben, sonst bricht er auseinander. Als Eurogegner find ich es allerdings erfreulich, dass die Politiker noch nicht stärker auf diesen Kurs eingeschlagen sind. Wäre ja auch ein nationaler Machtverlust. Das wird letztendlich auch dem Euro das Genick brechen.

  • Ob die EU und der Euro-Raum in ihrer augenblicklichen Verfasstheit auch in Zukunft Bestand haben werden, ist mehr als ungewiss. Richtig ist, die Euro-Krise macht derzeit Pause obgleich die Ursachen dieser
    Krise keineswegs ausgeräumt sind.

    Richtig bleibt auch die Erkenntnis, keine Währungsunion auf Dauer ohne politische Union, also den Brüssler Zentralstaat. Deshalb fordert auch z.B. Hans Werner Sinn die "Vereinigten Staaten von Europa", weil er ohne diesen Zentralstaat für den Euro keine gesicherte Zukunft sieht.

    Nun gibt es aber in wichtigen Staaten wie Frankreich und UK massive Widerstände gegen diesen Zentralstaat, dass eine Entwicklung der EU in diese Richtung als reine Utopie anzusehen ist. Das Zurückrudern von Hollande kaum, dass er eine Agenda-Politik angdacht hat, spricht Bände.

    Der Euro als Einheitswährung ist für viele Staaten zu stark, während er für einige wenige Staaten zu schwach ist. Die EZB-Politik, die eine einheitliche Politik machen muss, kann nicht mehr ausgleichend wirken, da Auf-und Abwertungen nach Bedarf in einzelnen Ländern nicht mehr stattfinden kann.

    Der Gedanke von Henkel einer Aufteilung in eine Nord- und eine Südsektion liegt in der Logik der Sache, nur dürfte die Umstellungsphase nnicht ganz problemlos über die Bühne gehen.

    Trotzdem ist das Andenken dieser Modifizierung des Euros richtig, denn "alternativlos" ist nichts auf diser Welt, auch nicht die derzeitige Konstruktion des Einheitseuro.

  • Wenn die vernünftigen Kräfte in der Rest FDP um Schäffler sich entschließen könnten der AfD bei zu treten wäre der deutschen Parteienlandschaft sicher gedient. Das wäre so eine Art Erich Mende FDP Einschlag bei der neuen Partei. Liberal und Werteorientiert--also eine Partei die es im deutschen Bundestag nicht mehr gibt! Wählbar für Menschen die ihre Interessen z.Z. im Bundestag nicht mehr vertreten sehen!

  • Es war absehbar, dass das AFD-Bashing in dem Moment "zurückgefahren" werden muss, in dem es die AFD bei einer Wahl "geschafft" hat.
    Jetzt kann man den Wählerwillen nicht mehr totschweigen oder mit der Nazikeule in die rechte Ecke prügeln.
    Ich hoffe auf eine Rückkehr zu einer wertorientierten und verlässlichen Politik, bei der die Vernunft vor Wunschdenken/Ideologie steht.

  • Die AfD ist konservativ-liberal. Das heißt:

    In wirtschaftspolitischen Fragen ist sie marktwirtschaftlich ausgerichtet und für einen schlankeren Staat.

    In gesellschaftspolitischen Fragen dagegen ist sie konservativ. Sie ist gegen die Gleichstellung von sogenannten Homoehen mit richtigen Ehen, gegen den Genderidiotismus und für die Förderung von Ehe und Familie.

    In beiden Bereichen vertritt sie Positionen, die früher zum selbstverständlichen Markenkern von CDU und CSU gehört haben, von diesen Parteien aber schmählich verraten worden sind.

    In der Energiepolitik fordert sie die Abschaffung des EEG. Das EEG zerstört bekanntlich die Kaufkraft weiter Teile der Bevölkerung und vernichtet großflächig Arbeitsplätze in der energieintensiven Industrie. Insofern ist seine möglichst schnelle Abschaffung eine Frage des Überlebens für die deutsche Wirtschaft.

    Ob es wirklich unmöglich sein wird, zu einer geordneten Auflösung des Euro und der durch ihn erzwungenen großdimensionierten Vergemeinschaftung der Staatsschulden im Euroraum zu kommen, wird noch zu prüfen sein. Die Alternative zum Einheitseuro ist ja nicht nur ein Zurück zu nationalen Einzelwährungen, sondern auch, wie Henkel es fordert, eine Aufspaltung von und Nord- und Südeuro.

    Wenn man bedenkt, dass die EZB dabei ist, mit ihrer unbegrenzten Politik der Geldvermehrung und des Niedrigzinses das Vertrauen in den Euro langfristig zu zerstören, ist es m.E. durchaus eine Überlegung wert, ob dem dadurch am Ende unvermeidlichen Währungscrash nicht doch die Friktionen, die mit einer geordneten Auflösung dieser Katastrophenwährung verbunden sind, vorzuziehen sind.

  • Ein guter Artikel!

  • Nehme ich beim Handelsblatt ein leichtes umdenken in Bezug auf die AfD und das Demokratieverständnis wahr....?
    Weiter so...NICHT "Rechts" und "Links" Denken, sondern sich mit den Sachthemen und Problemen der Bürger/Wahlgesellschaft auseinandersetzen. Danke!

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