Der Anlagestratege
Schaden von Europa abwenden

Mit der AfD hat eine neue Partei den Sprung nach Brüssel geschafft. Das ist ein gutes Zeichen für unsere Demokratie. Jetzt ist endlich die Zeit gekommen, sich mit den Fehlern des Euros auseinanderzusetzen.
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Mit deutlichen Kursavancen haben Aktien- und vor allem die Anleihenmärkte auf den Ausgang der Europawahl reagiert. Warum sollten sie auch nicht, bleibt doch im Wesentlichen alles beim Alten. Die staatstragenden Parteien bilden im neugewählten Parlament eine solide Mehrheit und werden den eingeschlagenen Kurs mutatis mutandis fortsetzen, sobald sich die Aufregung über einige länderspezifische Wahlausgangsbesonderheiten gelegt hat.

Aus deutscher Sicht hat die Wahl sogar zusätzliche positive Aspekte gehabt, namentlich die durch den Verknüpfungstrick mit Kommunalwahlen an vielen Orten erhöhte Wahlbeteiligung und den Sprung einer neuen Partei ins Europäische Parlament. Geradezu bemerkenswert ist insofern die Lebendigkeit der deutschen Demokratie bei gleichzeitiger Stabilität seiner tragenden Konstanten.

Mit der AfD hat unterdessen eine neue Partei den Sprung nach Brüssel geschafft. Wenige Jahre zuvor hatte die Piratenpartei bei Landtagswahlen für Furore gesorgt und den Beleg erbracht, dass unser Parteiensystem keineswegs so erstarrt ist, dass neue Parteien chancenlos im real existierenden deutschen Demokratiebetrieb wären. Freilich bleibt das Musterbeispiel einer Parteietablierung die Partei Die Grünen, die inzwischen aus der Parteienlandschaft nicht mehr wegzudenken ist.

Nun kommt mit der AfD eine junge Partei empor, deren Existenz man sich in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts, als es um die Einführung des Euro ging, dringend gewünscht hätte. Möglicherweise hätte eine intensivere öffentliche Debatte damals die voreilige Einführung des Euro verhindern und damit viel Schaden von Europa abwenden können. So aber ist es eine Ironie, dass die inzwischen gut etablierte Währung Euro Parteien auf den Schild hebt, die dessen Abschaffung fordern.

Das ändert aber nichts an dem Umstand, dass der Wahlerfolg der AfD ein gutes Zeichen für unsere Demokratie ist. Wie sehr seitens des politischen Establishments versucht wurde, der AfD ein braunes Mäntelchen umzuhängen und sie aus dem Kreis der wohl eingerichteten Altparteien herauszuhalten, konnte keinem neutralen Beobachter entgehen.

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Verrat der FDP am Liberalismus

Kommentare zu " Der Anlagestratege: Schaden von Europa abwenden"

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  • Donnerwetter, solch einen Beitrag hier, hätte ich dem Handelsblatt gar nicht zugetraut!

  • Lieber Herr Bruns,

    ist dieser Artikel wirklich mit Ihrem Chef Herrn Stock abgesprochen.
    Unabhängig davon ob man die AfD mag oder nicht - das ist ja wirklich mal ein Artikel der kein AfD-Bashing erkennen lässt... geht wieder aufwärts?

  • "Ansonsten sollte das Subsidiaritätsprinzip wesentlich stärker beachtet werden."

    Es ist wirklich erstaunlich, dass das immer noch nicht begriffen wird. Mit dem Euro ist keine wirtschaftliche Subsidiarität mehr möglich. Man stelle sich vor, die Agenda2010 wäre nur in 15 Bundesländern umgesetzt worden und in Bayern nicht. Die Folge wäre ein Verlust der Wettbewerbsfähigkeit Bayerns gewesen. Der Euro braucht Zentralismus zum Überleben, sonst bricht er auseinander. Als Eurogegner find ich es allerdings erfreulich, dass die Politiker noch nicht stärker auf diesen Kurs eingeschlagen sind. Wäre ja auch ein nationaler Machtverlust. Das wird letztendlich auch dem Euro das Genick brechen.

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