Der Anlagestratege
Schlechte Anlagestrategie verringert Ungleichheit

Unter Ökonomen ist ein neuer Streit über die Kluft zwischen Arm und Reich entbrannt. Die Reichen würden von hohen Kapitaleinkünften profitieren – doch wer in dieser Zeit auf Zinsprodukte setzt, hat kaum einen Vorteil.
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In den Vereinigten Staaten sorgt ein Ökonomie-Buch für Aufsehen, das der französischer Wirtschaftsprofessor Thomas Piketty geschrieben hat. Thema des Oevres „Capital in the Twenty-First Century“ ist die vermeintliche Kluft zwischen Reichen und Armen. Der These des Autors zufolge hat sich die Schere zwischen Arm und Reich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich geöffnet. Vor allem für die USA, aber auch für Großbritannien und zum Teil für den Rest Europas, glaubt der Autor dieses Phänomen mit einer umfangreichen Datenreihenanalyse belegen zu können.

Nun ist die Diskussion über Ungleichheit von Vermögen keineswegs neu. Auch die deutschen Medien befassen sich wiederkehrend mit dieser Thematik. Genau besehen befindet sich das Thema spätestens seit Karl Marx, auf dessen Hauptwerk im Buchtitel angespielt wird, auf der germanischen Feuilleton-Agenda. Es fiele allerdings auch nicht schwer, bereits in der Antike Belege für die Erörterung von ökonomischer Ungleichheit zu finden.

Zur Begründung seiner Hypothese führt Piketty aus, dass während der betrachteten Zeiträume die erzielten Renditen auf Kapital höher als diejenigen auf Arbeit gewesen seien. Folglich würden jene Bevölkerungsgruppen, die ausschließlich Arbeitseinkünfte besitzen, gegenüber den Wohlhabenden, die zusätzlich zu ihren Arbeitseinkommen auch Einkünfte aus Kapitalanlagen beziehen, zunehmend materiell ins Hintertreffen geraten.

Soweit so gut. Mir scheint die These weder neu noch originell, was aber über ihre Richtigkeit nicht viel besagt. Allerdings habe ich selber hinreichend intensiv Datenreihenanalyse betrieben, um die Fallstricke dieser Disziplin gut zu kennen. Keineswegs ist es dabei stets so, dass empirische Beobachtungen aus der Vergangenheit zu einer validen Grundregel für die Zukunft führen.

Wirft man aber einen Blick nach vorne, so wäre es vorschnell, von einer linearen Fortsetzung der behaupteten und aufgezeigten Tendenz auszugehen. Denn das unterstellt die Kenntnis der Entwicklung der Arbeitseinkommen ebenso wie jene der Renditen auf Kapital in der Zukunft.

Es ist sehr wohl vorstellbar, wenn nicht gar wahrscheinlich, dass in den nächsten 20 bis 30 Jahren die von Piketty behauptete und zugleich plausible Tendenz eine Umkehrung erfährt. Beispielsweise ist es denkbar dass angesichts des demographischen Wandels zukünftig eine Knappheit an qualifizierten Arbeitnehmern auftritt, die zu größerer Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer und so zu deutlich steigenden Löhnen führt.

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Anleihenbaisse könnte bevorstehen

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