Der Anlagestratege
Von der Hausse zur Jahrhundertrally

Vor sechs Jahren startete eine Börsenparty, die zur Jahrhundertrally werden dürfte. Wer in der Krise zugegriffen hat, freut sich über dicke Gewinne. Und es gibt gute Gründe, warum die Kurse weiter steigen könnten.
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In der amerikanischen Subprime-Krise im Herbst 2008 waren nahezu alle amerikanischen Banken in Zahlungsschwierigkeiten geraten, nachdem die Jahrzehnte lange Aufwärtsentwicklung am amerikanischen Immobilienmarktes, die zusätzlich durch das relativ günstige Geld nach der Dot-Com-Krise und den Terroranschlägen des 11. September 2001 angetrieben wurde, jäh endete.

Seit dem 6. März 2009 ziehen die weltweiten Aktienmärkte – unterbrochen durch eine deftige Marktkorrektur im Jahr 2011, verursacht durch die damalige Griechenland-Rettung – kräftig an. Seither konnte der Dax um 222 Prozent zulegen, was einem jährlichen Zuwachs von gut 21 Prozent entspricht. Drei Tage später startete der Standard & Poors 500 seine Rally, die ihn von 676 auf 2040 Punkte hievte; ein stolzer jährlicher Anstieg um gut 20 Prozent. Etwas magerer ging es seither am Kabuto Cho zu, wo der Nikkei Index seit dem 10 März 2009 um 165 Prozent zulegen konnte.

Der Hinweis auf Japan bringt zugleich einen anderen Jahrestag in Erinnerung, der sich ebenfalls in dieser Woche jährte. Gemeint ist das Atomunglück von Fukushima, das sich am 11. März 2011 infolge eines Tsunami ereignete und weltweit, besonders aber in Deutschland, Folgen für die Stromerzeugung hatte. Heute steht der Nikkei 83 Prozent höher als am Tag vor dem Unfall, wenngleich das japanische Börsenbarometer zunächst monatelang abwärts tendierte.

Einmal mehr zeigt sich an diesen Kursgewinnen wie sehr Krisen an den Börsen ungewöhnliche Chancen bieten. Der alte Satz vom „Kaufen, wenn die Kanonen donnern“ wurde hier abermals bestätigt. Übrigens donnern heute die Kanonen im Osten Europas und es gibt durchaus ernstzunehmende Stimmen, die meinen, hier gäbe es im Hinblick auf die kommenden fünf bis zehn Jahre ungewöhnlich attraktive Kaufgelegenheiten, vor allem im Rohstoffbereich.

Es gibt nicht wenige Anleger, die sich durch die üppige Börsenrally der vergangenen Jahre an die Stimmung zum Ende der 1990er-Jahre erinnert sehen. Damals träumte die Kapitalmarktwelt von einer neuen Technologie namens Internet, die einen wirtschaftlichen Quantensprung in Gang setzen und Wohlstandssprünge erlauben würde. Im Nachgang des Untergangs des Kommunismus sprießten große geopolitische Harmoniehoffnungen, die nicht nur ein Gerede von „Friedensdividende“ in Gang brachte, sondern vor allem dem Visionsprojekt Euro als Symbol von Aussöhnung und europäischen Einigung den Weg ebnete. Manche Politiker wollten gar unter zartem Druck der USA die Türkei der EU hinzuschlagen, um das gefühlte europäische Fortschritts- und Wohlstandsmodell auch in den islamischen Raum zu exportieren.

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Die Finanzkrise ist eine Zäsur

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  • Ich würde gerne mal die Aktiendepots von Politikern, Beamten und ihrem privaten Umfeld sehen. Hier läuft doch die Insider-Nummer schlechthin.

  • Dieses Mal ist alles anders. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

  • "eine Zäsur im Sinne eines irreversiblen Strukturbruchs dar "

    So etwas wird sozusagen immer bei Anomalien und Blasen behauptet. Hierbei lohnt es sich zu überlegen, ob denn eine Wirtschaft, die die Risikoneigung nicht mehr durch Zinsen steuert, mittelfristig unter realistischen Annahmen funktionieren kann. Die Antwort ist schlicht: Nein, denn unvorteilhaftes Verhalten ist ineffizient und führt aller Wahrscheinlichkeit zu Nachteilen und Ungleichgewichten, deren Beseitigung sich in Exzessen entladen, je gravierender diese Unwuchten wahrgenommen werden. Geldpolitik kann eine Weile über realwirtschaftliche und strukturelle Probleme "hinwegtäuschen" aber irgendwann lässt sich so etwas nicht verbergen. Wie im Falle Griechenlands treten dann die unbeseitigten Probleme schlagartig zu tage.

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