Der Anlagestratege
Weg mit dem Soli

Deutschland ist das Land der staatlichen Selbstbedienung, der Erfindungsreichtum kennt keine Grenzen. Das trifft nicht nur Vermögende hart. Warum es jetzt endlich an der Zeit ist, die fiskalische Gier zu zügeln.
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Nach einhundert Jahren ist nunmehr vor zwei Wochen das deutsche Branntweinmonopol zu Ende gegangen. Nicht eigene bundesrepublikanische Einsicht hat zur Abschaffung dieser faktischen Subvention geführt; Nein, es war einmal mehr heilsamer Druck aus Brüssel, der das Branntweinmonopol des Staates für wettbewerbswidrig hielt und schließlich dessen Ende verlangte.

Angesichts des langen Bestandes dieser Subvention und den Erfahrungen mit Subventionen und Steuern in Deutschland im Allgemeinen denkt man unmittelbar an folgenden wichtigen Gedanken des großen britischen Nationalökonomen John Maynard Keynes, welcher lautet:

„The difficulty lies not so much in developing new ideas as in escaping from old ones.”

Es wird sich zeigen müssen, wie lange etwa die Alimentierung von Kapitalanleger aus dem Sektor der alternativen Stromerzeugungsprojekte andauern wird. Nicht minder spannend ist die Frage, wie es um den Solidaritätszuschlag steht. Hoffentlich bedarf die Abschaffung des Soli keines so langen Zeitraums wie die Beendigung des Branntweinmonopols erforderte, wiewohl die Lebenserfahrung hier zu Skepsis Anlass gibt.

Denn Steuern und Abgaben verfügen in Deutschland traditionell über lange Halbwertszeiten, wie unschwer an der zu traurigem Ruhm gelangten Schaumweinsteuer zu studieren ist. Sie war bekanntlich zur Finanzierung der Kriegsflotte von Kaiser Wilhelm dem Zweiten im Jahr 1902 eingeführt worden und konnte sich bislang hartnäckig - ungeachtet ihres geringen Volumens und entsprechenden Bagatellcharakters - halten.

Aber auch der Soli hat mittlerweile 22 Jahre auf dem Buckel. Dass er obendrein zweckentfremdet in den allgemeinen Bundeshaushalt einfließt zeigt die Absurdität derartiger Sondersteuern, die in aller Regel mit einem besonderen Zweck von den Politikern begründet werden. Vom vorübergehenden Charakter dieser Steuer, wie es bei dessen Einführung noch euphemistisch hieß, will die Politik heute nichts mehr hören. Sie ist warm an den üppig fließenden Soli-Beiträgen geworden.

Kommentare zu " Der Anlagestratege: Weg mit dem Soli"

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  • Endlich weg mit dem Soli!!!
    Viele Ossis sind ja schon in den Westen abgewandert und nehmen uns hier Arbeit und Wohnungen weg.
    Warum dann noch Soli-Ost-Steuer zahlen????

  • Der Soli gehört schon lange weg. So lange der Soli besteht, wird Deutschland in Ost und West getrennt bleiben in den Köpfen der Menschen. Wahrscheinlich ist es sogar gewollt.

  • Ihr, die Journalisten der Mainstreammedien habt doch kräftig dabei mitgeholfen aus Deutschland diesen Polizeistaat und Selbstbedienungsladen zu machen.
    Jetzt hört auf zu maulen tretet in einen Generalstreik und langt kräftig zu! Lohnerhöhungen von 100% stehen Euch zu!
    Mal sehen wie Eure Herrschaften reagieren. Ha ha ha.

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