Griechenland
Das Chaos verstärkt Börsenausschläge

Das griechische Finanzdrama kommt einfach nicht nur Ruhe, es droht ein Schrecken ohne Ende. Deswegen schwanken die Kurse – doch eine andere Entwicklung dürfte das demnächst noch überlagern.
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Mit großer Faszination schaut derzeit das Börsenpublikum auf das griechische Theaterstück, das erkennbar auf seinen Klimax zusteuert. Im Wechselbad der Gefühle zwischen Hoffen und Bangen gelang es dem Protagonisten, Ministerpräsident Tsipras, zuletzt, die Erwartungen an einen finalen Rettungsgipfel in Brüssel zu enttäuschen und neue retardierende Momente einzubringen.

Anstatt sich retten zu lassen – hier geht es ihm wie dem Gretchen im Faust – verweigert er sich und beschließt, jetzt zunächst das Volk auf die Bühne zu bitten, um dann Platz für den großen Schlussakkord zu machen. Vorher aber vollzieht er juristisch die Staatsinsolvenz, die ökonomisch bereits seit Jahren feststeht, indem er fällige Kreditrückzahlungen nicht mehr leistet.

Die Börsianer, die allgemein als feinfühliges aber nervöses Völkchen gelten, hatten zuletzt nur begrenzte Freude am im Gang befindlichen letzten Akt des Stückes. Während der Euro eher von einem Grexit profitieren dürfte, sackten Aktien und Anleihen ab. Die derzeit vorherrschende Logik beim Euro lautet anscheinend, dass Griechenland das schwächste Glied unter den Euro-Staaten ist und sein Ausscheiden somit die Qualität der Gemeinschaftswährung stärken würde.

Man wird dieser Interpretation zustimmen können, darf aber nicht vergessen, dass Griechenland keineswegs der einzige Patient auf der Intensivstation der Europäischen Notenbank EZB ist. Mehr noch: Die Eurozone hat bislang noch nicht das Vorkrisenniveau beim Bruttosozialprodukt wieder erreicht.

Weniger klar als bei den Währungen sind die Auswirkungen des spannenden hellenischen Pleitestücks auf die Anleihenmärkte. Wenngleich lang laufende Staatsanleihen positiv auf die Nachricht einer Griechenrettung reagieren dürften, könnte sich die Lage am amerikanischen Rentenmarkt als dominant für die Anleihen erweisen.

Was aber die amerikanischen Zinsen angeht, so scheint dort die Zinswende im vollen Gang zu sein, jedenfalls am langen Ende der Zinsstrukturkurve. Diese Entwicklung kann nicht ohne Auswirken auf Europa bleiben, und tatsächlich haben Anleiheinvestoren in diesem Jahr Kursrückgänge verzeichnen müssen.

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Übliche Krisenrituale an den Aktienmärkten

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