0 Bewertungen
03.03.2008 
Schutz in der Krise

Anleger im Goldfieber

von A. Henrich, F. Doll, Ch. Schürmann und Wirtschaftswoche

Der Goldpreis nimmt Kurs auf die 1 000-Dollar-Marke. Kreditkrise, Aktiencrash und Inflation treiben Anleger in die sicherste Währung der Welt. Warum Gold-Investments selbst nach sieben Jahren Hausse noch sinnvoll sind, worauf Interessenten beim Kauf achten sollten, was von alternativen Goldanlagen zu halten ist.

Goldbarren. Foto: ArchivLupe

Goldbarren. Foto: Archiv

Der mürrische Junggeselle ist Stammkunde im Goldkaufhaus Berlin-Mitte. Grußlos blättert er 5 000 Euro auf den Tisch und verlangt Gold, "was Sie gerade da haben". Seinen Namen will er nicht nennen. Das muss er auch nicht. Bis 15 000 Euro lassen sich Goldbarren und Münzen anonym kaufen. Anfang 40 sei er, Immobilienkaufmann. Lächeln fällt ihm sichtlich schwer. Gold kaufe er, "weil der Kondratieff-Zyklus auf Winter steht". Aha.

"Jeden Monat taucht der hier auf", sagt Heiko Ganß, Chef des Edelmetallhändlers Pro Aurum. Der Kunde ist Verschwörungstheoretiker: Griesgrämig, gepeinigt von Verlustängsten – einer, der damit rechnet, dass morgen das Weltfinanzsystem zusammenbricht und Aldi nur noch Goldmünzen akzeptiert. Dennoch liegt der Mann auf lange Sicht immer noch richtig mit der Entscheidung, Gold zu kaufen. Wer in Gold investiert, schützt sich vor Finanzkrisen und Wertverlust seiner Währung.


» Top-Werte für 2008: Welche Aktien die besten Broker empfehlen


Die Welt ist im Goldrausch. Je schlimmer die von faulen US-Hypotheken ausgelöste Finanzkrise in den Bankbilanzen wütete, desto stärker zog in den vergangenen Monaten der Goldpreis an. Als im September 2007 in der Tagesschau Bilder von Kunden-Schlangen vor Filialen der britischen Hypothekenbank Northern Rock zu sehen waren, standen Goldkäufer auch in Berlin ungeduldig an. "Bis zu zwei Stunden warteten die Kunden auf dem Bürgersteig, um sich mit Barren und Münzen einzudecken", erinnert sich Goldhändler Ganß. Jetzt steht Gold bei 900 Dollar je Unze, so hoch wie nie zuvor. Gold hat sich als stärkste Währung der Welt etabliert.

Barren und Münzen sind, anders als Anleihen, an kein Zahlungsversprechen einer Regierung oder eines Unternehmens gebunden. Während die Rückzahlung einer Anleihe oder eines Zertifikats von der Kreditwürdigkeit des Emittenten abhängt, stehen Gold keine Schulden gegenüber. Der Besitz von physischem Gold ist eine Versicherung gegen Geldentwertung und fallende Vermögenspreise zugleich. Als Notfallreserve gehört Gold in jedes Depot. Das bedeutet aber nicht, dass der Goldpreis nicht zeitweise fallen kann. Auch bei Gold mischen Spekulanten mit, gibt es Überhitzungen und heftige Korrekturen. Gefragt sind dann Steherqualitäten.



Lesen Sie weiter auf Seite 2: Preis lockt viele Verkäufer auf den Plan

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Blogkommentare zu diesem Artikel

Anzeige

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Voller Gefahren: Die Berliner Bad-Bank-Modelle  Artikel in Merkliste

30.06.2009 von Oliver Stock

Selbst wenn die Bad-Bank-Modelle in Deutschland funktionieren sollten, beschwören sie weitere Gefahren herauf. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Der Fall Lehman: Wir brauchen neue Gesetze  Artikel in Merkliste

24.06.2009 von Ralf Drescher

Das Hamburger Urteil im Fall Lehman macht Anlegern Mut. Doch für den Anlegerschutz ist noch nichts erreicht. Gefordert ist die Politik. Doch trotz offenkundiger Missstände kommen die Parteien bei dem Thema einmal mehr nicht voran. Kommentar

Handelsblatt Börsenradio 03.07.2009 (Abendausgabe) 

03.07.2009Börsenradio

Druckereien stoppen Herstellung des Quelle-Katalogs - Bundestag billigt Bad-Banks-Gesetz - Zeitung: Real Madrid will mehr Sponsorengelder von Adidas - Premiere heißt ab morgen Sky - Dax gibt geringfügig nach Anhören


Anzeige