Es gibt Ideen, die sind uralt und doch immer noch gut. Eine davon ist die so genannte Dividendenstrategie, zu der es jetzt neue Auswahllisten gibt. Die tägliche Investmentidee auf Handelsblatt.com.
DÜSSELDORF. Das Prinzip der Dividendenstrategie ist simpel. Man sucht aus einem Index die Aktien mit der höchsten Dividendenrendite heraus. Die lässt man gut ein Jahr liegen (ist im Moment noch eine wichtige Frist aus steuerlichen Gründen) und schichtet dann gegebenenfalls um, wenn sich bis dahin neue Spitzenreiter ergeben haben.
Die Anlagestrategen der WGZ-Bank haben so jeweils eine Liste mit je zehn ausgewählten Aktien für den Dax und den Euro Stoxx 50, also die Standardwerte in Deutschland und die in Euroland, aufgestellt. Auf Platz eins der Dax-Auswahl steht die Deutsche Telekom mit einer Dividendenrendite von rund 5,2 Prozent (Wertpapierkennnummer 555750). Es folgen die Aktien von Hypo Real Estate
(WKN 802770), Deutsche Bank
(514000), Lufthansa
(823212), Deutsche Post (555200), Thyssen
-Krupp (750000), Münchener Rück
(843002), BASF
(515100) und Commerzbank
(803200). Auf Platz zehn liegt RWE
(703712) mit einer Dividendenrendite von rund 3,2 Prozent.
Die vergleichbare Liste für den Euro Stoxx 50 beginnt mit dem italienischen Versorger Enel
(928624), der sogar 6,1 Prozent Dividendenrendite bietet. Es folgen die französische Bank Société Générale
(873403), Telecom Italia
(120470), die ebenfalls französische Bank Crédit Agicole (982285), die italienische Bank Unicredit
(850832), der italienische Energiekonzern Eni
(897791), der niederländische Finanzkonzern ING (881111), die Deutsche Telekom (555750), France Télécom
(906849) und der belgisch-niederländische Finanzkonzern Fortis
(982570).
Die Dividendenrendite errechnet sich aus der für das Jahr 2007 zu erwartenden Ausschüttung des Unternehmens und dem aktuellen Kurs, sie schwankt also jeden Tag etwas. Die Logik der Dividendenstrategie lässt sich gleich mehrfach begründen, wobei sich die Argumente teilweise überschneiden. Zunächst bietet die hohe Dividendenrendite schon einen relativ guten Ertrag, wenn der Kurs der Aktie sich gar nicht bewegt. Zum Teil gilt die Dividende auch als eine Art "Absicherung nach unten": Ganz verfallen dürfte eine Aktie nicht, so lange das Unternehmen noch kräftig ausschüttet.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Strategie hat sich bewährt
Außerdem gelten Konzerne, die eine hohe Dividende ausschütten, als finanziell solide und diszipliniert. Weiterhin ist eine gute Dividendenrendite eine Art Absicherung gegen eine zu hohe Bewertung: Bei Unternehmen, deren Kurse schon zu hoch gelaufen sind, schrumpft die Dividendenrendite automatisch. In gewisser Weise lässt sich daher, das wäre noch ein weiterer Ansatz, die Dividendenstrategie sogar als eine Art gegenläufige Strategie definieren. Alles was der Markt links liegen lässt, sackt nach unten und gehört dann im Zweifel zu den Aktien mit einer hohen Dividendenrendite. Ist die Aktie gut gelaufen, verschwindet sie aus der Gruppe mit den hohen Renditen und wird verkauft. Dieser Ansatz wird auch "contrarian" genannt, beziehungsweise er ähnelt der "Value-Strategie", bei der systematisch niedrig bewertete Aktien herausgesucht werden. Allerdings gehen die Value-Strategen fundamental vor, sie untersuchen also das ganze Zahlenwerk der Unternehmen. Die Dividendenstrategie läuft dagegen rein mechanisch nach einer einzigen Kennzahl ab.
Ergänzend schlägt die WGZ auch noch eine Art Verschärfung dieses Ansatzes vor. Sie spricht von der Low-Strategie. Sie ist ebenfalls uralt und firmiert in den USA, angelehnt an den Dow-Jones-Aktienindex, unter dem Namen "The dogs of the dow". Die WGZ definiert ihre "Low 5" so: Aus den zehn Aktien mit der höchsten Dividendenstrategie werden diejenigen mit dem absolut niedrigsten Kurs - also in Euro und Cent - herausgesucht. So kommt die Bank für den Dax auf die Auswahl Telekom
(mit gut 15 Euro), Lufthansa
, Post
, Commerzbank
und Thyssen. Für den Euro Stoxx 50 umfasst die Liste: Telecom Italia
mit gut 2,10 Euro als Kurs sowie Unicredit
, Enel
, Deutsche Telekom und Fortis
.
Wie lässt sich nun diese Low-Strategie begründen? Ganz rational besehen gar nicht, denn eigentlich sagt die absolute Kurshöhe, die sich zudem leicht über einen Aktiensplit beeinflussen lässt, nicht viel aus. Aber häufig sind Aktien mit absolut sehr niedrigem Kurs solche, die im Zeitraum davor sehr schlecht gelaufen sind. Daher lässt sich die Low-5-Strategie als eine Art Verschärfung des "Contrarian"-Ansatzes deuten - schwimme dem Markt entgegen. Für sie spricht auch, dass sie sich offenbar schon häufig bewährt hat. Die WGZ-Bank hat nachgerechnet, für die einfache Dividendenstrategie mit zehn Aktien wie für die "Low 5"-Variante, dass sie in den meisten Jahren der Vergangenheit mehr Ertrag gebracht hätte als der jeweilige Index. Sie warnt allerdings, dass das in einzelnen Jahren auch mal schief gehen kann, daher sei es wichtig, sie langfristig zu verfolgen.
Lesen Sie weiter auf Seite 3: Was gegen die Dividendenstrategie spricht
Neben vielen Argumenten für die Dividendenstrategie gibt es allerdings auch einige, die dagegen sprechen. Zum einen ist die Dividende ja keineswegs sicher. Wenn ein Unternehmen in Schwierigkeiten gerät, kann sie ganz schnell gekürzt werden. Daher sollte man das Argument, sie sichere das Kursniveau ab, nicht allzu wörtlich nehmen. Auch wäre ein Vergleich mit Anleihen irreführend. Es ist richtig: Manche Aktien werfen mehr Dividendenrendite ab als viele Anleihen. Aber bei den Anleihen weiß man, dass die Zinsen durchgezahlt werden und man am Ende das Kapital zu 100 Prozent zurückbekommt, so lange der Emittent der Anleihe nicht pleite geht. Bei Aktien weiß man weder das eine noch das andere.
Ein weiterer Punkt: Manche Aktien sind ewige Dividendenstars einfach deswegen, weil ihr Kurs nicht von der Stelle kommt. Die Deutsche Telekom ist so ein Beispiel. Zum Teil lässt sich eine hohe Dividendenrendite auch so interpretieren, dass der Markt den betreffenden Titeln misstraut. Manchmal haben vor allem kleinere Werte plötzlich extrem hohe Dividendenrenditen, wenn die Angst den Markt überfällt und ihr Kurs nach unten geprügelt wird. Kein Zufall ist daher auch, dass sich vor allem auf der WGZ-Liste zum Euro Stoxx jede Menge Banken befinden. Diese Branche ist traditionell ohnehin meist recht niedrig bewertet. Die Finanzkrise hat die Kurse noch weiter gedrückt. Wer heute auf die Dividendenstrategie vertraut, setzt daher im Prinzip auf eine Erholung im Finanzsektor und einen halbwegs glimpflichen Ausgang der Krise.
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Sollte man deswegen eine Auswahl betreiben und nur einen Teil der Titel mit hoher Ausschüttung kaufen? Vielleicht. Aber auf diese Weise käme eine sehr beliebige Mischstrategie zustande. Ein Vorteil von Verfahren wie der Dividendenstrategie liegt aber gerade darin, dass sie quasi mechanisch funktionieren und persönliche Bedenken und Vorlieben, mit denen man dann häufig doch nur dem Markt hinterher läuft, ausblenden. Besser wäre also wohl, die Strategie konsequent zu verfolgen, aber eben nur mit einem begrenzten Anteil des Depots.
Wer nicht zuviel Geld in diese Strategie stecken will oder sich die Arbeit von Profis abnehmen lassen will, kann auch einen Fonds wählen. Es gibt seit schon seit Jahren entsprechend gestrickte Produkte, die teilweise sehr gute Erfolge erzielt haben. Der Fonds ermöglicht den Einstieg mit kleinen Summen, kostet freilich auch Gebühren. Die Beratungsfirma Fonds-Consult hat zur Dividenden-Strategie zwei Fonds auf ihrer Empfehlungsliste: den BWI-Dividenden-Strategie Euro (WKN 978941) und den Meag Euro-Invest (975433). Beide sind Klassiker mit jeweils exzellentem Rating der Agentur Morningstar, die vor allem in europäische, große Aktien mit starker Dividende investieren, aber auch Papiere kleinerer Unternehmen beimischen; ein Schwerpunkt sind jeweils die Finanzwerte. Für beide empfiehlt Fonds-Consult eine Anlagedauer von mindestens fünf Jahren. Die Top-Position beim BWI-Fonds ist nach der letzten Aufstellung BASF
, beim Meag-Fonds die spanische Telefónica
.
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