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29.04.2008 
Investmentidee

Börse Tokio zeigt Stärke

von Finn Mayer-Kuckuk

Innerhalb weniger Tage hat sich die Situation am japanischen Finanzmarkt gründlich gewandelt. Plötzlich gelten Aktien wieder als chancenreich – Analysten raten derzeit klar zum Einstieg. Dagegen verlieren die während der Subprime-Turbulenzen als sicherer Hafen gehandelten Staatsanleihen am Markt dramatisch an Wert. Die tägliche Investmentidee auf Handelsblatt.com.

Die Sorgen um die Finanzkrise in Japan lassen derzeit nach, Experten raten zum Kauf von Aktien. Foto: apLupe

Die Sorgen um die Finanzkrise in Japan lassen derzeit nach, Experten raten zum Kauf von Aktien. Foto: ap

TOKIO. "Es ist schwer zu sagen, ob die Geschwindigkeit der Bewegungen als ein Überschießen oder die Ankunft auf einem neuen Marktniveau zu werten ist", sagt Ökonom Chotaro Morita von Barclays Capital. An den Märkten seien derzeit ganz neue Themen zu hören: Die Rede sei von einem möglichen Wendepunkt an den globalen Märkten, von globaler Inflation. Es sei daher gut möglich, dass sich die neuen Tendenzen in einen länger anhaltenden Trend verwandeln könnten. Japanische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit verloren am Freitag 1,8 Prozent an Wert, so dass die Tokyo Stock Exchange den Handel zeitweilig aussetzte. Der Aktienindex Nikkei 225 dagegen stieg innerhalb eines Tages um 2,4 Prozent.

In den kommenden Wochen legen Japans börsennotierte Unternehmen ihre Jahresbilanzen vor; das Geschäftsjahr hat am 31. März geendet. Unterm Strich zeigen die revidierten Prognosen, dass die japanischen Unternehmen die Finanzkrise bislang offenbar gut verkraftet haben. Angesichts der extrem niedrigen Aktienbewertungen in Japan rät Analyst Yasuhiro Matsumoto von Shinsei Securities daher zum Einstieg - zumindest in einigen Branchen. "Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse in der Autoindustrie liegen derzeit um den Faktor zehn. Das ist sehr niedrig", sagt der Aktienexperte und empfiehlt konkret die Papiere von Toyota und Honda zum Kauf. Eine faire Bewertung sieht er erst bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von zwölf - damit seien die Papiere jetzt mit einem "Rabatt" von 20 Prozent zu haben.


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Anleger hatten sich zuletzt in großem Stil von Exportwerten verabschiedet, denn die Dollar-Schwäche hatte japanische Produkte plötzlich teuer aussehen und die Gewinne niedriger ausfallen lassen. Ein Nachgeben des Dollars um einen Yen bedeutet für Toyota 35 Mrd. Yen weniger Jahresgewinn, im Fall von Sony sind es sechs Mrd. Yen.

Da Ökonomen die Wechselkursbewegung seit vergangenem Sommer allgemein nicht als Yen-Stärke, sondern als Dollar-Schwäche interpretieren, gilt jedes Zeichen für ein Abflauen der Subprime-Krise als Startschuss für ein Comeback der japanischen Exporteure. "Diese konnten zuletzt ihr Geschäft in den Schwellenländern Asiens stark ausweiten und sind derzeit eigentlich nicht mehr so abhängig von den USA", sagt Matsumoto. Der Kursverfall der Exportwerte am Aktienmarkt sei übertrieben gewesen. Von den Papieren der Elektronikkonzerne sei jedoch eher abzuraten, da deren Kurse weiterhin sehr stark schwankten. Und Japans Fluglinien hätten ihren Kurs zwischen Qualität und Konkurrenzfähigkeit noch nicht gefunden.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Anleihen stehen unter Druck.

Nikkei-Schwergewicht Honda stieg am Freitag um 3,7 Prozent, doch nach Börsenschluss gab das Unternehmen einen Einbruch des Nettogewinns um 86 Prozent bekannt, so dass mit einem zwischenzeitlichen Kursrückgang zu rechnen sei. Nach Ansicht von Analyst Matsumoto sei Toyota vergleichsweise gut gegen Belastungsfaktoren - wie etwa steigende Stahlpreise oder eine Yen-Aufwertung - gewappnet. "Gerade Toyota versteht es, solche Faktoren durch Kostensenkungen auszugleichen", sagt Matsumoto. Das Unternehmen verringere den Stahlanteil in seinen Fahrzeugen von Generation zu Generation. Toyota sei in der Lage, 200 Mrd. Yen pro Jahr einzusparen.


Anleihen stehen unter Druck

Riskante Geschäfte

Seit Beginn der Subprime-Krise im vergangenen Juni deckten sich risikobereite Großinvestoren wie Hedge-Fonds mit japanischen Staatsanleihen ein, obwohl diese praktisch keine Zinsen bringen. Die Idee dahinter: Wenn die US-Wirtschaft in die Rezession rutscht, steigt der Yen und die Papiere sind automatisch mehr wert.

Enttäuscht

Derzeit sieht es so aus, als ob dieses Szenario nicht mehr funktioniert. „Die Investoren werfen die Anleihen daher in rauen Mengen auf den Markt“, sagt Analyst Atsushi Ito von Morgan Stanley. Die Rahmenbedingungen hätten sich komplett verändert.

Preissteigerungen

In Japan zeigen sich erste Anzeichen für Inflation. Die Notenbank könnte also die Zinsen in den kommenden Monaten erhöhen.

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