Die Colonia Real Estate (CRE) will mit Tausenden Solaranlagen auf Hausdächern neue Erlöse erzielen. Das Solarprojekt soll jährlich etwa sechs bis acht Mill. Euro zusätzlich in die CRE-Kasse spülen. Analysten reagieren auf das Vorhaben eher skeptisch.
DÜSSELDORF. Küppersbusch - nie gehört? Die Vorläufergesellschaft der Colonia Real Estate
(CRE) und einstmals größte Herdfabrik der Welt machte auch erst Schlagzeilen, als es mit ihr ausgangs des zweiten Jahrtausends zu Ende ging. Mit der CRE, die im Jahr 2003 in den Börsenmantel der Küppersbusch schlüpfte, ist das anders.
Aktuell will Vorstandschef Stephan Rind mit Solaranlagen auf den Dächern eigener und fremder Mietblocks bei den Aktionären punkten. Das kann angesichts des Kurses nicht schaden. Am Mittwoch bewegte sich die Aktie knapp unter 13,50 Euro. Vor einem Jahr war das Papier fast dreimal so teuer.
Infografik: CRE - Relative Wertentwicklung im Vergleich zur Branche
Investmentbanken und Private-Equity-Firmen signalisieren ihr Interesse an unterbewerteten deutschen Immobilienaktien. Zumindest die Kursziele der Analysten liegen deutlich über den aktuellen Kursen, was für einen Kauf spricht. Unicredit
-Experte
Gesellschaften mit hohem Streubesitz seien besonders gefährdet, übernommen zu werden, hieß es jüngst auf einer Konferenz. Das würde auf CRE zutreffen, deren Streubesitzquote 70 Prozent beträgt. Das SDax-Unternehmen wandelte sich im vergangenen Jahr vom Wohnungshändler zum breit aufgestellten Immobilienunternehmen. CRE verfügt über rund 20 000 Wohnungen, ist aber auch auf dem Gewebeimmobiliensektor und als Vermögensverwalter aktiv. Per Ende September 2007 bezifferte das Management das Immobilienvermögen auf knapp 800 Mill. Euro.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Schlechte Bestände, hohe Schulden
Das Solarprojekt soll jährlich etwa sechs bis acht Mill. Euro zusätzlich in die CRE-Kasse spülen. Bis Ende des Jahres soll Kooperationspartner Systaic Solarstromanlagen im Wert von 100 Mill. Euro schlüsselfertig installieren. Die Leistung der Anlagen entspreche dem Stromverbrauch von etwa 6 000 Haushalten im Jahr, hieß es. Gegenwärtig zahlen Versorger noch 46,75 Cent je auf Hausdächern erzeugter Kilowattstunde Strom.
Lampe-Analyst Neumann beklagt den "Hauruck-Charakter" der Maßnahme. Er hätte es lieber gesehen, wenn zunächst Testanlagen installiert worden wären. Doch die Eile hat einen Grund. Im nächsten Jahr will die Bundesregierung die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgeschriebenen Einspeisevergütungen senken. Der Bundesverband Solarwirtschaft erwartet dann eine um zehn Prozent niedrigere Einspeisevergütung. CRE werde aber nur etwa 60 Prozent der Kapazitäten noch in diesem Jahr aktivieren können, vermutet Unicredit
-Mann Remke. Er rechnet aus diesem Grund die zusätzlichen Einnahmen nur auf vier Mill. Euro hoch.
Remke wie auch Neumann begrüßen den Schritt und halten unverändert an ihrer Kaufempfehlung für CRE fest. Helmut Kurz, Manager der Ellwanger & Geiger Immobilienaktienfonds, gehört dagegen zu denen, die die CRE-Aktie seit Jahren meiden. Die gute Idee ändere nichts daran, dass "die Bestände schlecht sind und die Verschuldung vergleichsweise hoch ist", begründet Kurz seine Meinung. Ende des dritten Quartals betrug die Eigenkapitalquote rund ein Drittel. Die Zahlen für das Gesamtjahr 2007 veröffentlich CRE Ende März.

