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27.08.2008 
Strategen zweifeln Prognosen an

Dax-Titel sind nicht so günstig, wie es scheint

von Christian Kirchner

Analysten schätzen die Gewinnaussichten der 30 deutschen Standardwerte für 2009 nach Ansicht von Bankexperten zu optimistisch ein. Daran hat auch eine ganze Kette von Gewinnwarnungen nichts geändert. Für Anleger bedeutet dies, dass der Aktienkauf trotz des derzeit historisch günstigen Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) für die Dax-Werte von gut zehn riskanter ist als angenommen.

Analysten schätzen die Gewinnaussichten der 30 deutschen Standardwerte für 2009 nach Ansicht von Bankexperten zu optimistisch ein.  Quelle: apLupe

Analysten schätzen die Gewinnaussichten der 30 deutschen Standardwerte für 2009 nach Ansicht von Bankexperten zu optimistisch ein. Quelle: ap

DÜSSELDORF. Im Zuge der gerade beendeten Berichtssaison zum zweiten Quartal haben Analysten, die sich mit Einzelaktien beschäftigen, die Gewinnschätzungen für 16 der 30 Dax-Konzerne zurückgenommen. Doch Aktienstrategen, die statt Einzelaktien den Gesamtmarkt betrachten, halten die Gewinnerwartungen für 2008 und besonders 2009 mit Blick auf konjunkturelle Risiken immer noch für überzogen. "In einer Rezession brechen die Gewinne im Schnitt um 30 Prozent ein. Zieht man die letzten zwölf Monate heran, sanken die tatsächlichen Gewinne der Dax-Konzerne bislang aber nur um sechs Prozent", sagt Markus Reinwand, Aktienstratege der Helaba.

Für die Dax-Konzerne erwarten Analysten für 2009 allerdings keinen Rückgang, sondern einen Anstieg der Gewinne von im Schnitt 18 Prozent gegenüber 2008. "Das ist völlig surreal und widerspricht sämtlichen konjunkturellen Frühindikatoren", sagt Matthias Jörss, Aktienstratege von Sal. Oppenheim. Auch Volker Borghoff, Aktienstratege von HSBC Trinkaus, warnt vor einer voreiligen Interpretation der KGVs. "Für die Gewinnerwartungen 2009 sehen wir sowohl auf europäischer Ebene als auch im Dax deutliches Abwärtspotenzial", sagt Borghoff.

Inzwischen haben alle 30 Dax-Konzerne ihre Zahlen des zweiten Quartals vorgelegt. 22 davon schlugen die zuvor meist nach unten angepassten Konsensprognosen. Zugleich revidierten aber auch fünf Unternehmen ihre Gewinnprognosen nach unten (siehe Tabelle).

Tabelle: Ein Drittel der Dax-Konzerne verfehlt Gewinnprognosen

Die Lage hat sich dabei im zweiten Quartal dramatisch verschlechtert: Insgesamt sank der Nettogewinn der Dax-Konzerne trotz eines Umsatzanstiegs von April bis Juni um 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei ist der Gewinnrückgang nicht nur den Finanzwerten geschuldet. Auch die Überschüsse der Dax-Konzerne außerhalb des Finanzbereichs gaben nach Berechnungen der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) im abgelaufenen Quartal um 15 Prozent nach. "Die Wachstumsraten außerhalb des Finanzsektors sind insgesamt schwächer als prognostiziert ausgefallen", sagt LBBW-Aktienstratege Michael Köhler.

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