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16.07.2008 
Chinas Aktienmärkte in der Krise

Den Tigern geht die Luft aus

von Dorit Hess und Christian Kirchner

Börsencrash und hohe Inflationsraten setzen vielen Schwellenländern zu. Die Angst vor einer Rezession verhindert, dass die Regierungen wirksame Maßnahmen ergreifen. Noch stemmen sie sich gegen einen drohenden Abschwung. Doch die Situation wird immer schwieriger.

Ratlose Blicke an der Börse in Shanghai: Die chinesischen Aktienkurse spielen verrückt. Foto: ReutersLupe

Ratlose Blicke an der Börse in Shanghai: Die chinesischen Aktienkurse spielen verrückt. Foto: Reuters

FRANKFURT Die Verluste der asiatischen Aktienmärkte haben sich am Dienstag noch einmal kräftig ausgeweitet. Neue Jahrestiefstände und ein Minus zwischen drei und fünf Prozent der Indizes von Indien, China oder Südkorea färben die Bilanz von Anlegern mit Aktien aus Schwellenländern inzwischen tiefrot. In Indien und China summieren sich die Abschläge im laufenden Jahr auf bis zu 44 Prozent. Erstmals seit sechs Jahren fallen die Kursverluste an den Börsen der aufstrebenden Volkswirtschaften größer aus als die in den Industrienationen. Einem Minus von 16 Prozent des Weltaktienindex MSCI World 2008 steht ein Verlust des MSCI Asien-Index von 23 Prozent gegenüber.

Dreh- und Angelpunkt des jüngsten Börsencrashs in vielen Schwellenländern ist die Angst vor der Inflation. Zwar schrecken noch viele Regierungen davor zurück, die Teuerung zu bekämpfen - sie wollen das Wirtschaftswachstum nicht gefährden. Nach Berechnungen der Deutschen Bank Research haben die Schwellenländer in den letzten vier Jahren zwei Drittel zum weltweiten Wirtschaftswachstum beigesteuert. Doch Volkswirte erwarten, dass sich entschlossene Maßnahmen gegen die Inflation allenfalls aufschieben lassen.

So geht Tony Dolphin, Chefökonom der britischen Fondsgesellschaft Henderson Investments, davon aus, dass die Wachstumsprognosen der Schwellenländer für 2009 derzeit schlicht zu hoch angesetzt sind: "Verschieben Länder wie Singapur oder Korea entschlossene Antiinflationsmaßnahmen auf 2009, werden die Maßnahmen noch schärfer ausfallen müssen und das Wirtschaftswachstum noch stärker gefährden." Nach Ansicht von Hendrik Leber, Geschäftsführer der Fondsgesellschaft Acatis, verschiebt sich gleichzeitig die Wahrnehmung der Schwellenländer. "Diese sind nicht so wettbewerbsfähig, wie viele glauben, denn auch sie können die Kosten nicht beliebig nach unten treiben. Sie müssen sich jetzt einer nüchternen Vollkostenrechnung stellen, in der Dinge wie Infrastruktur, Transportkosten und Importpreise wichtiger werden", sagt er.

Noch gehen viele asiatische Schwellenländer mit den Inflationsrisiken sehr lax um - im Gegensatz zu Europa und den USA. "Dort deuten alle Indikatoren auf ein schwächeres Wirtschaftswachstum hin, das dämpft die Inflation", sagt Dolphin. Derzeit rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) für die Schwellenländer mit einer Inflationsrate im laufenden Jahr von 7,4 Prozent - eine Zahl, die schon im Rahmen des vierteljährlichen Konjunkturausblicks am morgigen Donnerstag nach oben korrigiert werden dürfte. Angeheizt wird die Teuerung von höheren Löhnen und Ölpreisen. "Infolge der starken konjunkturellen Expansion war die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften in Schwellenländern groß, das hat die Lohnabschlüsse weit nach oben getrieben", sagt Klaus-Jürgen Gern, Außenwirtschaftsexperte des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW).

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