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18.01.2008 
Investment-Idee

Deutsche Börse kassiert in der Krise

von Jörg Hackhausen

Die Deutsche Börse gehörte 2007 zu den größten Gewinnern im Dax. Hat die Aktie jetzt noch Potenzial nach oben? Ja, meinen die meisten Analysten. Gute Gründe sprechen dafür, dass die Deutsche Börse ihren Höhenflug fortsetzt. Die tägliche Investment-Idee auf Handelsblatt.com.

Die Aktie der Deutschen Börse gehörte zu den Spitzenreitern des vergangenen Jahres. In nur einem Jahr hat sie ihren Wert fast verdoppelt - am letzten Handelstag 2007 erreichte der Kurs sein Allzeit-Hoch bei 135,75 Euro. Während andere an der Börse mit der Immobilienblase und Finanzkrise zu kämpfen hatten, setzte die Deutsche Börse ihren Höhenflug fort. Krisenzeiten sind meist gute Zeiten für Börsenbetreiber - Anleger schichten ihre Depots um und die Börse kassiert.

Wer ein Haar in der Suppe sucht, könnte nun behaupten: nach dem starken Anstieg des Kurses im vergangenen Jahr steckt in der Aktie kaum noch Potenzial nach oben. Das stimmt jedoch nur bedingt, zumal das Papier einen kleinen Ausverkauf in den letzten Tagen hinter sich hat. Einige Anleger verkauften die Aktie, um Gewinne mitzunehmen. Seit Anfang des Jahres verlor die Aktie dadurch fast 18 Prozent an Wert, befindet sich aber jetzt in einer leichten Aufwärtsbewegung. Im heutigen Handel legte der Kurs um mehr als vier Prozent auf 118,83 Euro zu.

Einig sind die meisten Analysten, dass die Börse von ihrem Umzug aus Frankfurt ins benachbarte Eschborn profitieren wird, da die Belastung durch Gewerbesteuern deutlich sinken dürfte.

Bis Sommer 2010 soll in Eschborn ein moderner Neubau entstehen, den die Börse mieten wird. Schon in diesem Jahr sollen rund 1 000 Mitarbeiter der Börse umziehen. Mit dem Umzug, der Übernahme der International Securities Exchange ISE und den Auswirkungen der Unternehmenssteuerreform in Deutschland, so rechnet das Unternehmen, sinke die Steuerquote zwischen unter 30 Prozent - verglichen mit bisher 31 bis 33 Prozent.

Mit Blick auf den vom Unternehmen geänderten Steuer-Ausblick und die die Gewinnschätzungen bis 2009 erhöhte Bernd Müller-Gerberding von UniCredit die Aktie der Deutschen Börse von "Hold" auf "Buy" und das Kursziel von 116 auf 140 Euro. Analyst Daniel Garrod von der Citigroup das Kursziel für die Titel der Deutschen Börse von 136 auf 151 Euro an. Seine "Kaufen"-Empfehlung bestätigte Müller-Gerberding.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Warum die Börse "der attraktivste Wert im Kapitalmarkt-Sektor" ist

Auch die Analysten von Cheuvreux (140 Euro), M.M. Warburg (118 Euro) und der WestLB (114 Euro) hoben ihre Kursziele in den vergangenen Tagen an. Die WestLB erhöht zwar das Kurziel, bleibt aber dennoch skeptisch. Da der aktuelle Kurs nahe dem Kursziel liege, rät die Bank zum Reduzieren der Aktien.

Der harte Wettbewerb wird möglicherweise dem einen oder anderen Börsenbetreiber zusetzen. Aktuell hat die US-Bank Goldman Sachs aus diesem Grund die Einstufung der Aktien von Börsenbetreibern wie Nyse Euronext und Nasdaq sowie von Handelsplattformen wie ESpeed, Market Axess Holdings und Investment Technology von "attraktiv" auf "neutral" zurückgenommen. Zugleich sei die Aussicht auf weitere Fusionen der Börsen gesunken.

Nach Einschätzung von Credit Suisse ist die Deutsche Börse im internationalen Vergleich besser aufgestellt als viele Konkurrenten. Der deutsche Börsenkonzern sei mit seinen Produkten "der mit deutlichem Abstand am stärksten diversifizierte Börsenbetreiber". Derivate trügen als umsatzstärkstes Bereich dreißig Prozent zu den Konzernerlösen bei. Zwanzig Prozent käme vom Handel mit anderen Produkten wie Staats- und Unternehmensanleihen. In beiden Bereichen ist die Deutsche Börse laut den Analysten Monopolist oder einer von zwei Anbietern. Die Erfolgsstory dürfte sich dank des hohen strukturellen Wachstumspotenzials im Derivatesegment fortsetzen. Zudem sei die Deutsche Börse, wie ihre Wettbewerber, geringen Kreditrisiken ausgesetzt und generiere einen starken Cashflow.

Die Deutsche Börse ist und bleibt nach Ansicht der Credit Suisse "der attraktivste Wert im Kapitalmarkt-Sektor", erst recht nach dem jüngsten Verlusten.


Basis für diese Analyse ist das Analystencheck-Tool von Handelsblatt.com und der Agentur für Finanznachrichten dpa-afx. In der Online-Anwendung werden seit September 2006 Studien aller namhaften Banken sowie unabhängiger Research-Institute ausgewertet und daraus ein durchschnittliches Kursziel errechnet. Zusätzlich zeigt das Tool ein gewichtetes Kursziel: Dabei werden aktuelle Analysen stärker gewichtet, ältere Studien, die sich dem Ende ihres Zeithorizonts nähern, werden nur noch marginal gewertet.

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