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02.11.2007 
Investmentidee

Die flüssige Geldquelle

von Udo Rettberg

Wasser wird immer stärker zum Investment-Thema. Experten sehen im Megatrend Wasser auf Jahre hinaus ein überdurchschnittliches Ertragspotenzial. Die von zahlreichen internationalen Institutionen als Horrorszenario aufgezeigte Gefahr einer weiteren Knappheit an Trinkwasser dürfte nach Ansicht von Experten in den kommenden Jahren immer mehr Kapital in den globalen Wassermarkt fließen lassen. Die tägliche Investmentidee auf Handelsblatt.com.

FRANKFURT. Obwohl die Welt zu rund 70 Prozent mit Wasser bedeckt ist, stehen nur etwa rund drei Prozent dieser Wassermenge als Süßwasser zur Verfügung. Was die Politiker in der Welt in diesem Kontext besorgt, ist der Fakt, dass der weitaus größte Teil dieser geringen Süßwassermengen in Eis, Schnee und Permafrost gebunden ist und als Trinkwasser daher nicht zur Verfügung steht.

Um den Trinkwasserbedarf einer weiter wachsenden Weltbevölkerung jedoch auch in Zukunft gewährleisten zu können, sind immense Investitionen zur Verbesserung der Infrastruktur am Weltwassermarkt notwendig. Während das Intergovernmental Panel on Climate Change davor warnt, dass sich im Jahr 2050 bis zu zwei Mrd. Menschen in der Welt einer ernsten Wasserknappheit ausgesetzt sehen können, wird in Expertenkreisen heute überwiegend davon ausgegangen, dass für die nächsten Jahre genügend Trinkwasser in der Welt vorhanden ist. Ein derzeit allerdings bereits existierendes großes Problem sei in mangelnden Distributionskanälen und ungenügenden Leitungssystemen zu sehen.

Wie prekär die Lage in einzelnen Regionen oder bestimmten Städten ist, zeigen Meldungen über Trockenheiten in Australien oder Spanien und über auf Dürren zurückzuführende Waldbrände in Kalifornien und Griechenland. Alarm schlägt jetzt die türkische Regierung, weil nach sommerlichen Rekordtemperaturen die Wasservorräte zum Beispiel in Istanbul - der größten Stadt des Landes - gerade einmal für 42 Tage reichen, nachdem die Pegel in den Wasserspeichern auf zehn Prozent ihres normalen Wertes gefallen sind.


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Das Lebenselixier Wasser übt auch deshalb einen starken Reiz auf Anleger aus, weil vor dem Hintergrund solcher Nachrichten jeder schnell die Bedeutung von Wasser für sein eigenes Leben erkennt. Als Folge sind in den vergangenen Jahren sowohl von staatlicher wie auch von privater Seite immer größere Mengen Kapital in den Weltwassermarkt geflossen sind.

„Mit der in vielen Teilen der Welt zunehmenden Knappheit an Frischwasser steigt das Interesse institutioneller Anleger am Thema Wasser", sagt Thomas Della Casa, Research-Leiter der weltgrößten Hedge-Fonds-Gruppe Man Investments.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Wasser-Zertifikate im Überblick

Dies gilt gerade auch für die auf der Suche nach stetigen Anlageerträgen befindlichen Private-Equity-Unternehmen und für Hedge-Fonds, die mit ihrem Geld insgesamt stärker auf ökologische Themen, auf den Schutz der Erde und damit auf die vier Elemente Wasser, Feuer, Luft und Erde setzen. „Hedge-Fonds haben generell den Wassermarkt entdeckt und nehmen dabei eine Führungsrolle unter den institutionellen Investoren ein“, sagt Della Casa.

Auf den Anlegermärkten sei der Wasserbereich als ökologisches Thema im Vergleich zu wesentlich kleineren Sektoren wie erneuerbaren Energieträgern und Luftreinhaltungs-Technologien bislang eindeutig unterbewertet. Das dürfte sich in Zukunft jedoch ändern, weil die Wasserversorgung nach Auffassung von Société Générale zu den globalen Schlüsselaufgaben des 21. Jahrhunderts gehört. Man müsse wissen, dass die globale Wassernachfrage im vergangenen Jahrhundert doppelt so rasch gestiegen ist wie die Weltbevölkerung, sagen in diesem Zusammenhang die Fachleute der Citigroup.

Obwohl sich das britische Hedge-Fonds-Unternehmen Man Investments darüber im Klaren ist, dass ein solcher Vorschlag kontroverse Diskussionen auslösen wird, spricht es sich in einem kürzlich vorgelegten Bericht für eine stärkere Privatisierung der globalen Wasserindustrie aus. „Das wird Kapital generieren und die dringend notwendige Modernisierung der Infrastruktur am Wassermarkt ermöglichen“, sagt Della Casa.

Dies ist nach Meinung anderer Fachleute vor allem am asiatischen Markt dringend notwendig, wo rund 60 Prozent der Weltbevölkerung leben, gleichzeitig aber nur etwa 30 Prozent der weltweit bekannten Trinkwasserreserven zur Verfügung stehen. „In China gibt es seit vielen Jahren eine latente Wasserknappheit“, weist der populäre Investment-Guru Marc Faber auf eine der dringlichsten Probleme für die Regierung in Peking hin.

„Die Möglichkeit, als Investor vom allgemeinen Anstieg der Wassernachfrage zu profitieren, sind vielschichtig“, sagt Björn Bahlmann von Lazard Asset Management. Starkes Interesse der Anleger hat dazu geführt, dass Aktien von Unternehmen, die Expertise, Dienstleistung und Technologie im Wassermarkt einbringen und in der Wasserversorgung, Wasserreinigung und Wasserinfrastruktur tätig sind, überdurchschnittlich gestiegen sind. Den Megatrend Wasser haben Banken und Kapitalanlagegesellschaften zur Emission von Fonds, Zertifikaten, ETFs und anderen strukturierten Produkten genutzt.

Mittlerweile sind neun Zertifikate auf dem Markt: DJ World Water Index (Wowax) von Société Générale (WKN SG1WWX), ein Basket aus zehn international tätigen Wasserversorgern und Unternehmen der Wassertechnikbranche von der Raiffeisen Centrobank (WKN RCB2EQ), der Total Return Water-Index von ABN Amro (ABN1DK), ein Basket aus zehn international tätigen Unternehmen aus den Bereichen Wasserversorgung, -technik und -entsorgung von der WestLB (WKN WLB5GV), der Global Water Utilities TR Index von der UBS (UB0WAS), der S-Box Dr. Hoeller Pure Water Index von Sal. Oppenheim (WKN SCL3J4), der Wasser Aktiv TR Index von DWS GO (WKN DWS0GJ) der ML Welt Wasser Index von Merrill Lynch (WKN ML0BEC) und ein Basket mit 15 Unternehmen aus dem Bereich der Wasserversorgung von HSBC Trinkaus & Burkhardt (WKN TB0RVA).

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