In den angeschlagenen Ökosystemen der Welt ist Großreinemachen angesagt. Dabei erweisen sich die auf dem Globus eingeleiteten Säuberungs- und Erhaltungs-Maßnahmen nicht nur als riesiges Konjunkturprogramm, sondern auch als eine vielversprechende Investmentchance. Die tägliche Investmentidee auf Handelsblatt.com.
NEW YORK. Allein in den USA wurden von risikobereiten Venture-Capital-Anlegern im Jahr 2007 mehr als 2,2 Mrd. Dollar in Unternehmen investiert, die sich mit der Entwicklung neuer Technologien und Dienstleistungen zum Erhalt und zur Verbesserung der Umwelt und des Klimas beschäftigen - von Fachleuten auch "Cleantech" genannt. Gegenüber dem Jahr 2006 entspricht dies nach Berechnungen von der Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers LLP (PwC) einer Steigerung um immerhin 45 Prozent. Im ersten Quartal dieses Jahres lagen die Investitionen in den Megatrend Cleantech dann bei fast 575 Mio. Dollar und damit noch einmal um rund 18 Prozent über dem Volumen des gleichen Vorjahreszeitraums.
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Zum Vergleich: Die gesamten Venture-Capital-Investments in den USA schrumpften in den ersten drei Monaten 2008 um 7 Prozent auf 6,5 Mrd. Dollar. "Es gibt sehr viel Enthusiasmus in der Cleantech-Branche", sagt PwC-Experte Tim Carey. Fachleute sehen Cleantech als "schlafenden Riesen", der mit seinen Produkten und Dienstleistungen eine breite Ausdehnung in mehr oder minder alle Bereiche der Wirtschaft erfährt - und das rund um den Globus. Die Schätzungen über das globale Investitionsvolumen dieses Marktes schwanken zwischen 60 und 80 Mrd. Euro.
Deutschland gilt dabei als Marktführer - die USA und Japan folgen. Die Spitzenstellung Deutschlands ist vor allem der bereits frühzeitig von den Politikern der Grünen getragenen Umweltbewegung zuzuschreiben. Hier wurden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die hiesige Wirtschaft in den kommenden Jahren bei der Suche nach ökologischen Lösungen weltweit weiterhin der große Ideengeber sein dürfte.
Auch in den Schwellenländern hat die Cleantech-Idee Einzug gehalten. "Der Cleantech-Markt findet immer stärker auf weltweiter Basis statt", sagt Nicholas Parker, Mitgründer und Vorsitzender des Marktforschers Cleantech Group. Obwohl dieser über viele Jahre hinweg im Verborgenen blühende Markt bereits einen gewissen Reifegrad erreicht hat, glaubt PwC-Mann Jim Carey daran, dass der stark ausgeprägte Aufwärtstrend anhalten wird. Hierfür spreche das weltweit zunehmende Umweltbewusstsein der Menschheit.
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So ist derzeit gerade auch in den USA eine Wende in der Klima- und Umweltpolitik festzustellen. In Fragen des Klima- und Umweltschutzes war die politische Führung in Washington bisher weit hinter dem zurückgeblieben, was von den Fachgremien der Vereinten Nationen als dringend notwendig erachtet und in Europa bereits weitgehend umgesetzt wurde. Jetzt versuchen die US-Wirtschaft und neue politische Kräfte in Washington, Europa seine Vorreiterrolle streitig zu machen.
Rückenwind erhalten die Protagonisten der Idee für Cleantech-Investments dabei durch aktuelle Aussagen der amerikanischen Präsidentschaftskandidaten. "Die Tatsache der globalen Erwärmung erfordert unsere höchste Aufmerksamkeit, speziell in Washington", übt der republikanische Kandidat John McCain in diesen Tagen indirekt Kritik an der Politik des Amtsinhabers George W. Bush. Die USA müssten die Führungsrolle bei der Reduzierung der Treibhausgase übernehmen, steuert McCain in der Umweltpolitik auf eine erstaunliche Wende zu. Auch die demokratischen Kandidaten Clinton und Obama forderten zuletzt, die USA müssten ihre Treibhausgas-Emissionen bis 2050 um 70 Prozent reduzieren.
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Diese Suche nach Lösungen für ökologische Probleme bietet in den kommenden Jahren neue Chancen für Kapitalanleger. Diese können die Cleantech-Phantasie heute durch direkte Investments in Aktien unzähliger Unternehmen der verschiedenen Cleantech-Sektoren wie beispielsweise erneuerbare Energieträger, Energie-Effizienz, Energiespeicherung, Energie-Infrastruktur, Wasser, Luftreinhaltung, Nanotechnologie, Recycling oder Müllentsorgung umsetzen. Zudem haben Emissionsbanken strukturierte Produkte auf Branchenindizes (Bioenergie, Solarenergie, Wasser etc.) kreiert.
Wer die gesamte breite Palette der Cleantech-Branche in einem einzigen Produkt abdecken will, setzt auf den von PowerShares emittierten und an der American Stock Exchange (Amex) gelisteten Exchange Traded Fund (ETF) auf den Cleantech-Index. Dieser Indexfonds bildet die Kursentwicklung von 45 sich mit Umweltschutz-Technologien beschäftigenden Unternehmen ab. Der Index enthält auch die Aktien von ABB und Siemens. Er ist seit seiner Kreation am 31. Dezember 1999 von 500 Punkten in der Spitze um 221 Prozent auf 1606 im Dezember 2007 in die Höhe geschossen. Zum Vergleich: Der S&P 500-Aktienindex ist in diesem Zeitraum lediglich um sieben Prozent gestiegen.

