Dr. Sommers Marktdiagnose 20.000 Punkte! Na und?

Auf mehr als 20.000 Punkte ist der Dow Jones gestiegen. Nicht mehr, nicht weniger. Für den letzten Tausender-Schritt benötigte der bekannteste Index in der Börsenwelt nur gut zwei Monate. Übertreiben die Börsen schon wieder?
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Dr. Ulf Sommer, Handelsblatt-Redakteur und Kolumnist.
Dr. Sommers Marktdiagnose

Dr. Ulf Sommer, Handelsblatt-Redakteur und Kolumnist.

DüsseldorfAls der Dow Jones im Spätherbst 1972 das erste Mal über die Marke von 1000 Punkten stieg, hat der amerikanische Index für diesen ersten Tausender-Schritt sechsundsiebzigeinhalb Jahre gebraucht. Zweifellos eine lange Zeit. Bis zum 2000er-Schritt waren es 14 Jahre, bis zum 3000er-Niveau noch vier Jahre. Am schnellsten ging es zwischen 11.000 und 12.000 Punkten, für die der Dow nur einen Monat plus fünf Tage brauchte. Und nun: Der Sprung von 19.000 auf 20.000 Punkte rangiert in der Hitliste auf Rang zwei.

Was sagen uns die runden Marken und inwieweit signalisieren die vielen neuen Tausender-Schritte, dass die Börsen nach oben überschießen? Im Prinzip wenig. Denn erstens ist jeder neuerliche Tausender-Schritt immer weniger wert. Für die ersten 1000 Punkte benötigte der Dow noch einen Zuwachs von sage und schreibe 2343 Prozent – gemessen vom ersten Schlusskurs mit 40,9 Punkten am 26. Mai 1896. Beim nächsten 1000er-Schritt waren es immerhin noch 100 Prozent, danach 50, dann 33 und danach nur noch 25 Prozent. Für den letzten 1000er Schritt von 19.000 auf 20.000 Zähler Ende Januar 2017 waren es schließlich noch ganze 5,3 Prozent.

Doch auch sonst besagen Tausender-Schritte nicht besonders viel. Außer, dass vielleicht Sektkorken knallen, Händler sich auf die Schenkel klopfen und Anleger (samt Medien) ins Grübeln geraten, ob Aktien vielleicht schon zu teuer sind.

Die besten und schlechtesten Aktien im Januar

HDAX ® PERFORMANCE-INDEX

WKN
ISIN
DE0008469016
Börse
Xetra

+45,16 +0,64%
Chart von HDAX ® PERFORMANCE-INDEX
HDax
1 von 15

Der Januar bot einen interessanten Einstieg in das Börsenjahr 2017. Vergleicht man diesen mit dem historischen Absturz aus dem vergangenen Jahr, erscheint der diesjährige Einstand zwar gähnend langweilig. Die 110 Aktien des HDax, in dem alle Titel aus Dax, MDax und TecDax vertreten sind, kamen auf eine Monatsperformance von gerade einmal 0,6 Prozent an Plus. Doch wird diese Sichtweise dem Börsentreiben nicht gerecht. Immerhin erklomm der Dax im Zuge der wiederaufgeflammten Trump-Rally – die Finanzwelt spekuliert auf einen Wirtschaftsboom durch den neuen US-Präsidenten – ein 20-Monats-Hoch. Derselbe Trump ist es aber auch, der die Furcht vor einem Handelskrieg entfacht, und die Kurse wieder zurückfallen lässt. Zumindest für den Januar: ein Nullsummenspiel. Es folgen die schlechtesten und dann die besten Aktien des Januars.

SMA SOLAR TECHNOLOGY AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000A0DJ6J9
Börse
FSE

-3,65 -6,46%
+52,75€
Chart von SMA SOLAR TECHNOLOGY AG INHABER-AKTIEN O.N.
SMA Solar
2 von 15

Flops – Platz 7

Den Reigen der Flops eröffnet SMA Solar. Für den verhältnismäßig kleinen TecDax-Titel lief der Start ins neues Jahr nicht gut. Die Aktien verloren 5,4 Prozent, Schuld ist der schwache Branchenausblick. Das Management kündigte für 2017 einen Umsatz- und Gewinnrückgang an. Seit Monaten macht den Solarfirmen der erneute Preisrückgang zu schaffen, weil chinesische Hersteller ihre Überkapazitäten mit Niedrigstpreisen auf die Weltmärkte schleudern. Derzeit diskutiert die EU über ein Aufrechterhalten der Strafzölle gegenüber chinesischen Modulen. Sowohl in der Branche als auch in der Politik mehren sich Stimmen, die sich gegen eine Verlängerung der Schutzmaßnahmen aussprechen.

GFT TECHNOLOGIES SE INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005800601
Börse
FSE

+0,14 +0,97%
0,00€
Chart von GFT TECHNOLOGIES SE INHABER-AKTIEN O.N.
GFT Technologies
3 von 15

Flops – Platz 6

Der Finanz-It-Spezialist GFT Technologies hat 2017 einen schweren Abgang zu verkraften. Mitgründer und Hauptaktionär Ulrich Dietz will nach 30 Jahren seinen Chefsessel räumen. Der Vorstandschef werde sein Amt auf eigenen Wunsch und einvernehmlich zur Hauptversammlung am 31. Mai niederlegen. Zwar geriet der Kurs des Tech-Titels schon vorher unter Druck, doch dieser Abschied zog die Papiere weitere runter. Die Monatsperformance: Ein Minus von 5,7 Prozent.

FRESENIUS MEDICAL CARE KGAA INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005785802
Börse
FSE

+0,94 +1,10%
+86,28€
Chart von FRESENIUS MEDICAL CARE KGAA INHABER-AKTIEN O.N.
Fresenius Medical Care
4 von 15

Flops – Platz 5

Was für ein Jahresstart für das weltgrößte Dialyseunternehmen Fresenius Medical Care: Dem Konzern drohte wegen eines Streits um Zuschüsse für bedürftige Dialysepatienten Gegenwind in seinem wichtigsten Markt USA. Anleger warfen das Papier massenweise aus den Depots. Nicht, weil es um wirklich viel Geld ging. Die Sorge war, dass das erst der Anfang gewesen sein könnte. Zwar konnten der Streit zum Ende des Monats beigelegt werden, doch die Auseinandersetzung wirkt nach. Der Dax-Konzern hat außerdem mit Analysten-Kommentaren zu kämpfen. Die FMC-Papiere verbilligten sich um 6,4 Prozent.

COMPUGROUP MEDICAL SE INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005437305
Börse
FSE

-0,30 -0,71%
0,00€
Chart von COMPUGROUP MEDICAL SE INHABER-AKTIEN O.N.
Compugroup Medical
5 von 15

Flops – Platz 4

Scheinbar nehmen die Investoren dem Koblenzer Software-Entwickler für Apotheken- und Arztpraxen die plötzliche Offerte für den belgischen Konkurrenten Agfa-Gevaert immer noch übel. Anleger fürchteten eine Kapitalerhöhung und sahen ein hohes Risiko. Das Management kam zu demselben Schluss und ließen von der Übernahme ab. Die Papiere profitierten. Zunächst. Der Januar ist aber nicht der Monat des TecDax-Titels. Die Bilanz: 6,5 Prozent Kursverluste.

SARTORIUS AG INHABER-STAMMAKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007165607
Börse
FSE

+2,50 +1,95%
+128,50€
Chart von SARTORIUS AG INHABER-STAMMAKTIEN O.N.
Sartorius
6 von 15

Flops – Platz 3

Der Laborausrüster Sartorius präsentierte für 2016 einen Gewinnsprung von knapp 16 Prozent, und dennoch setzte sich die Talfahrt fort. Händler sprachen von Anschlussverkäufen und charttechnischen Signalen. Der Aktienkurs will nicht ganz passen zu den Konzernzahlen, die zweistellig zulegten. Ein genauer Blick verrät die Sorgen der Anleger. Sie fürchten um die Wachstumsdynamik des Göttinger TecDax-Konzerns. Es ist der Ausblick, der mit dafür sorgte, dass am Ende des Monats ein Minus von 7,8 Prozent auf den Anzeigetafeln erschien.

STEINHOFF INTERNATL HLDGS N.V. AANDELEN OP NAAM EO -,50

WKN
ISIN
NL0011375019
Börse
FSE

+0,00 +2,15%
0,00€
Chart von STEINHOFF INTERNATL HLDGS N.V. AANDELEN OP NAAM EO -,50
Steinhoff International
7 von 15

Flops – Platz 2

Das Möbelhaus ist zwar noch im HDax gelistet, Heimatbörse ist inzwischen aber die JSE in Johannesburg. Von Südafrika aus operiert der Poco-Betreiber auch. Die Fusion mit dem Konkurrenten Shoprite im afrikanischen Einzelhandelsgeschäft ist noch in der Mache, kam bisher aber nicht gut bei Anlegern an. Nach einer Rally zum Jahresende stoppten Herabstufungen durch Analysten den weiteren Anstieg. Am Ende des Monats stand ein dickes Minus von 9,5 Prozent.

Entscheidender als die 1000er-Schritte ist, wie es den Unternehmen geht, deren Anteilsscheine im Dow notieren. Dazu ein Beispiel: Als der Index kurz vor der Jahrtausendwende auf knapp 12.000 Punkte gestiegen war, waren Aktien deutlich teurer als Anfang 2016, als der Dow sehr viel höher bei gut 16.000 Punkten notierte. Der Grund: Vor 17 Jahren verdienten die 30 Unternehmen im Dow deutlich weniger als zur Jahreswende 2015/16.

Aktuell sind die Unternehmen und damit ihre Aktien im Dow mit gut 20.000 Punkten keineswegs preiswert – ein kritisches Innehalten lohnt also! – aber auch nicht völlig überteuert. Gemessen an den für dieses Jahr erwarteten Gewinnen sind die Unternehmen mit dem Faktor 17 bewertet. Das heißt, die Dow-Unternehmen von American Express und Apple über Exxon und Nike bis hin zu Walmart kosten im Schnitt 17 mal so viel wie sie in diesem Jahr voraussichtlich verdienen werden. Der langfristige Durchschnitt liegt bei 15. Rechnerisch sind die Aktien im Dow derzeit also um 14 Prozent überbewertet.

Das heißt nun aber nicht, dass der Dow in diesem Jahr fallen muss und wird. Phasen, in denen Aktien überbewertet sind, können lange dauern, manchmal sogar viele Jahre. So geschehen in der zweiten Hälfte der Neunziger. Umgekehrt können Phasen, in denen Aktien unterbewertet sind, ebenfalls mehrere Jahre dauern. So zuletzt geschehen nach dem Platzen der Technologieblase in den Jahren 2004 bis 2006 und dann noch einmal zwischen 2010 und 2014.

Sobald der Dow oder auch unser Dax Tausender-Hürden überwindet, mögen die Börsen und ihre Indizes viel Aufmerksamkeit erfahren. Ein wirkliches Ereignis im Sinne von Kauf- oder Verkaufskursen sind solche runden Zahlen aber nicht.

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1 Kommentar zu "Dr. Sommers Marktdiagnose: 20.000 Punkte! Na und?"

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  • "Sergio Puntila27.01.2017, 09:30 Uhr
    Der Chefdemokratenfresser als Oberkommentator des HB sondert in gewohnt langweiliger Manier, klingt schon fast andressiert, was Sie hier tagtäglich vor sich hingeifern, werter Mark Hoffmann"

    Ich geifere nicht, ich kommentiere. Ich gebe mir den ganzen Tag große Mühe, jeden, aber auch wirklich jeden Artikel zu kommentieren,
    um die Leute von der grün-sozialistischen Murkselregierung zu warnen.

    Ja, ich bin ein Fan von Trump und Putin, das sind wenigstens noch zwei echte Kerle mit eigener Meinung, nicht wie unser sprechender Hosenanzug!

    Ja, ich bin ein Anhänger der AFD, denn nur diese Partei kann unser Reich noch retten!

    Nein, ich bin nicht arbeitslos und habe deshalb soviel Zeit Kommentare zu schreiben, ich bin arbeitssuchend!
    Danke

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