Dr. Sommers Marktdiagnose
Daten und Fakten statt Emotionen

Börsenprognosen sind bekanntlich nie einfach. Aber so sehr wie Donald Trump hat wohl noch nie eine Person und ein Ereignis die Finanzmärkte auf den Kopf gestellt. Dabei ist eigentlich alles ganz rational.
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DüsseldorfNach der Wahl Donald Trumps zum 45. US-Präsidenten brachen die Aktienkurse nicht ein, wie vorab allseits befürchtet. Sie stiegen. Gold hingegen verteuerte sich nicht, wie von vielen erwartet und erhofft, es wurde billiger. Interessant daran ist, dass sich jedes Mal nüchtern-rationale Argumente durchsetzten und eben nicht Emotionen und vage Hoffnungen.

Aktien steigen, weil Anleger mit Trump Konjunkturprogramme und niedrigere Steuern verbinden. Beides beflügelt üblicherweise die Kurse, weil Unternehmen mit mehr (öffentlichen) Aufträgen rechnen dürfen und Verbraucher künftig wohl mehr Geld zum Ausgeben haben. Gold wiederum verliert, weil sich mit Trump höhere Staatsausgaben, mehr Schulden und damit auch steigende Inflationserwartungen und Realzinsen verbinden. Davon profitiert nun mal nicht das ewig zinslose Gold.

Was lernen wir daraus? Emotionen haben an der Börse wenig zu suchen, wenn es um Personen ohne konkrete Programme geht. Deshalb reagiert die Chefin der amerikanischen Notenbank, Janet Yellen, wohlüberlegt und absolut richtig, sich nicht vom unerwarteten Wahlausgang beirren zu lassen.

Sie hält an ihrer Politik einer sanften Zinswende fest. Das heißt, im Dezember dürfte nach langer Zeit der zweite, kleine Zinsschritt nach oben erfolgen. Auch will sie im Amt bleiben und kümmert sich nicht darum, ob und welche Gedanken der neue Präsident um Yellen und ihr Amt hegt.

Anleger können sich von der Fed-Chefin ein wenig abgucken. Wenn es nämlich um die immer junge Frage geht, ob die Kurse künftig steigen oder fallen, sollten zuerst rationale Argumente im Vordergrund stehen. Also mehr Zahlen und Fakten, die sich nicht über Nacht ändern. Auch nicht nach einer US-Wahl.

Das heißt, Zahlen und Fakten über die Unternehmen und Verbraucher, die schließlich die Firmengewinne und damit auch die Aktienkurse treiben. Hingegen erscheint es ratsam, sich weniger von Spekulationen über die möglichen Absichten eines künftigen Präsidenten treiben zu lassen, der noch gar nicht im Amt ist und noch kein Programm und auch noch keine Regierungsmannschaft beisammen hat.

Dr. Ulf Sommer wirft für das Handelsblatt den Blick auf das große Ganze: Wie entwickeln sich die Gewinne der Dax-Konzerne? Welche Perspektiven haben US-Unternehmensaktien? Alle zwei Wochen diagnostiziert er in dieser Kolumne, wie es um die Verfassung der Märkte bestellt ist. Wenden Sie sich mit Anregungen oder Fragen gerne an: sommer@handelsblatt.com

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