Dr. Sommers Marktdiagnose Gutes ist oft auch teuer

Während die Aktienkurse an der Wall Street von Rekord zu Rekord eilen, hinkt der Dax weit hinterher. Daran ändert auch die günstigere Bewertung hierzulande nichts. Noch nicht. Für 2017 bleibt die Situation spannender.
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Dr. Ulf Sommer, Handelsblatt-Redakteur und Kolumnist.
Dr. Sommers Marktdiagnose

Dr. Ulf Sommer, Handelsblatt-Redakteur und Kolumnist.

DüsseldorfKennen Sie auch diese Empfehlungen? Sie lesen sich etwa so: „Aktien in Deutschland sind niedriger bewertet als in den USA. Deshalb dürfte sich der Dax besser entwickeln als der Dow.“

In gefühlt 19 der vergangenen 20 Jahren – länger interessiere ich mich noch nicht für Aktien – bin ich auf solche oder ganz ähnlich formulierte Anlage-Empfehlungen gestoßen. In diesem November und Dezember ganz besonders, weil jetzt alle Bankhäuser mit ihren Ausblicken um die Ecke kommen.

Zweifellos, solche Ratschläge sind kaum zu widerlegen und haben durchaus etwas für sich. Denn gemessen an ihren Gewinnen kosten die Aktien amerikanischer Unternehmen mehr als in Europa. Hierzulande zahlen Aktionäre im Schnitt rund den 13-fachen Jahresgewinn, wenn es um die 30 Dax-Werte geht. An der Wall Street ist es der 16-fache Jahresgewinn – ein Bewertungsunterschied von immerhin 25 Prozent. Dennoch eilt der Dow von einem Allzeithoch zum nächsten, während der Dax von seinem Hoch fast 20 Prozent entfernt ist.

So viel schütten die Dax-Unternehmen aus

DAX ®

WKN
ISIN
DE0008469008
Börse
Xetra

+21,88 +0,18%
Chart von DAX ®
Dax
1 von 31

Die diesjährigen Hauptversammlungen der 30 Dax-Konzerne versprechen rekordhohe Ausschüttungen – insgesamt knapp 31 Milliarden Euro. Voraussichtlich 21 Konzerne erhöhen ihre Dividende.

Die Rendite im Dax liegt im Mittel seit dem Jahr 2004 bei gut drei Prozent. Sehen Sie die Einschätzung zur Dividende – sortiert nach der (geschätzten) Höhe der Dividendenrendite aller Firmen.

Mehr dazu lesen Sie auch in dieser ausführlichen Handelsblatt-Analyse.

PROSIEBENSAT.1 MEDIA SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000PSM7770
Börse
L&S

+0,38 +1,20%
+32,36€
Chart von PROSIEBENSAT.1 MEDIA SE NAMENS-AKTIEN O.N.
Pro Sieben Sat1
2 von 31

Pro Sieben Sat1: Die höchste Dividendenrendite gibt es direkt vom Dax-Aufsteiger 2016. Mit erwarteten 1,91 Euro je Aktie schüttet das Medienunternehmen damit 80 bis 90 Prozent des bereinigten Konzernüberschusses aus. Das ist für Dax-Unternehmen jedoch die absolute Ausnahme.

Dividende 2016 (für das Jahr 2015): 1,80 Euro
Dividende 2017 (für das Jahr 2016)*: 1,91 Euro
Dividendenrendite 2017*: 4,9 Prozent

*geschätzt

DAIMLER AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007100000
Börse
L&S

+1,87 +2,68%
+71,43€
Chart von DAIMLER AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Daimler
3 von 31

Daimler: Der Automobilkonzern aus Stuttgart ist auch deswegen interessant, weil die Experten hier in diesem Jahr mit der höchsten Ausschüttungssumme rechnen – nämlich bis zu 3,5 Milliarden Euro.

Dividende 2016 (für das Jahr 2015): 3,25 Euro
Dividende 2017 (für das Jahr 2016)*: 3,25 Euro
Dividendenrendite 2017*: 4,6 Prozent

*geschätzt

ALLIANZ SE VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0008404005
Börse
L&S

-0,07 -0,04%
+191,68€
Chart von ALLIANZ SE VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.
Allianz
4 von 31

Allianz: Der Versicherungskonzern aus München glänzt auch in diesem Jahr wieder mit einer stattlichen Dividendenrendite. In den letzten zwölf Monaten konnte der Kurs der Aktie um gut sechs Prozent zulegen.

Dividende 2016 (für das Jahr 2015): 7,30 Euro
Dividende 2017 (für das Jahr 2016)*: 7,50 Euro
Dividendenrendite 2017*: 4,82 Prozent

*geschätzt

MUENCHENER RUECKVERS.-GES. AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0008430026
Börse
L&S

+1,71 +0,94%
+183,60€
Chart von MUENCHENER RUECKVERS.-GES. AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.
Münchener Rück
5 von 31

Münchener Rück, ein Dividenaristokrat: Seit 1969 hat der Rückversicherer aus München seine Dividende nicht mehr gesenkt und pflegt damit die wohl längste Tradition im Dax. Daher ist es eher unwahrscheinlich, dass sich das im kommenden Jahr ändern wird.

Dividende 2016 (für das Jahr 2015): 8,25 Euro
Dividende 2017 (für das Jahr 2016)*: 8,50 Euro
Dividendenrendite 2017*: 4,9 Prozent

*geschätzt

BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN EO 1

WKN
ISIN
DE0005190003
Börse
L&S

+0,13 +0,15%
+87,00€
Chart von BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN EO 1
BMW
6 von 31

BMW: Der Autobauer aus München darf für das abgelaufene Jahr wieder von einem Rekordgewinn ausgehen. Der Grund: Die teure 7er-Reihe verkaufte sich hervorragend. Der Konzern würde damit zum siebten Mal in Folge seine Ausschüttung erhöhen – wenn auch nur leicht.

Dividende 2016 (für das Jahr 2015): 3,20 Euro
Dividende 2017 (für das Jahr 2016)*: 3,23 Euro
Dividendenrendite 2017*: 3,7 Prozent

*geschätzt

DEUTSCHE TELEKOM AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005557508
Börse
L&S

+0,37 +2,84%
+13,42€
Chart von DEUTSCHE TELEKOM AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Deutsche Telekom
7 von 31

Deutsche Telekom: Die Aktie des Telekommunikationsunternehmens aus Bonn hat sich seit Anfang Dezember wieder erholt. Die Aktionäre können sich entscheiden, ob sie die Dividende ausgezahlt oder als neues Aktienpaket bekommen wollen. Im vergangenen Jahr wollten 41 Prozent der Anleger neue Aktien.

Dividende 2016 (für das Jahr 2015): 0,55 Euro
Dividende 2017 (für das Jahr 2016)*: 0,60 Euro
Dividendenrendite 2017*: 3,7 Prozent

*geschätzt

So einleuchtend diese Bewertungsrechnungen auch sein mögen, so richtig nutzbringend waren die daraus abgeleiteten Kaufempfehlungen in den vergangenen 20 Jahren eigentlich selten. Warum? US-Aktien sind und waren schon immer teurer als deutsche. Doch mal legte daraufhin der Dax stärker zu als der Dow, mal war es umgekehrt. Ein Zusammenhang zwischen Kursgewinnen auf der einen und überbewerteten Wall-Street-Aktien bzw. unterbewerteten deutschen Aktien auf der anderen Seite ist also nicht so ohne weiteres zu erkennen.

Und das hat einen guten Grund: Langfristig betrachtet steigen nämlich die Unternehmensgewinne in den USA stärker als in Deutschland. Auch fahren amerikanische Konzerne im Schnitt höhere Profite, also Nettoumsatzrenditen ein. Beides rechtfertigt die höhere Bewertung, ganz nach dem Motto: Gutes ist auch teuer. Obendrein schwanken die Konzerngewinne an der Wall Street weniger als in Deutschland. Das zieht viele Investoren an, die große Kursschwankungen eher weniger mögen. Auch das rechtfertigt die höhere Bewertung des Dow Jones.

Deutsche Aktien laufen in aller Regel immer dann besser als in den USA, wenn die Weltkonjunktur gut oder besser läuft als in der Vergangenheit – und nicht weil die Aktien billig sind. Denn von einer global wachsenden Wirtschaft profitieren die außerordentlich exportstarken deutschen Unternehmen mehr als die stärker auf den riesigen Binnenmarkt orientierten amerikanischen Konzerne.

Die spannendere Frage lautet also: Springt 2017 die Weltkonjunktur an? Dann würde der Dax mit hoher Wahrscheinlichkeit tatsächlich besser laufen als der Dow – und seine Unterbewertung auch ausspielen. So richtig festlegen mag sich auf die knifflige Weltkonjunktur (noch) niemand. Wohl deshalb verharrt der Dax in diesem Jahr nur seitwärts und hinkt mal wieder seinem großen Bruder Dow hinterher. Bislang zumindest.

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