Dr. Sommers Marktdiagnose

Trump macht Kurse

Je wahrscheinlicher ein Wahlsieg Trumps wird, desto stärker fallen die Kurse. Nicht nur an der Wall Street, sondern weltweit. Doch wirklich überraschend ist etwas ganz anderes.
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Die Chancen auf einen Wahlsieg sind wieder gestiegen. Quelle: AP
Donald Trump

Die Chancen auf einen Wahlsieg sind wieder gestiegen.

(Foto: AP)

DüsseldorfJetzt erwischt es sie kurz vor Schluss doch noch: Die Aktienmärkte geraten ins Rutschen. Anleger zittern, je näher der Wahltermin in den USA rückt. Seitdem aus dem scheinbar sichereren Wahlsieg Hillary Clintons ein Kopf-an-Kopf Rennen der Demokratin mit ihrem republikanischen Widersacher Donald Trump geworden ist, sinken die Kurse. Der Dax verlor knapp fünf Prozent.

Der Grund dafür ist bereits mehr als ausreichend beschrieben worden. Deshalb dazu nur noch wenige Worte: Die Kurse fallen nicht etwa deshalb, weil Anleger Donald Trumps Programm fürchten, sondern weil sie ihn für unberechenbar halten. Und Ungewissheit ist an der Börse bekanntlich schlimmer als eine schlechte Nachricht, wie sich schon oft bewiesen hat: ganz prägnant im Vorfeld des Golfkriegs 2003. Damals fielen die Kurse auf Grund der ungewissen Zukunft. Sobald der Krieg im März 2003 begann, stiegen die Kurse wieder.

Die schwärzesten Tage der Börsengeschichte
19. Oktober 1987 – der „Schwarze Montag”
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Am „Schwarzen Montag” brach der US-Standardwerte-Index Dow Jones um 22,6 Prozent ein. Das ist der größte Tagesverlust seiner Geschichte. Die Panikverkäufe breiteten sich schnell auf alle wichtigen internationalen Handelsplätze aus. Der Tokioter Leitindex Nikkei rauschte nach dem Crash an den US-Börsen um knapp 15 Prozent in die Tiefe. Der Londoner Auswahlindex FTSE verbuchte mit knapp elf Prozent lediglich den zweitgrößten Tagesverlust seiner Geschichte. Tags darauf beschleunigte er jedoch seine Talfahrt und verlor gut zwölf Prozent.

16. Oktober 1989 – der Dax-Absturz
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Der deutsche Leitindex Dax, der erst 1988 aus der Taufe gehoben wurde, fiel um rund 13 Prozent und folgte damit der Wall Street, wo Finanzierungsschwierigkeiten beim Kauf der US-Fluggesellschaft UAL einen Ausverkauf auslösten. Für den Dax ist das der erste und der größte Crash seiner Geschichte.

23. Mai 1995 – die Asien-Krise
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Nicht nur die Jahre 2015 und 2016 machten China für Aktienabstürze bekannt. Den ersten größeren Crash gab es vor rund 11 Jahren: Die Furcht vor Eingriffen der Regierung in den chinesischen Aktienmarkt ließ den Shanghai-Composite Index um 16,4 Prozent abstürzen.

6. Oktober 2008 – das Lehman-Beben
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Kurz nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers wurde die Unsicherheit an den Aktienmärkten immer größer. Der italienische Leitindex verbuchte mit einem Abschlag von mehr als acht Prozent seinen größten Tagesverlust, der Leitindex der portugiesischen Börse gab knapp zehn Prozent nach. Der EuroStoxx50 fiel um acht Prozent. An der Wall Street ging es ebenfalls bergab, allerdings nicht ganz so stark: Der Dow-Jones-Index gab 3,6 Prozent nach. Auch für den Dax ging es kräftig bergab. Der Dax schloss mit einem Minus von 7,1 Prozent auf 5387 Punkten.

3. August 2015 – die griechische Tragödie
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Die Verhandlungen Griechenlands mit seinen Gläubigern haben im Sommer 2015 für ein Kursbeben an der Börse des Landes gesorgt. Zuvor wurden die Märkte geschlossen, um Kapitalmarkt-Turbulenzen zu verhindern. Allerdings blieb der Erfolg überschaubar: Am ersten Tag nach der fünfwöchigen Zwangspause stürzte die Athener Börse ins Bodenlose. Der Leitindex verbuchte mit einem Minus von 16 Prozent den größten Tagesverlust seiner Geschichte.

24. August 2015 – ein neuer China-Crash
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Bereits im Sommer 2015 sorgte China für Panik unter den Anlegern weltweit. Angesichts der Furcht vor einem deutlichen Konjunktureinbruch in der Volksrepublik rutschten die Börsen rund um den Globus immer weiter ab. Der Shanghai Composite Index brach um 8,5 Prozent ein. Der Dax verlor in der Spitze 7,8 Prozent auf 9338 Punkte. An der Wall Street stürzt der Dow-Jones-Index zeitweise um 6,6 Prozent und der Nasdaq-Composite sogar um bis zu 8,8 Prozent ab.

07. Januar 2016 – und wieder ein Drachen-Kursbeben
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Die neuerliche Abwertung der chinesischen Landeswährung lässt die Aktienbörsen in der Volksrepublik wanken. Am 7. Januar wurde der Handel an der chinesischen Börse das zweite Mal binnen weniger Tage per Notbremse gestoppt, nachdem die Leitindizes um sieben Prozent absackten. Die Sitzung dauerte weniger als eine halbe Stunde und war damit der kürzeste Börsentag in Chinas Geschichte. Der Dax rauscht das erste Mal seit Oktober wieder unter die 10.000-Punkte-Marke und gibt zeitweise knapp vier Prozent nach.

Wirklich überraschend ist bei Trump und seiner Fähigkeit, die Börsen zu beeinflussen, etwas anderes. Der eigensinnige Präsidentschaftskandidat hat im Vorfeld so gut wie jeden demokratisch legitimierten Staat in der westlichen Welt vor den Kopf gestoßen, brüskiert und verunsichert. Sei es, indem er mit Wladimir Putins Russland kokettierte oder gar mit Kim Jong-un in Nordkorea in Verbindung gebracht wurde – oder aber indem er den Mexikanern einen Kostenvoranschlag für seine geplante Mauer entlang der 3144 Kilometer langen Grenze präsentierte.

Auch die Unternehmen fürchten Trump, weil er mit Handelshemmnissen und Schutzzöllen liebäugelt. Sogar seine republikanische Partei mag ihren Spitzenkandidaten nicht, weil er ihr Parteiprogramm mit Füßen tritt und sich als populistischer Retter der Armen und Benachteiligten geriert.

Bei so vielen Ängsten und so viel Ungewissheit über die Zukunft der wirtschaftlichen und militärischen Weltmacht Nummer eins verwundern gar nicht so sehr die Kursverluste, sondern viel mehr, warum sich die Aktienkurse immer noch so gut halten. Vier oder vielleicht fünf Prozent Kursverlust, seitdem Trumps Siegeschancen von nahezu Null auf inzwischen 50 Prozent gestiegen sind, erscheinen gering. Zumal die amerikanischen Börsen immer noch nahe ihrer Allzeithochs notieren. Vergleichsweise harmlose Nachrichten haben in der Vergangenheit schon weit größere Börsenbeben verursacht.

Das bedeutet aber wohl auch: Die Börse will offenbar nach oben. Sonst wären die Kurse angesichts der großen Verunsicherung im Wahlfinale stärker fallen. Gut möglich, dass ein – immer noch möglicher – Wahlsieg Hillary Clintons eine Erleichterungsrally auslöst, die kräftiger ausfällt als die vorangegangenen Kursverluste.

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  • Der eigensinnige Kanzlerin hat im Vorfeld so gut wie jeden demokratisch legitimierten Staat in der westlichen Welt vor den Kopf gestoßen, brüskiert und verunsichert. Meinen Sie die geliebte Frau Kanzlerin der wirklich den Trumph.

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