Beim "Mulesing" - benannt nach dem Erfinder der Methode, John Mules - wird den Tieren ohne Betäubung großflächig die Haut am Gesäß weggeschnitten. Übrig bleibt eine blutige Fläche rohen Fleisches, auf der nach Heilung der Wunde keine Wolle mehr wachsen kann.
Laut der australischen Wollindustrie bleibt den Tieren dadurch ein grausameres Schicksal erspart. Denn ins von Kot und Urin verschmutzte Fell der Gesäße von nicht behandelten Merino-Schafen legen Schmeißfliegen ihre Eier. Wenn die Maden schlüpfen, beißen sie sich in den Körper des Tieres und fressen es buchstäblich bei lebendigem Leibe auf. Es kann Wochen dauern, bis ein befallenes Tier stirbt. Tierschützer sagen, "Mulesing" werde einzig durchgeführt, um den Landwirten Kosten zu sparen. Sie sparten sich auf diese Weise das alle sechs Monate notwendige Scheren der betroffenen Körperteile der Schafe.
Die australische Wollindustrie hat angekündigt, bis 2010 eine Alternative finden zu wollen. Wissenschaftlern ist es bereits gelungen, Schafe zu züchten, die an ihren Hintern keine Wolle haben. Bis zu einer Lösung des Problems dürfte der Konflikt zwischen Tierschützern und der politisch einflussreichen Wollindustrie noch zunehmen.
Die Schaf- und Wollindustrie war fast zwei Jahrhunderte lang das Standbein der australischen Wirtschaft. Australien reite "auf dem Rücken der Schafe", so das geflügelte Wort damals. Nach wie vor ist Australien einer der wichtigsten Wollproduzenten der Welt und verdient pro Jahr rund 2 Milliarden Euro mit dem Export dieses Naturproduktes.
Doch schon vor Jahren haben Kunstfasern der Wolle den Rang als Textilien für die Massen abgelaufen. Der Großteil der australischen Wolle geht nach China. Dort wird sie verarbeitet und in Form von hochwertigen Kleidungsstücken in die ganze Welt verkauft - auch zurück ins Herkunftsland. Trotz mehrerer Versuche ist es Australien nie gelungen, für die hochwertige Naturfaser selber eine verarbeitende Industrie aufzubauen.

