Die US-Hypothekenkrise war gestern: Zwar wird die Nervosität an den Aktienmärkten nach Einschätzung von Bankstrategen noch einige Monate andauern. Auf Sicht von zwölf Monaten geben sich die Experten aber unverändert optimistisch. Sie sehen für das Jahr 2008 mehr Chancen als Risiken.
FRANKFURT. Das anhaltend hohe globale Wirtschaftswachstum und weiter steigende Unternehmensgewinne böten eine gute Basis für anziehende Aktienkurse. Eine Rezession in den USA, die manche Marktteilnehmer fürchten, sei hingegen weniger wahrscheinlich, glauben viele Experten – auch, weil die amerikanische Notenbank Fed mit ihrer Zinspolitik stabilisierend wirkt. „Zudem dürfte sich der starke Anstieg des US-Exports fortsetzen, während die derzeitige Dollarschwäche in ihr letztes Kapitel geht“, sagt Andreas Utermann, Aktienchef bei Allianz Global Investors.
Alles in allem sind demnach die globalen Märkte in einer robusten Verfassung. „Es gibt große Risiken, aber auch eine Reihe positiver Faktoren, die die Widerstandsfähigkeit stärken“, sagt Jürgen Michels, Volkswirt bei der Citigroup. Dazu zähle vor allem die ungebremste Dynamik in den Schwellenländern, die nach Meinung der Citigroup auch 2008 – angetrieben von China und Indien – wieder um knapp sieben Prozent wachsen dürften.
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Aber auch in den USA sieht Michels Zeichen für eine Stabilisierung der Konjunktur im zweiten Halbjahr. Zwar erwartet er im kommenden Jahr steigende Belastungen für die Amerikaner durch sinkende Häuserpreise. Allerdings rechnet er damit, dass „die US-Verbraucher ihren Konsum nicht plötzlich, sondern nur graduell an die veränderte Einkommenssituation anpassen“. Drastische Zinssenkungen der Fed auf bis zu 3,5 Prozent Mitte nächsten Jahres werden der US-Wirtschaft Michels zufolge zusätzliche Impulse geben.
Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), ist sogar optimistisch für die USA, die unter europäischen Analysten stets als die große Unbekannte für die Entwicklung der Märkte im kommenden Jahr betrachtet werden. „Die USA sind lediglich in einer temporären Krise, die jetzt zu zwei schwächeren Quartalen führen wird“, sagt sie. Anschließend wird es ihrer Ansicht nach dort wieder nach oben gehen. Die Aktienmärkte, die diese Entwicklung mit einem Vorlauf von einem halben Jahr vorwegnehmen, dürften deswegen jetzt bereits anziehen.
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Mit Blick auf die Chancen am Aktienmarkt setzen die Experten aber eher auf Europa, vor allem aufgrund der erwarteten Gewinnentwicklung der Unternehmen. Die Citigroup geht davon aus, dass die Firmengewinne trotz eines moderaten Konjunkturabschwungs in der Euro-Zone auch 2008 um zehn bis 15 Prozent steigen werden. Für den europäischen Leitindex Euro-Stoxx-50 sehen sie daher auf Jahressicht Kurspotenzial bis auf 5 000 Punkte – aktuell steht der Index bei gut 4 300 Punkten. Der Deutsche Aktienindex (Dax) könnte nach Meinung der Citi in Richtung 9 000 Punkte klettern.
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Allerdings teilen nicht alle Experten diesen Optimismus. Martin Gilles, leitender Aktienstratege der WestLB, erwartet im nächsten Jahr deutlich mehr „Gegenwind für die Profitabilität“ der Unternehmen. Seine Gewinnschätzungen – sechs Prozent Plus für deutsche Unternehmen und fünf Prozent Zuwachs für die Konzerne im Euro-Stoxx-50 – weicht daher deutlich von der Konsensmeinung ab: „Die Zeiten rapiden Produktivitätsfortschritts und leichter Restrukturierungsgewinne sind vorbei“, begründet Gilles seine Einschätzung. Hinzu kämen steigende Lohnkosten, anhaltender Druck auf die Margen durch teure Rohstoffkosten und den starken Euro sowie die nachlassende Wachstumsdynamik. „Unter dem Strich wird 2008 ein Jahr der Herausforderungen für Unternehmen und Investoren, vor allem im ersten Halbjahr droht ein Stresstest“, sagt der WestLB-Stratege. Seine Kursziele für Ende 2008 sind entsprechend bescheiden: Den Dax sieht Gilles bei 8 000, den Euro-Stoxx bei 4 400 Punkten.
Doch egal, wie es im nächsten Jahr auch kommen wird: Übertrieben große Aufregung wegen des derzeit unsicheren Umfelds herrscht bei kaum einem bekannten Vermögensverwalter: „Wir machen im Moment nichts außer unsere normale Arbeit“, sagt Allianz-Profi Utermann.

