08.02.2010

Expertengespräch: Charttechniker schlagen Alarm für Aktien

Die ruhigen und guten Aktienmonate enden. Die hohen Umsätze alarmieren Experten. Nur Optimisten setzen auf ein baldiges Ende der Talfahrt. Das Handelsblatt sprach mit vier renommierten Charttechnikern über die Aussichten an den Märkten.

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Gegenüber herkömmlichen Tagen wurden zu Jahresbeginn gut ein Drittel mehr Aktien gehandelt. Quelle: dpaLupe

Gegenüber herkömmlichen Tagen wurden zu Jahresbeginn gut ein Drittel mehr Aktien gehandelt. Quelle: dpa

DÜSSELDORF. Monat für Monat kletterten die Aktienmärkte auf neue Hochs. Nur wenige, dafür umso markantere Tage im neuen Jahr reichten anschließend aus, um die ansehnlichen Gewinne aus vielen Wochen wieder zunichte zu machen.

Mehr noch: Als die Kurse fielen, schwollen die Umsätze an. Gegenüber herkömmlichen Tagen wurden in Frankfurt, New York und London gut ein Drittel mehr Aktien gehandelt. Bei den kurzen und mickrigen Zwischenerholungen sank das Volumen dagegen rapide. Solch ein Phänomen, wie Anleger es seit Beginn der jüngsten Börsenkorrektur erleben, lässt Charttechniker - also Analysten, die ihre Kursprognosen aus Charts, Trendfolgemodellen und zyklischen Mustern herleiten - gemeinhin aufschrecken. Deshalb lud das Handelsblatt vier renommierte Charttechniker in die Frankfurter Redaktion.

Die Lehman-Pleite hallt an den Börsen noch lange nach

"Viele Indikatoren signalisieren, dass sich die Abwärtsbewegung noch mehrere Monate fortsetzt", sagt Klaus Deppermann von der BHF-Bank. Der Experte hatte an gleicher Stelle vor genau einem Jahr, als der Dax bei 4 500 Punkten notierte, das Börsenbarometer für Ende 2009 bei 6200 Punkten taxiert. Damals stand er mit seiner Meinung allein. Am Ende wurden es 6 100 Punkte.

Nun empfiehlt Deppermann Anlegern, "angesichts der alarmierenden Abwärtsdynamik in Erholungen hinein zu verkaufen". Bis Mai sieht er den Dax auf 4 550 Punkte fallen. Damit wären knapp zwei Drittel der vorangegangenen Aufwärtsbewegung seit März 2009 zunichte gemacht. Erst dann seien die Märkte reif für eine mehrwöchige Zwischenerholung. Mehr aber auch nicht. Das langfristige und noch niedrigere Tief als im Mai erwartet Deppermann erst im Frühjahr 2011.

Handelsblatt

Infografik: Scharfe Korrektur

In den Wochen der Lehman-Pleite verlor der Dax mehr als 1000 Punkte. Unsere Übersicht zeigt die Entwicklung seit 2007.

Wieland Staud von Staud Research weist schon seit vielen Monaten auf die "kritische Lehman-Zone" hin. Damit ist die Zeit vor und nach dem Zusammenbruch der amerikanischen Großbank gemeint. Als Lehman im September 2008 Insolvenz meldete, fielen die Börsen - wenig überraschend - zunächst rasant, der Dax auf rund 5 850 Punkte. Doch genauso rasant erholten sich die Aktienmärkte und beendeten die Lehman-Insolvenz-Woche sogar im Plus bei gut 6 150 Punkten. Wer vorschnell auf fallende Kurse gesetzt hatte, wurde kalt erwischt.

Doch der eigentliche und nachhaltige Anlegerschock folgte sogleich, als der Dax - und mit ihm alle anderen wichtigen Börsenindizes in Europa und den USA - in den folgenden Wochen ohne Zwischenhalt mehr als 1 000 Punkte verlor. Wer also vorschnell auf ein Ende des Lehman-Schocks gesetzt hatte, weil die erste Woche vielversprechend geendet hatte, wurde noch kälter erwischt als zuvor die Pessimisten mit ihrer vorschnellen Wette auf fallende Kurse.

"Solch eine dramatische Ereigniskette bleibt Anlegern noch lange Zeit schmerzhaft in Erinnerung", sagt Staud. Tatsächlich: Als sich die Börsen weltweit im Spätherbst erstmals wieder in die "Lehman-Zone" vorwagten, sanken die Umsätze rapide. Sogleich schwand die Marktbreite, nur noch wenige Aktien trugen den Aufschwung. Schließlich kippten die Kurse weg. Inzwischen notieren alle wichtigen Börsenindizes unter der Lehman-Zone.

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Kommentare (5)

  • 09.02. 07:52Spam melden
    [5] zahan

    Charts dürfen niemals als einzige Investmentüberlegung herhalten. Sie sind ein kleiner Baustein, der in die grosse Analyse einfliesst. Nicht umsonst gibt es Ausdrücke wie Bären - oder Bullenfalle!!!!
    Leider wird die Weisheit des grossen Andre Kostolany oft mit Füßen getreten, konstante Kursteigerungen bei kleinen Umsätzen zu beachten. Die grossen Umsätze bringen später die grossen Kurssteigerungen. Eine der erfolgreichsten Investmentideen.

  • 08.02. 23:17Spam melden
    [4] Bernd Reisinger

    Charttechnik - das ist wie das lesen aus dem Kaffeesatz.

    Ich habe über Jahre diese Prognosen verfolgt und halte mittlerweile nichts mehr von ihnen.
    Der einzig brauchbare Anhaltspunkt in den Charts sind typische Kurven die sich jedes Jahr fast gleich ergeben, dazu gehört der Knick im Januar Februar und der Anstieg zum Mai Juni hin. Das funktioniert aber immer nur in einigermaßen normalen Zeiten ohne crashes.

    Der alte Spruch : "sell in may and go away" ist noch der verlässlichste.

  • 08.02. 17:00Spam melden
    [3] AJ

    Es ist interessant, daß auch die Charttechniker bei ihren Analysen so weit auseinander liegen. Sollten also in den nächsten Wochen die Widerstände von 5200 - 5400 halten, dann werden wir dieses Jahr wirklich noch einmal die 6000 Punkte anpeilen. Da sich die Charttechniker so uneins sind, muß man also wieder mal seinem Bauchgefühl vertrauen.

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