100 Milliarden Euro
Deutsche lieben Derivate

Nirgendwo in Europa verkaufen sich Derivate für Privatanleger so gut wie in Deutschland. Das geht aus aktuellen Daten des britischen Fachdienstes Structured Retail Products.com und Berechnungen des Handelsblatts hervor. Und die Kauflust der Deutschen scheint kein Ende zu nehmen.

DÜSSELDORF. Behalten die Banken das Tempo der ersten fünf Monate bis zum Jahresende bei, dann könnte das Zertifikate-Emissionsvolumen in diesem Jahr in Deutschland um gut 50 Prozent wachsen. Zertifikate verbinden mehrere Anlageformen, meist Anleihen und Aktienoptionen, zu einem neuen Wertpapier. Damit können sie das Risiko eines reinen Aktienkaufs verringern, ohne die Gewinnchancen übermäßig zu beschneiden.

Momentan hat der Deutsche Zertifikatemarkt ein Volumen von 95,5 Mrd. Euro. Das geht aus der neuesten Marktstatistik des Emittentenverbandes Derivate-Forum hervor, die am gestrigen Dienstag veröffentlicht wurde. Das Volumen entspricht damit knapp einem Fünftel des Geldes, das in Publikumsfonds steckt. Das Derivate-Forum rechnet damit, dass die Marke von 100 Mrd. Euro beim investierten Volumen bereits im kommenden Monat fallen könnte.

Im vergangenen Jahr hatten die Banken ihr Derivategeschäft mit Privatanlegern um 45 Prozent gesteigert. Auch für dieses Jahr ist die Branche sehr zuversichtlich. "Wir sehen noch kein Ende des Wachstums kommen", sagt Jörg Kukies von Goldman Im Vergleich zum Fondsvermögen seien 100 Mrd. Euro in Zertifikaten aber noch eine bescheidene Zahl.

Wie aus den Daten des britischen Dienstes weiter hervorgeht, hat Deutschland seit Jahresbeginn den italienischen Markt beim Volumen neuer Emissionen deutlich überholt. Während in Italien in den ersten fünf Monaten des Jahres strukturierte Finanzprodukte im Umfang von 11,7 Mrd. Euro angeboten wurden, stieg die Summe in Deutschland auf 19,8 Mrd. Euro (s. "Derivateboom"). Die Datenbank von Structured Retail Products.com ist die einzige umfassende Sammlung von derivativen Finanzprodukten aller wichtigen Märkte innerhalb der Europäischen Union (EU). Chef des Internet-Dienstes ist der Derivateexperte Robert Benson. Für ihn ist der Zertifikatemarkt nur ein Teil des erheblich größeren Marktes für strukturierte Finanzprodukte.

Denn die "Verpackung", also die Angebotsform dieser Produkte, unterscheidet sich innerhalb Europas erheblich. Während Derivate in Deutschland fast ausschließlich in Form von Zertifikaten - rechtlich gesehen Inhaberschuldverschreibungen - angeboten werden, verkaufen Finanzdienstleister in anderen Ländern eher Fonds oder Lebensversicherungen mit strukturiertem Inhalt.

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