130/30-Fonds
Renditekick für’s Depot?

An Auf- wie Abschwüngen der Kapitalmärkte gut verdienen, statt lediglich auf steigende Kurse zu wetten - das dürfte auch den eher risikoscheuen deutschen Anlegern gefallen. Genau dies verspricht eine neue Fondskategorie, die derzeit in aller Munde ist. Diese neuen 130/30-Fonds müssen sich aber erst noch bewähren.

HB FRANKFURT. In den Vereinigten Staaten gehören diese 130/30-Fonds genannten Produkte schon seit geraumer Zeit längst zu den Absatzschlagern. Nach einer Schätzung von Merrill Lynch stecken weltweit bereits mehr als 50 Mrd. US-Dollar in den Papieren. Auch hierzulande kommen immer mehr 130/30-Fonds auf den Markt. Jede größere Gesellschaft plane mindestens ein solches Produkte mit innovativem Ansatz, beobachtet Andreas Köchling, Analyst bei Feri Rating & Research.

Die Fondsmanager investieren das Kapital in Aktien oder Anleihen - je nach Ausrichtung in Deutschland, Europa, Japan oder weltweit. Die Produktstruktur ist kompliziert: Der Manager kann über Derivate nicht nur auf steigende, sondern auch auf fallende Kurse setzen. Mit 130 Prozent des Portfolios setzt er auf steigende Kurse.

Der Fondsmanager kann zu mehr als 100 Prozent investiert sein, da er Papiere im Wert von 30 Prozent des Fondsvolumens leer verkauft. Er leiht sich Wertpapiere, die er verkauft und darauf hofft, dass er sie später zu einem günstigeren Kurs zurück kaufen kann. Den Verkaufserlös von bis zu 30 Prozent des Depots schafft zusätzliche Liquidität. Der Fondsmanager investiert wieder und kauft besonders aussichtsreich erscheinende Aktien. Damit setzt er zu 130 Prozent auf steigende, zu 30 Prozent auf fallende Kurse. Per Saldo sind die Fonds aber nicht mehr als zu 100 Prozent investiert. Der Fondsmanager nutzt Derivatestrukturen, da er keine effektiven Leerverkäufe eingehen darf. Der Einsatz von Futures, Optionen und Swaps ist dank der neuen Ucits-III-Richtlinie in Fonds möglich und sorgt für den Boom dieser Produkte.

Die Struktur beschert Managern größere Flexibilität und Freiheit, Trends am Markt zu spielen. "Sie bekommen ein zusätzliches Instrument an die Hand", sagt Köchling, was eine Chance auf Extra-Rendite bedeute. Allerdings nimmt auch das Risiko zu, da Fondsmanager Aktien auch falsch einschätzen können: Wenn der Kurs einer leer verkauften Aktie entgegen der Erwartung steigt, frisst das Rendite. Denn der Titel muss dann teurer zurück gekauft werden. "Fondsmanager müssen es schaffen, an drei Fronten gut sein", sagt Rüdiger Sälzle, Geschäftsführer des Researchhauses Fonds Consult. Sie haben grundsätzlich die richtigen Aktien auszuwählen, richtig leer zu verkaufen und die richtigen Aktien mit Hebel zu finden.

Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten, die Aktien für die Fonds zu finden: erstens über die fundamentale Analyse. Bei der DWS sucht zum Beispiel der bekannte Aktienfondsmanager Henning Gebhardt für den DWS deutsche Aktien 130/30 gute wie schwache Titel. Dagegen steuert der US-Anbieter State Street, der in den USA als führend bei den Trendfonds gilt, den State Street Global Alpha Edge nach quantitativer Analyse. Ob jemand Fundamental- oder Computeranalyse mag, ist für Feri-Mann Köchling eine Frage der Philosophie.

Bevor Anleger jedoch die theoretisch unstrittigen Chancen des 130/30-Konzepts wahr nehmen, sollten sie sich einzelne Produkte genau ansehen. Denn fernab der komplexen Materie gleiche kein Fonds dem anderen, da jeder den 130/30-Spielraum anders ausschöpfe und andere Schwerpunkte setze, sagt Köchling. Langfristig gibt es große Performance-Unterschiede. Von den Märkten abkoppeln können sich die Fonds nicht, da sie sich auf verschiedene Aktien- oder Rentenindizes beziehen. So machten die Fonds in den drei schwächeren Börsenmonaten bis Ende September auch Minus.

Für unabdingbar hält Sälzle daher, nur Fonds mit guter Historie von mindestens einem Jahr zu kaufen. Im übrigen sollten sich nur erfahrende Anleger mit Lust auf einen Renditekick und einer gewissen Risikobereitschaft an die Fonds herantrauen. Als Kerninvestment hält er sie für zu wenig durchschaubar.

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