2004 war ein schlechtes Jahr für die Anlagebranche – Investoren wenden sich wieder Aktien zu: Europäisches Neugeschäft mit Geldmarktfonds bricht ein

2004 war ein schlechtes Jahr für die Anlagebranche – Investoren wenden sich wieder Aktien zu
Europäisches Neugeschäft mit Geldmarktfonds bricht ein

Die europäischen Investmentfondsanbieter haben im vergangenen Jahr massive Absatzeinbußen erlitten. Die Nettoverkäufe der Publikumsfonds fielen um rund 40 Prozent von 218 Milliarden Euro auf 133 Milliarden Euro.

FRANKFURT/M. Das zeigen die jetzt vorliegenden Zahlen von Feri Fund Market Information (Feri FMI) aus London. Entscheidend für die Gesamtentwicklung war der Rutsch bei Geldmarktfonds: Der Nettoabsatz sackte von 73 Mrd. Euro auf null. Doch nicht alle Anbieter litten unter der insgesamt schlechten Entwicklung. Einige Häuser machten spürbar mehr Neugeschäft. Zu dieser Gruppe zählen vor allem europaweit agierende Häuser mit Fokus auf Aktienprodukte. So erwarten die Fachleute für 2005 denn auch eine steigende Nachfrage nach Aktienfonds.

Feri-FMI-Chefin Diana Mackay interpretiert die Absatzergebnisse: „Der Rückschlag bei den Geldmarktfonds ist ein Indiz dafür, dass die Anleger offensiver werden, aber diese Gelder fließen oft nicht in andere Fondsprodukte.“ Dahinter stecken laut Mackay unterschiedliche länderspezifische Entwicklungen. „In Großbritannien gingen die Gelder in Immobilien und Bankeinlagen, in Österreich in Aktien-Direktinvestments, die Italiener schichteten in Staatsanleihen um“, sagt sie.

Mit Blick auf den deutschen Markt findet Mackay mehrere Gründe für den schrumpfenden Fondsabsatz und die Nettoabflüsse aus Geldmarktfonds: „Die Zertifikate-Konkurrenz, außerdem schlossen viele Anleger aus steuerlichen Gründen vor dem Jahresende noch Versicherungen ab.“ Auf die Zertifikatekonkurrenz weist auch Peter Schwicht hin, der das Deutschland-Geschäft bei JP Morgan Fleming Asset Management verantwortet. Seiner Ansicht nach spielte zusätzlich eine Rolle, „dass Anleger nach der Wiedereinführung der Zwischengewinnbesteuerung diese im vergangenen Jahr vermeiden wollten und deshalb bei Geldmarktfonds ausstiegen“.

Trotz insgesamt schlechter Geschäftsentwicklung der Branche stiegen die Nettoabsätze von Aktienfonds, wenn auch nur moderat von 49 Mrd. auf 54 Mrd. Euro. Am meisten profitierten international bekannte Adressen, etwa die Anlagesparten von JP Morgan Fleming, Schroder und Fortis sowie Franklin Templeton. Die ersten drei Gesellschaften führen die Liste der besten Gesellschaften in puncto Verkauf für 2004 an (obere Tabelle). Schroder ist Spitzenreiter beim grenzüberschreitenden Verkauf. In dieser Teilstatistik sind nur Produkte berücksichtigt, die in mehreren Ländern angeboten werden.

Die Vertreter der genannten Häuser sind optimistisch für Aktienfonds. „Wir erwarten guten Absatz für Produkte mit Fokus auf Asien, Japan und China“, sagt Thomas Rostron, Vorstand von Fortis Investment Management. Schwicht von JPMorgan Fleming rechnet mit einem breiter angelegten Interesse. „Fonds mit Anlagen in Asien und Europa sollten mehr Geld auf sich ziehen“, schätzt er. Diese Szenarien passen zur Einschätzung von Feri-FMI-Chefin Mackay, nach der viele Investoren wieder mutiger werden. Ganz ähnlich registriert Gavin Ralston, Europachef von Schroder Investment Management: „Das Vertrauen steigt, und deshalb sollte die Nachfrage nach Aktienfonds insgesamt zunehmen.“

Die Experten erwarten aber auch weiter zunehmendes Interesse an Produkten, die wegen der verringerten Ertragsprognosen für die großen Aktienmärkte und die geringen Renditen für Staatsanleihen der Industrieländer in den Blickpunkt rücken. „Die Anleger suchen jetzt gezielter nach Mehrrendite“, sagt beispielsweise Rostron von Fortis. Das begünstige den Absatz von Fonds beispielsweise für Unternehmensbonds und Wandelanleihen. Schwicht von JPMorgan meint: „Im Rentenbereich geht der Trend in Richtung globale Hochzinsportfolios und zu Angeboten, die einen Aufschlag gegenüber der Geldmarktverzinsung versprechen.“

Neben zunehmender Nachfrage nach Aktienfonds und speziellen Rentenfonds erwarten die Fachleute einen anhaltenden Aufschwung für Produkte mit Risikobegrenzung in unterschiedlichsten Formen. „Das können beispielsweise Garantiefonds sein, die ausdrücklich den Kapitalerhalt versprechen, oder Dachfonds, die ihrerseits in einzelne Fonds investieren und so das Risiko verringern“, sagt Ralston von Schroder. Für Wisser von Franklin Templeton ist klar: „Generell werden so genannte Absolute-Return-Konzepte, bei denen die Vermeidung von Verlusten im Vordergrund steht, beliebter.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%