Abgeltungssteuer
Fondsbranche hofft auf den Fiskus

Das Geschäft mit Aktienfonds dümpelt in Deutschland dahin, lediglich die beliebten Geldmarktfonds retteten die Bilanz des verganenen Jahres. Nun sollen die neuen Regelungen bei der Abgeltungssteuer die Wende bringen. Immer vorausgesetzt, dass sich die Börsen bald erholen.

FRANKFURT. Die Fondsindustrie in Deutschland setzt nach dem schwachen Absatzjahr 2007 für klassische Fondsgruppen auf die Abgeltungsteuer. Die Branche rechnet damit, dass steuerbedingte Umschichtungen in Fonds mit Aktien einen maßgeblichen Anteil des Geschäfts 2008 ausmachen werden. „Mindestens ein Drittel des Geschäfts wird abgeltungsteuergetrieben sein“, sagte Sebastian Klein, Chef der Commerzbank-Fondstochter Cominvest. „Die aktienorientierte Anlage gewinnt an Boden – das betrifft Aktien-, Misch- und Dachfonds“, sagte auch Wolfgang Mansfeld, Präsident des deutschen Fondsverbands BVI, gestern in Frankfurt. An den Kapitalzuflüssen der Fondsgesellschaften werde man allerdings erst im zweiten Halbjahr etwas erkennen. Der Erfahrung nach würden die Menschen erst „kurz vor Toresschluss“ aktiv, meinte Mansfeld.

Ab Januar 2009 werden auch Kursgewinne aus der Vermögensanlage steuerpflichtig. Wer dann Anlageprodukte kauft, muss unabhängig von der Haltedauer Wertgewinne, Zinsen und Dividenden versteuern. Der Steuersatz beträgt 25 Prozent. Käufe aus dem Jahr 2008 fallen dagegen unter die bisherige Regel, nach der der Fiskus insbesondere Kursgewinne ab einer Haltedauer von einem Jahr unbehelligt lässt. Fondsanbieter hoffen nun darauf, dass Investoren noch in diesem Jahr ihre Vermögen neu strukturieren und ihre Aktienfondsquoten in den Depots erhöhen. Dies könnte dem seit Jahren schwachen Absatz von Aktienfonds, der mit einem Vermögen von 230 Mrd. Euro größten Publikumsfondsgruppe für Privatanleger, neuen Schwung verleihen.

Bis jetzt leidet die Branche jedoch noch stark unter der US-Hypothekenkrise und dem Einbruch der Aktienmärkte. Rentenfonds spüren zudem die relativ geringen Renditen infolge niedriger Zinsen. Im vergangenen Jahr bescherte das weltweite Finanzmarkt-Desaster dem deutschen Fondsmarkt Rekordabflüsse bei den Aktien- und Rentenfonds. Privatanleger zogen aus den beiden Segmenten netto 14,2 Mrd. Euro beziehungsweise 17,6 Mrd. Euro ab, berichtete der BVI gestern.

Die Fondsbilanz retteten die als wertsicher geltenden Geldmarktfonds, die neues Kapital von netto 24,6 Mrd. Euro einsammelten. Deutliche Zuflüsse verbuchten außerdem sonstige Wertpapierfonds, hinter denen Zertifikate-Fonds und ein steueroptimierter Rentenfonds stehen, sowie aus Aktien und Anleihen gemischte Fonds und Produkte mit Kapitalgarantie. Insgesamt sammelten die Fondsgesellschaften mit 24,1 Mrd. Euro fast so viel Kapital in Wertpapierfonds für Privatanleger (Publikumsfonds) ein wie im Vorjahr. Zusätzliche 6,7 Mrd. Euro flossen in offene Immobilienfonds, die in den Vorjahren Geld verloren hatten. Die Fondsbranche verwaltet insgesamt ein Vermögen von 1,4 Bill. Euro.

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