Abgeltungssteuer
Luxemburger Spezialfonds punkten

Im Zuge der Einführung der Abgeltungssteuer sind Special Investment Funds in den Blick der Anleger – aber auch des Fiskus – geraten. Aber selbst wenn ihre Erträge unter die Abgeltungssteuer fallen sollten, bieten die Luxemburger Spezialfonds Vorteile.

HB MÜNCHEN. MÜNCHEN. Die Abgeltungsteuer wird grundsätzlich zum 1. Januar 2009 eingeführt. Danach unterliegen bestimmte Kapitalerträge eines Privatanlegers, insbesondere Zinsen, Dividenden sowie bestimmte Veräußerungsgewinne beim Verkauf von Wertpapieren, die nach dem 31. Dezember 2008 angeschafft wurden, einer 25-prozentigen Abgeltungsteuer – zuzüglich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Die steuerfreie Realisierung von Kursgewinnen nach Ablauf der Haltefrist wird zukünftig grundsätzlich nicht mehr möglich sein. Deshalb werden Privatinvestoren in nächster Zeit ihre Anlagestrategie überdenken.

Im Fokus steht dabei vielfach die Überlegung, wie sich die Übergangsregelungen ideal nutzen lassen – das betrifft insbesondere Kapitalanlagen mit offenen Investmentfonds: Anteile an offenen Investmentfonds, die vor dem 1. Januar 2009 erworben werden (Alt-Anteilsscheine), können nach Ablauf einer einjährigen Spekulationsfrist steuerfrei veräußert oder zurückgegeben werden. Erzielt der Investmentfonds Veräußerungsgewinne und schüttet sie nicht aus, kann der Anleger diese Veräußerungsgewinne nach Ablauf der Spekulationsfrist durch den Verkauf oder die Rückgabe seiner Anteile am Investmentfonds einkommensteuerfrei vereinnahmen.

Diese Gestaltungsmöglichkeiten blieben dem Gesetzgeber nicht verborgen. In einer Stellungnahme des Bundesrats zum Jahressteuergesetz 2008 vom 21. September 2007 fordert dieser die Bundesregierung auf, zumindest für Investmentfonds mit weniger als 30 Anlegern zu prüfen, ob die auf Ebene des Fonds erzielten Veräußerungsgewinne zum Zeitpunkt des Verkaufs der Anteilsscheine durch den Anleger nicht dennoch besteuert werden sollen. Vor diesem Hintergrund ist die vollständige Steuerfreiheit der Veräußerungsgewinne von Alt-Anteilsscheinen derzeit ungewiss. Daher rücken zunehmend Überlegungen in den Mittelpunkt, die künftig wenigstens eine Stundung der Abgeltungsteuer ermöglichen sollen.

Eine solche Steuerstundung lässt sich nicht nur über die Beteiligung an thesaurierenden (Publikums-)Investmentfonds erreichen, sondern auch über den Erwerb von Anteilsscheinen an dem neu eingeführten Special Investment Funds (SIF) nach luxemburgischem Recht. Der SIF verbindet die steuerlichen Vorzüge eines Investmentfonds – die Stundung der Abgeltungsteuer auf realisierte Kursgewinne – als auch die Einflussmöglichkeiten des Investors auf Anlagepolitik und Ausschüttungsverhalten.

Dieses Ausschüttungsverhalten kann der persönlichen Steuersituation angepasst werden. Sinnvoll wäre eine Ausschüttung insbesondere in den Jahren, in denen der persönliche Einkommensteuersatz – beispielsweise aufgrund des Eintritts in den Ruhestand – niedriger ist als die Abgeltungssteuer. Der Privatanleger könnte die Abgeltungssteuer mit der Option zur allgemeinen Veranlagung aushebeln. Gegenüber den bisherigen Spezialfonds zeichnet den SIF besonders aus, dass sich der Privatanleger alleine an dem SIF beteiligen kann („Ein-Anleger-SIF“) und der SIF hinsichtlich der Anlagepolitik sehr flexibel ist, so sind auch Investitionen in Private-Equity- und Hedge-Fonds zulässig. Außerdem unterliegt er erleichterten aufsichtsrechtlichen Bedingungen, wobei der Grundsatz der Risikomischung weiterhin beachtet werden muss.

Privatanleger benötigen allerdings ein umfangreiches Vermögen: Die Mindestzeichnungssumme beträgt grundsätzlich 125 000 Euro. Zusätzlich muss sichergestellt werden, dass ein Jahr nach Gründung des SIF das Fondsvermögen mindestens 1,25 Millionen Euro beträgt, etwa durch Wertsteigerungen oder weitere Einlagen des Privatinvestors. In formaler Hinsicht muss der Anleger durch eine Bestätigung, die er selbst abgibt, den Nachweis seiner Sachkunde erbringen. Zur Erfüllung diverser Veröffentlichungspflichten entstehen dem SIF laufende Verwaltungsaufwendungen, die jedoch geringer sind als die Verwaltungskosten für Spezialfonds nach bisherigem Luxemburger Recht.

Steffen Rapp ist Steuerberater, Stefan Strobl Rechtsanwalt und Steuerberater bei GSK Gassner Stockmann & Kollegen.

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